Jawort unterm Mantel der Geschichte

Die Stadt Palma organisiert fast jeden Freitagnachmittag Eheschließungen im historischen Plenarsaal des Rathauses. Wer in dieser würdevollen Umgebung heiraten möchte, sollte Zeit einplanen und Spanisch können

12.05.2017 | 01:00

Es ist schon etwas Besonderes, sich im Sitzungssaal der Stadt-Abgeordneten des von 1649 bis 1680 errichteten Rathauses von Palma das Ehe-Versprechen zu geben.An den hohen weinroten Wänden hängen akkurat neben- und untereinander Dutzende Porträts von würdevoll dreinblickenden Honoratioren aus mehreren Jahrhunderten, durch bunte Fenster mit den Bildern von verdienten Mallorquinern von anno dazumal scheint die Sonne und lässt die Farben leuchten. Darüber stehen auf goldfarbenen Podesten diverse Büsten. Der an ein Schachbrett erinnernde Fußboden glänzt, als sei er erst gestern verlegt worden, und über alldem schwebt ein gigantischer Kronleuchter.

Es ist Freitag, der 28. April. Vor einem etwas über einen Meter hohen Pult, auf dem eine weinrote Decke liegt, stehen Sara und Javier Ignacio. Beide sind in eher unauffälliger Kleidung und mit einer überschaubaren Anzahl von Begleitern erschienen, von denen einige fast scheu auf den Stühlen sitzen, auf denen sonst die Stadträte Platz nehmen. Sara und Javier Ignacio sind nervös und wirken zwischen all dem Prunk und unter der viele Meter über ihnen befindlichen Saaldecke etwas verloren.

Ein am Pult stehender Stadtrat, der eine Schärpe in den spanischen Staatsfarben über dem blütenweißen Hemd trägt, schaut sie ernst und gleichzeitig etwas stechend an. Er fragt sie nach einer kurzen Einführungsrede in tiefer Tonlage, ob sie den jeweils anderen Partner denn für ehewürdig halten. Sara haucht fast schluchzend „Ja", Javier Ignacio sagt danach etwas standhafter ebenfalls „Ja". Die beiden haben sich getraut, verlassen glücklich den Saal. Der Stadtrat blickt ihnen hinterher.

Sara und Javier von Mallorca mussten mehrere Monate auf ihren Termin warten. Unter dem Mantel der Geschichte wollen viele heiraten. „Für den Rest dieses Jahres ist schon alles ausgebucht, 2018 sind aber noch einige wenige Termine frei", sagt Montse Puyalte. Die städtische Angestellte ist im Protokoll-Referat seit Jahren für die Organisation der in allen Monaten außer Dezember, Januar und August freitags von 17.30 bis 18.30 Uhr stattfindenden Zeremonien zuständig. „Es gibt nur eine Möglichkeit, auf Mallorca noch prächtiger zu heiraten, nämlich jeden Samstag von 11.30 bis 12.30 Uhr im Thronsaal der Bellver-Burg", sagt sie.

Sara und Javier Ignacio hatten für die gesamte Prozedur samt betont langsamem Hochschreiten der Rathaus-Treppe nur höchstens 30 Minuten Zeit. Sie verzichteten auf die übliche Hochzeitsmusik, obwohl die Stadt diesen Sonder­service ausdrücklich anbietet.

Nach ihnen kommt das nächste Paar an die Reihe. Julio und María de las Nieves sind ebenfalls Spa­nier und haben sich für ihren Hochzeitstag in Schale geworfen. Sie trägt ein klassisch geschnittenes beige-weißes Brautkleid, er einen schwarzen Frack mit weißem Hemd und Fliege.

Deutlich mehr Verwandte und Bekannte als bei Sara und Javier Ignacio sind aufgetaucht, und alles läuft sehr feierlich ab: Schon vor dem Rathauseingang – die Barock-Fassade und die ins Auge stechenden manieristischen Schnitzereien unter dem Dach sind beeindruckend – bewerfen Gäste das Paar mit Rosenblättern und Konfetti. Im Gebäude ist dies streng verboten. Auch Champagner-Korken dürfen hier nicht knallen.

Es muss halt alles wie am Schnürchen ablaufen im Rathaus. Julio und María de las Nieves setzen sich nach der Trauung auf die breite Treppe und lassen sich fotografieren. Umrahmt werden sie von zwei gegants – bäuerliche Riesenfiguren, die nur zu festlichen Anlässen herausbugsiert und durch die ­Straßen von Palma getragen werden. Die Frischvermählten lächeln glücklich.

Die Hochzeitszeremonien laufen nicht immer so ab, mitunter kann es schon einmal etwas sonderbar zugehen. „Es hat auch schon Brautleute gegeben, die sich in mittelalterlichen Kostümen haben trauen lassen", sagt die städtische Hochzeits-Planerin Montse Puyalte. „Oder eine Braut hat sich als Prinzessin verkleidet." Manch Paar lässt sich in prächtigen Kutschen vorfahren und stolziert ins Gebäude, andere tanzen regelrecht ins ­Rathaus. Montse Puyalte erinnert sich auch an Trauungen, die durch ungebetene Kommentare beeinträchtigt wurden. „Es gab hier schon Verwandte, die laut Zweifel am Sinn der Hochzeit äußerten." In den meisten Fällen seien im Plenarsaal des Rathauses jedoch Weinkrämpfe das höchste der Gefühle.

Um in dem ehrwürdigen Gebäude oder auf der Bellver-Burg heiraten zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die Verlobten müssen zuerst im Standesamt an der Travessa d´en Ballester, 20 vorstellig werden, um die Bewilligung der Ehe durch einen Richter zu beantragen. Ist die erteilt, geht es zum Protokoll-Referat an der Plaça de Santa Eulàlia, 9 (Tel.: 971-22 59 29 oder protocol@palma.es), um den Hochzeitstermin unter Dach und Fach zu bringen. Nach der Anmeldung muss auch schon innerhalb von zwei Tagen gezahlt werden, die Gebühr beträgt derzeit 74,26 Euro pro Person, wenn mindestens einer der Partner in Palma gemeldet ist, und 159,14 Euro, wenn keiner von beiden palmesano ist. Wer auf der Bellver-Burg in den Stand der Ehe eintreten will, muss tiefer in die Tasche greifen: Es werden 159,14 oder 424,36 Euro fällig.

Auch einige Deutsche haben diesen Service der Stadt bereits in Anspruch genommen. Aber Vorsicht, wer sich im Rathaus von Palma ewig binden möchte: „Deutsche, die hier heiraten wollen, müssen Spanisch können", sagt Montse Puyalte. Man sollte halt auch an der richtigen Stelle „sí" sagen können.

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