Wenn die Biene mit der Mandelblüte

Der Ökoimker Martí Mascaró über eine wechselseitige Beziehung, die nicht nur ästhetischen Reiz hat

26.02.2017 | 15:50
Die rosa-weiße Blütenpracht verzaubert die Menschen

Wenn die Bienen jetzt fleißig die Mandelblüten besuchen, werden die Bäume im Herbst üppig Früchte tragen. „Bis dahin kann zwar noch viel passierten, aber 2017 könnte wieder einmal ein gutes Jahr für Mandel und Biene werden", meint Öko-imker Martí Mascaró. „Nach zwei trockenen Wintern haben die starken Regenfälle im Dezember und Januar den Bäumen gutgetan. Und auch die Bienen konnten sich mit Wasser versorgen." In trockenen Wintern holen die Sammelbienen zuallererst Wasser für Brut und Königin ein, bevor sie sich auf die Suche nach Pollen und Nektar begeben.

Mascaró beobachtet die Mandelblüte und deren Bestäubung durch seine Bienen schon lange. Er ist der einzige Imker Mallorcas, der Bienen auf Ökofincas züchtet. Doch auch die Bienenvölker – er besitzt insgesamt 120 –, die nicht auf biologischen Bienenweiden unterwegs sind, behandelt er nachhaltig. Dazu gehört unter anderem, dass er ihnen die Hälfte ihrer Honigvorräte überlässt, damit sie den Winter über gut im Futter stehen und Abwehrkräfte gegen Krankheiten und den Befall der Varroa-Milbe bilden können.

Für Mascaró steht nicht die Quantität des geernteten Honigs im Vordergrund, sondern das Wohl­ergehen seiner Bienenvölker. Dafür ist aber auch eine erfolgreiche Mandelblütensaison wichtig.

Frühe und späte Blüten

Wenn Mitte Februar die almendros aufblühen, handelt es sich meist um traditionelle Sorten, wie „Pou", „Pons" oder „Torres", um nur die wichtigsten zu nennen. Die Bienen sind auf Frühblüher dringend angewiesen, denn sie brauchen nach der Kälte dringend Nahrung. Doch erst wenn das Thermometer über 12 Grad klettert, verlassen sie die Bienenstöcke, in denen es sommers wie winters 35 Grad warm ist.

Pollen konnten sie dieses Jahr bereits bei dem auf der Insel weit verbreiteten Nickenden Sauerklee (Oxalis pes-caprae) finden. Das ist eine invasive Pflanze, die einheimische verdrängt und obendrein den Bienen zwar Pollen, aber keinen Nektar bietet (siehe Kasten). Bei den Mandelblüten dagegen finden die Honigbienen beides. Wie alle Honigpflanzen sind diese mit Nektardrüsen ausgestattet, deren Duft bestäubende Insekten anlockt.

Wie anfangs schon erwähnt, kann während der flor de almendro viel passieren, denn die Wetterbedingungen sind nicht immer ideal. Frost ist das Schlimmste, was passieren kann. Die Blüten erfrieren, und die Bienen verlassen ihre Behausung nicht. Auch wenn es zu Niederschlägen kommt, bleiben sie zu Hause. Bei Stürmen ist ihnen die Anstrengung beim Flug zu groß, und Windböen sind dafür bekannt, dass sie Blüten von den Ästen wirbeln.

Zudem sind die Bienen Mitte Februar noch nicht optimal für die Bestäubungsarbeit vorbereitet. „Die Zahl der Sammelbienen ist noch klein." Allerdings haben sie bei den alten Mandelsorten Zeit zum Sammeln: Die Blüte hält länger, manchmal sogar drei bis vier Wochen, an.

Nur acht bis zehn Tage dauert hingegen die Blüte der neueren, spät blühenden Sorten. Durch gezielte Bestäubungen entstanden über mehrere Pflanzengenerationen Mandelbäume, bei denen sich die Blüte immer weiter in den meist wärmeren März verschiebt. Zu den späten Sorten zählen „Mas Bovera" sowie „Ferragnès", eine Kreuzung zwischen der südfranzösischen Ai-Mandel und der italienischen „Cristomorto".

Die Bestäubung der Pollen

Der Mandelbaum zählt zu den Zwittern unter den Pflanzen. In seinen Blüten befinden sich gleichzeitig männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Das bewirkt, dass die Befruchtung nicht mit den Pollen von ein und demselben Baum stattfinden kann (autoincompatilidad). „Auf den Plantagen wurden deshalb schon immer mindestens drei verschiedene Sorten gepflanzt", sagt der Mallorquiner. Nicht alle von ihnen sind unterei­nander kompaktibel. Botaniker nennen dies „gekreuzte Bestäubung" (polinización cruzada). Das Vorkommen von mehreren Sorten auf einer Plantage ist für den Laien nur dann erkennbar, wenn weiße und rosafarbenen Sorten auf einem Feld wachsen.

In Zukunft könnte sich das ändern; es gibt neue Züchtungen: die Selbstbestäuber (autocompatibles). Bei diesen Bäumen können die Blüten mit den Pollen des eigenen Baumes befruchtet werden. Die Sorte „Ayles" beispielsweise ist ein Selbstbestäuber, sie blüht gleichzeitig mit dem Ferragnès-Mandelbaum und kann mit seinen Pollen dessen Blüten bestäuben. Auch dafür sind Bienen weiterhin gefragt.

Mandelblütenhonig

Weil die Mandelblüten die erste Nahrung für die Bienen nach dem Inselwinter sind, dient ihr Nektar ausschließlich zum Auffüllen der Nahrungsbestände, die ihnen die Imker überlassen. „Mandelblütenhonig gibt es nur dort, wo ein Weidewechsel, eine trashumancia möglich ist", erklärt Mascaró. So verlegen beispielsweise die andalusischen Imker im Winter ihre colmenas in wärmere Zonen, um dann zur Mandelblüte wieder umzu­ziehen.

In Kalifornien werden die Bienenstöcke auf riesigen Trucks zu den Mandelplantagen transportiert. Die Imker verdienen mittlerweile mehr mit der Bestäubung als mit dem Mandelblütenhonig. Bekömmlich ist diese Einheitskost für die Bienen nicht. „Es ist so, als würden wir unser ganzes Leben das gleiche essen", sagt der apicultor (Imker).

Auf der Insel könnte man die Nahrungsvorräte im Winter mit Zuckerwasser auffüllen. Dann wären zur Zeit der Mandelblüte auch schon viel mehr Sammelbienen groß geworden und unterwegs. Doch dies wäre – so der Imker – ein barbarischer Akt, mit dem man die Gesundheit der Bienen aufs Spiel setze.

Kontakt zu Martí Mascaró per E-Mail: martimascaro@hotmail.com

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