Illustratorin Aina Bestard: die Liebe zum Versteckspiel

Die ehemalige Schuhdesignerin aus Pina liebt das Spiel mit visuellen Effekten und erklärt nebenbei den Urlaubern die Kultur der Insel. Zweiter Teil unserer Serie über Mallorcas Illustratoren-Szene

22.03.2017 | 02:30
Regenschauer, blühende Pflanzen, Tiere: In diesem Liniengewirr verstecken sich drei Bilder. Um sie zu erkennen, muss man eine blaue, eine rote und eine grüne, durchsichtige Plastikfolie oder Lupe zur Hand nehmen. Den Büchern von Aina Bestard liegen diese selbstverständlich bei.

Als Erstes fällt auf, wie stilvoll das Haus eingerichtet ist. Traditionelles mallorquinisches Design mischt sich mit zeitgenössischer Kunst und ausgewählten Dekorationsstücken. Hier, im kleinen Dorf Pina im Insel­inneren, empfängt Aina Bestard. Sie wohnt hier nicht das ganze Jahr über. „Aber etwa zehn Tage im Monat bin ich auf der Insel." Ansonsten arbeitet sie in Barcelona.

In den Regalen stehen Prototypen für Schuhe, die Bestard bei ihrer Arbeit als Designerin für die Inselmarke Camper gefertigt hat. Fünf Jahre war sie dabei. Doch das ist Vergangenheit, denn die 35-Jährige hat sich inzwischen mit ihren Büchern einen Namen gemacht.


Ihre Bücher gibt es auch auf Deutsch

Auf den ersten Blick wirken die Bilder unübersichtlich. Verschiedenfarbene Muster prallen aufeinander. Erst wenn der Betrachter die den Büchern beiliegenden roten, grünen und blauen Lupen zur Hand nimmt, wird aus den Wirren der Linien jeweils ein Bild. Zwei Bücher hat Bestard mit dieser Technik schon veröffentlicht, beide sind auch auf Deutsch erschienen: „Was versteckt sich da im Wald?" und „Was versteckt sich da im Meer?". Gerade arbeitet sie an einem dritten Buch über den menschlichen Körper.

Bestard stammt aus einer kreativen Familie. Ihre Mutter ist Künstlerin, ebenso ein Großonkel. Weitere Familienmitglieder sind Architekten oder Innenausstatter. Bestard hat mallorquinische Eltern, ist aber in Katalonien aufgewachsen. Das Zeichnen hat sie von ihrem Großvater gelernt. „In meiner Kindheit war Zeichnen für uns wie ein Spiel. Mein Opa hat immer Aufgaben gestellt. Für ihn war Zeichnen ein Mittel der Kommunikation." Dass sie selbst mal damit Geld verdienen würde, hätte sie nie gedacht, wie sie sagt. „Es ist surreal. Für mich war es immer eher ein Mittel zum Zweck."


"Ich möchte überraschen"

Als Illustratorin sehe sie sich nicht, auch wenn sie mittlerweile neben den eigenen Büchern auch die von anderen Autoren mit Bildern versieht. „Bei meinen persönlichen Arbeiten geht es mir vor allem darum, mit visuellen Effekten zu spielen. Ich möchte überraschen. Meine Bücher erzählen weniger eine Geschichte, als dass sie eine Idee vermitteln." Deshalb sehe sie keinen so großen Unterschied zwischen ihrer jetzigen Arbeit und jener, als sie noch Schuhe designte.

Das Konzept hat Erfolg. Ihre Bücher, die von den RGB-Wallpapers des italienischen Künstlerduos Carnovsky inspiriert sind, gibt es bereits in einem Dutzend Sprachen. Besonders gut kommen sie in Polen an. „Wir haben dort früher mit der Familie die Sommerferien verbracht. Anscheinend haben meine Arbeiten etwas, was die Leute dort anspricht."


Krach bei der Arbeit

Ihre Arbeiten erstellt Bestard mit schwarzer Tinte in verschiedenen Schichten, die sie später einscannt und dann einfärbt. „Meine Arbeiten sind sehr minutiös. Ich verbringe viel Zeit damit, kleine Striche zu machen." Deshalb brauche sie Krach bei der Arbeit, macht Fernsehen oder Radio an. Sie sucht eine breite Geräuschkulisse. „Gerade in der Phase, in der ich nicht konzipiere, sondern ausfülle, wird es sonst zu einsam. Und wenn ich Menschen zum Reden habe, umso besser." Zwei bis drei Wochen könne es schon mal dauern, bis ein doppelseitiges Bild fertig ist.

Neben ihren Büchern und Auftragsarbeiten hat Bestard angefangen, unter dem Namen „Ben Mallorquí" mallorquinische Kultur in einfachen Zeichnungen darzustellen. „Viele Leute haben das Haus hier in Pina besucht und wollten die mallorquinische Kultur möglichst im Original kennenlernen." Die Ergebnisse findet man auf einer hübschen Website und kann sie auch als Postkarte kaufen.


Einfersüchtig auf die mallorquinische Familie

Bestard fühlt sich als Mallorquinerin. „Ich war immer etwas eifersüchtig, weil ich als Einzige in meiner Familie nicht auf der Insel aufgewachsen bin. Deshalb war es mir damals so wichtig, bei Camper anzufangen, nicht nur weil ich deren Arbeit spannend fand. Ich wollte auf der Insel
leben können."

Als Nächstes wolle sie Bücher machen, die man mit 3-D-Brille liest. „Mich interessiert diese Technik wahnsinnig. Auch hier wird es weniger um die Geschichte gehen, als darum, eine Ausrede zu finden, ein solches Projekt machen zu können."

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