Gewächshaus Son Ferriol: Kaufen Sie lieber Rosen, die weniger duften

Die Königin der Blumen zeigt dort ihre volle Pracht. Hier wird noch auf ökologische Art angebaut

12.05.2017 | 11:03
20.000 Rosensträucher wachsen in dem Gewächshaus, Rosa Fullana pflückt die Blüten und kümmert sich um den Verkauf.

Rosen kaufen

  • „10 Jardíns", Cami Vell de Sineu, km 2,7, Son Ferriol, (Hinter dem Hospital Son Llàtzer), Tel.: 658-76 90 89, Preis: 50 oder 75 Cent pro Rose

Ende April verlassen täglich etwa 2.000 Rosen das Gewächshaus in Son Ferriol. 20.000 Rosensträucher blühen hier in Weiß, Gelb, Pink bis hin zum Rot in vielen Farbnuancen. Die Stauden sind klein und eher unscheinbar, denn die rosales sind zur Produktion von Schnittblumen gezüchtet, einige stammen vom deutschen Züchter Kordes.

Bei acht Sonnenstunden am Tag fühlt sich die Königin der Blumen wohl, sind es zwölf täglich, geht es ihr noch besser. „Das Frühjahr ist der beste Gärtner", sagt Agraringenieur Manuel Bueno, er und Rosa Fullana, die beiden sind ein Ehepaar, bauten 1995 auf einem Grundstück der Familie in Son Ferriol das knapp 6.000 Quadratmeter große Gewächshaus mit 40 langen, schmalen Hochbeeten, in jedem von ihnen wachsen 500 Sträucher. Sechs bis acht Jahre sind sie produktiv, danach bilden sie nur noch wenig Blüten und es sind neue zu pflanzen.

Das Ehepaar berichtet, dass in den 80er- und 90er-Jahren und auch noch nach der Jahrtausendwende, Paris, Barcelona und Madrid mit Schnittrosen von der Insel in großen Mengen beliefert wurden. Mittlerweile ist das Unternehmen „10 Jardín" das einzige auf Mallorca, das Rosen im großem Stil anbaut.

Denn die niedrigen Kosten für Cargo-Flüge machten Anfang 2000 Rosenimporte aus Ecuador und Ostafrika möglich, dort ist das Klima ganzjährig mild und günstig für die Rosenzucht. Produziert wird – mit Ausnahme von Fairtrade-Rosen aus Ecuador – mit niedrigsten Arbeitslöhnen. Zudem sind die Arbeiterinnen auf den Farmen gesundheitsschädlichen Pestiziden ausgesetzt.

Im Gewächshaus in Son Ferriol werden Menschen und Pflanzen nicht mit Giften konfrontiert. Jeden Monat kommt hier mit der Post ein Paket mit natürlichen Fressfeinden an. Sie hausen in weißen Papiertütchen mit einer Öffnung für den Ausflug, die in regelmäßigen Abständen an den Sträuchern hängen. Bueno öffnet einen der sobres und schüttet sich Sägemehl auf die Handfläche.

Mit bloßem Auge ist die Raubmilbe (Amblyseius swirskii) nicht zu erkennen. Sie ernährt sich von den Eiern und Larven der Weißen Fliege sowie von verschiedenen Fransenflüglern (Thrips), die den Rosen zu schaffen machen. Eine weitere in Sägemehl und Tütchen lebende Milbenart (Amblyseius californicus) wird zur biologischen Bekämpfung der Roten Baumspinne eingesetzt. Beide Insektenfresser können auch Hungerphasen überstehen und gehen erst dann auf Futtersuche, wenn die Schädlinge sich reichlich vermehrt haben.

Dass hier Insekten leben, wird beim Gang durch die engen Pfade zwischen den Beeten offensichtlich. Beim Berühren der Blätter fliegen plötzlich winzige Insekten in die Höhe. Doch Bueno möchte die Insekten nicht so gerne in „Schädlinge" und „Fressfeinde" unterscheiden. „Baumspinne und die Weiße Fliege kommen in der Natur einfach vor", sagt Bueno. Sie verursachen Flecken auf den Rosenblättern und behindern den Pflanzenwuchs, aber sie sind auch ein Zeichen, dass die Rosen in natürlicher Umgebung wachsen. Die Milben sind, seiner Meinung nach, nicht wirklich „Feinde", es liege in ihrer Natur, sich von Eiern und Larven zu ernähren. Die Kunst im ökologischen Anbau sei, so Bueno, die richtige Balance zwischen den Insektenarten zu finden. Zusätzlich werden die Sträucher mit einer Schwefellösung behandelt, was im Bio-Anbau toleriert wird. Die Lösung wird nachts in kleinen Behältern aus Metall elektrisch erhitzt und auf die Rosen versprüht.

Da gesunde Gewächse weniger anfällig für Krankheiten und Schädlingsbefall sind, wachsen die Wurzeln der Sträucher in einer Mischung bester Substrate: Humus, der von Regenwürmern produziert wird, Kokosfasern und Torf zur Lockerung. In jedem der etwa 50 Zentimeter breiten Beete sind zwei Bewässerungsschläuche verlegt. Da Rosen wenig Wasser auf einmal mögen, gießt man mehrmals täglich kurz, im Sommer tagsüber jede Stunde ein paar Minuten. Das hauseigene Brunnenwaser wird dafür mit einer Osmoseanlage pflanzengerecht aufbereitet. Beim Gang durch die Rosenbeete kommt man den Pflanzen sehr nahe und es fällt nach einiger Zeit auf, dass man ihren Duft nur schwach wahrnimmt. „Wir haben nur einige wenige Sorten, die stark duften", sagt der Agraringenieur. Bei den meisten fällt der Duft eher schwach aus. Denn Blütendüfte enthalten Ethylen und dieses beschleunigt das Verwelken. Das wollen Blumenhändler und Endverbraucher nicht: Denn Rosen sollen lange halten.

Im Gewächshaus in Son Ferriol dauert die Blüte von April bis Dezember, Hochsaison ist jedoch im Frühling, verantwortlich für den Vertrieb ist Rosa Fullana. Sie liefert die zu Sträußen gebundenen Schnittblumen an Floristerias oder verkauft sie direkt in der Gärtnerei an Kunden. Die Blätter verwelkter Blüten kühlt sie, bis Restaurants oder Weddingplaner sie abholen.

Damit Rosen in der Vase lange halten, empfiehlt Rosa Fullana, sie in möglichst kühles Wasser zu stellen und dieses häufig zu wechseln. Gegen Bakterienbildung helfe außerdem, bei jedem Wasserwechsel die Stiele wenige Millimeter zu kürzen.

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