An Bord des solarbetriebenen Flüster-Katamarans

Der weltweit erste Luxus-Solar-Katamaran von Solarwave hat in Port d´Andratx angelegt. Die MZ war an Bord und hat ganz genau hingehört

08.05.2017 | 16:40

Liegen wir noch im Hafen oder fahren wir schon?

Auf der Toilette der „Solarwave 64" kann man das Ablegemanöver schon mal verpassen. Kein Segel, das gehisst werden muss und den Mast hinauf poltert, kein Motor, der vor sich hin blubbert und Kühlwasser in die See spuckt. Nur das sanfte Schlagen der Wellen gegen den Carbon-Rumpf des 19,43 Meter (64 Fuß) langen und 9,5 Meter (31,2 Fuß) breiten Katamarans sind zu hören. Die wollen uns wohl ganz sanft verschaukeln, die Schiffseigner von Solarwave Yachts. Gelingt ihnen ganz gut.

Los ging es 2009

„Das erste Solarboot haben wir 2009 gebaut", sagt Michael Köhler, Skipper und Chef der Firma. „Mit dem ersten Schiff sind wir über Rhein, Main und Donau bis ins Schwarze Meer gefahren, nur mit Solarenergie", sagt er. Den Generator habe man nur angeworfen, damit er keinen Rost ansetze. Nach drei Jahren Testfahrt habe man genügend Erfahrungen eingefahren, um in Serienproduktion zu gehen. Aber natürlich würden die Katamarane nur auf Bestellung angefertigt.

Zur Zeit werden vier 55 Fuß große und ein 70 Fuß großes Schiff durch ein deutsches Konstruktions-Büro und eine deutsche Werft mit Produktionsstätte in Asien gebaut. Alle hochseeverifiziert mit der Klasse A.

So weit kommt man

Einige der Käufer würden eine Weltumrundung planen, so Köhler. Dafür sollte man allerdings etwas Zeit mit an Bord bringen, die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit liegt bei sechs bis acht Knoten. Zwar könne man auch auf 12 Knoten beschleunigen, aber „Solarboote sind nicht auf Höchstgeschwindigkeit, sondern auf Effizienz ausgelegt", sagt Köhler. Man vergleiche sich eher mit Segelbooten, die auch nicht viel schneller unterwegs sein würden. Und wenn die Sonne tagelang nur über den Wolken scheint? „Mit der Leistung der Batterien kommt man 100 Seemeilen weit", sagt Köhler (100 Seemeilen entsprechen 185,2 Kilometer). Mit den zwei an Bord befindlichen Dieselgeneratoren ebenfalls und noch weiter. Es komme halt immer darauf an, wie schnell man fahre, so Köhler. Die Motoren leisten zweimal 60 Kilowattstunden, die Batterien 84 Kilowattstunden. „Mit 84 Kilowattstunden kann man eine Herdplatte 48 Stunden anlassen oder sich 84 Stunden die Haare föhnen", sagt Köhler. 10 Jahre Garantie gibt man auf die Batterien, 25 Jahre auf die Solarpanels.

Die Solarpanel kosten 15.000 Euro, der Satz Batterien stolze 40.000 Euro. „Aber da ist große Bewegung im Markt", sagt Köhler. Als man dieses Boot 2015 gebaut habe, waren die Batterien die modernsten, die es zu kaufen gab. Heute würden die gleiche Art von Batterien die Hälfte kosten und wiegen. Die Autoindustrie beschleunigt die Entwicklung, für die Herstellung von Elektro-Autos werden millionenfach Batterien gebraucht, davon profitiere man auch beim Schiffsbau, so Köhler.

Während er erzählt, erreichen wir eine kleine Bucht, und der Skipper verringert die Fahrt per Joystick. Die Wellen schlagen wieder leise gegen den Rumpf, als ein Lärm die Stille durchfährt. Der Anker rasselt an der Kette hinunter auf den Meeresgrund, dass ein Schlossgespenst seine Freude daran hätte. Wenn man sonst nicht viel hört, wird man eben geräuschempfindlich.

Den Gästen gefällt es

Die anderen Gäste an Bord stört der Lärm des Ankerns wenig. Ex-Miss Slowakei Barbora Olejníková und Designerin Ksenia Sieg nutzen die Gunst der Stunde, um etwas Sonne auf denen für Katamarane typischen Netzen zu tanken. „Man kann an Bord wunderbar entspannen", sagt Barbora Olejníková. Ihre Freundin Ksenia Sieg pflichtet bei: „Und es gibt super viel Platz". Sieben Schlafplätze hat die Solarwave 64. Die Größe ist allerdings auch der Grund, warum sich Gastronom Frank Haupt aus Düsseldorf, der Freund von Ksenia Sieg, keinen Katamaran anschaffen würde. „Man braucht im Hafen zwei Liegeplätze und zahlt doppelt", sagt er.

Dass die Liegeplätze teuer seien, stimme wohl, so Köhler. Allerdings gäbe es keine günstigere Art zu reisen, als mit einem Solar-Katamaran. „Wenn man mit einem Segelboot eine Weltumrundung macht, dann kann man auch sagen, man repariert sich um die Welt", sagt er. Das laufende Gut ist immer in Bewegung und daher reparaturanfällig. Die Erhaltung eines Riggs auf einem Segelboot sei teuer, so Köhler. Auch bei Motorbooten müssen die Maschinen ständig gewartet werden. Das würde bei dem Solarboot entfallen.


Im Winter wird das Licht angelassen

Und wenn man nicht rausfährt, hat man jede Menge überschüssiger Energie zur Verfügung. „Im Winter lassen wir das Licht an", sagt er. Auch der Kühlschrank würde immer laufen, das sei gut für die Systeme an Bord und koste ja nichts. Es ist vielleicht auch ganz gut, nach der Anschaffung etwas Geld zu sparen. Eine neue Solarwave 64 kostet ab 2 Millionen, das Vorführmodel steht für 1,9 Millionen Euro zum Verkauf. Die 55 Fuß große Variante fängt bei 1,2 Millionen, 70 Fuß bei 2,5 Millionen an.

Mehr Infos und Terminvereinbarung über den Vertriebsmanager für Mallorca/Ibiza Markus Schmitz, www.solar-katamaran.de

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