Schiffchen fahren für große Seemänner

Kapitän Nacho de la Madrid steuert Luxusyachten und Mini-Segelboote. Für die kleinen gibt es sogar eine eigene Regatta

02.05.2017 | 08:35
Nacho de la Madrid kennt sich mit großen und kleinen Segelschiffen aus.

Es ist windig an diesem Donnerstagmittag (13.4.) in Puerto Portals. Ideale Bedingungen für Nacho de la Madrid. Er steht am Rande des Hafenbeckens, in der Hand hält er eine Fernbedienung. Der 50-Jährige steuert mit kleinen Hebeln die Segel eines Miniaturbootes. Ein weiterer Hebel bewegt das Ruder. Ruhig dreht das Schiff im Wasser seine Kreise. „Sechs Knoten war die Höchstgeschwindigkeit, die ich mal erreicht habe", sagt er stolz.

Plötzlich ertönt eine laute Hupe. Eine große Yacht mit deutscher Fahne will vorbei. Für Nacho de la Madrid heißt das Reißaus nehmen. Er bringt seinen Schützling in Sicherheit, hebt das Boot am Mast aus dem Wasser. Interessiert schaut er der großen Yacht hinterher.

Nacho de la Madrid kennt sich mit Schiffen aus. Normalerweise steht er selbst am Steuerrad von 30-Meter-Yachten. Der gelernte Kapitän fährt die Schönen und Reichen auf den Weltmeeren umher. „Im Sommer fahre ich um Mallorca herum meine Touren. Im Winter geht es oft in die Karibik." Oft hat er dabei Prominente an Bord. „Was ich da alles erzählen könnte", sagt er, will aber nicht Details über seine Passagiere ausplaudern.

Neben der Arbeit nimmt der gebürtige Sevillaner in seiner Freizeit an Segel-Regatten teil. So gewann er 1998 in der Gesamtwertung die Copa del Rey in Palma. Auch in diesem Jahr will er wieder antreten, hat aber noch kein Team gefunden. Doch Nacho de la Madrid gibt sich gelassen. „Irgendjemand wird schon die Hilfe von einem erfahrenen Kapitän brauchen."

Bei seinem kleinen Segelboot ist der 50-Jährige auf keine Crew angewiesen. Er kaufte sich vor zwanzig Jahren in Australien sein erstes Modell und baute das dann nach. „Gut anderthalb Tage brauchte ich für ein Schiff." Später verkaufte Nacho de la Madrid die Boote. Ab 600 Euro beginnt die Preisspanne der ferngesteuerten Schiffe in der IOM-Klasse. IOM steht für International One Meter – der Länge des Rumpfes.

„Wer bei einer Regatta vorne mitfahren will, muss jedoch tiefer in die Tasche greifen", sagt Nacho de la Madrid. Mehr als 2.500 Euro kann dann ein Schiff schon kosten. Er selbst hat sich das Modell gekauft, das auch der britische Weltmeister Bradley Gibson fährt. Mindestens vier Kilogramm muss ein IOM-Boot bei offiziellen Turnieren schwer sein. „Leichtere Schiffe wären sonst bei schwachen Wind im Vorteil." Je nach Windverhältnissen montieren die Steuermänner ein unterschiedlich großes Segel auf das Schiff.

Der Rumpf besteht – wie bei den großen Segelbooten – aus ­glasfaserverstärktem Kunststoff. Er ist in vielen Farben erhältlich, wobei die Segler helle Töne bevorzugen. „Im Sommer kann ein dunkles Schiff in der Hitze platzen."

Neben den Briten seien die Franzosen besonders begabt im Umgang mit den kleinen Segelbooten, sagt der Kapitän. In Frankreich wird im Mai auch die nächste Weltmeisterschaft stattfinden. Nacho de la Madrid ist dieses Jahr nicht dabei. „Vom Ranking her hätte ich mich qualifiziert, aber mir passt der Termin nicht." Die Rangliste wird je nach Teilnahme und Abschneiden bei Turnieren erstellt. Bei den balearischen Meisterschaften Ende Fe­bruar belegte Nacho de la Madrid den zweiten Platz. Die Wettkämpfe funktionieren wie die Regatten mit den richtigen Segelbooten. Die Teilnehmer starten gleichzeitig und müssen einen mit Bojen vorgegebenen Parcours abfahren. Da der Steuermann nicht selbst an Bord ist, sind gute Augen gefragt. Kleine Fähnchen am Segel helfen, den Wind auf die Entfernung einzuschätzen.

Bis zu 400 Meter reicht das Funksignal der Fernbedienung. Auf diese Distanz ist eine zentimetergenaue Steuerung aber kaum noch möglich. „Ein Zusammenstoß passiert leicht und oft", sagt Nacho de la Madrid. Damit sich niemand durch einen geschickten Rempler einen Vorteil verschafft, passt ein Schiedsrichter auf die Einhaltung der Regeln auf. „Zudem geht Fair Play vor", sagt Nacho de la Madrid.

Drei Durchgänge fahren die kleinen Segelboote. „Alles in allem dauert so eine Regatta keine 15 Minuten." Je nach Eintreffen im Ziel erhalten die mit Nummern versehenen Schiffe Punkte.

„Das Segeln macht süchtig", sagt der 50-Jährige lachend. Für die kurzen Wettkämpfe reist Nacho de la Madrid auch auf das Festland. Auf Mallorca hat er 15 Konkurrenten. „Viele von ihnen sind entweder Segler oder Modellbauer." Einige versuchen durch das Segeln im Minia­turformat gar, ihre Taktik für die Regatta mit dem großen Schiff zu verbessern.

In seinem Heimathafen konnte der Kapitän am Sonntag (23.4.) wieder seine Erfahrung im Finale der zweiten Ausgabe der balearischen Liga ausspielen. Nacho de la Madrid ging als Zweiter in die Endrunde. „Bei der vergangenen Regatta vor einem Monat habe ich mich für das falsche Segel entschieden und daher Punkte verloren", sagt er. Der Rückstand von einem Punkt auf den Ersten Juanjo Barceló konnte er einholen und sich mal wieder Meister nennen.

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