Illustratoren der Insel: Alles andere als Kunst

Zum Abschluss der Inselzeichner-Serie ein Gespräch mit Florentino Flórez, der viele von ihnen ausgebildet hat

17.05.2017 | 10:31
Leitet ein Bootcamp für Illustratoren: Florentino Flórez.

Zum Abschluss unserer Serie über mallorquinische Illustratoren sprechen wir mit einem, der viele dieser Zeichner ausgebildet hat. Florentino Flórez Fernández ist seit 25 Jahren Dozent an der Escola d'Art i Superior de Disseny in Palma. Er ist der Fakultätsleiter für Grafische Kommunikation und Audiovisuelles, die auch den Studien­gang Illustration beherbergt.

Die Balearen haben unglaublich viel Talent, was Illustratoren angeht. Wie kommt das?
Na ja, halten wir den Ball mal flach. Die Behauptung, dass wir hier so toll sind, wird gerne vom Illustratorenverband „Clúster de Còmic" verbreitet. Aber ich glaube, man findet überall in Spanien talentierte Zeichner.

Dennoch sagten uns die erfahreneren Illustratoren, dass die Szene im Vergleich zu vor 20 Jahren deutlich gewachsen ist.
Sie ist auf jeden Fall viel sichtbarer, viel präsenter in der Gesellschaft.

Anfang April fand die Kinderbuchmesse in Bologna statt, wo die Balearen und Katalonien Gastland waren. Inwieweit wird dies die Situation für die Zeichner verbessern?
Ich glaube, dass eine Messe da nicht viel ändert. Institutionen wie das Kulturinstitut Illenc (ehemals IEB, Anm. d. Red.) arbeiten schon seit Jahren daran, die hiesigen Zeichner international zu positionieren. Wenn jetzt davon gesprochen wird, dass Bologna ein Erfolg war, dann ist es ein Erfolg der Bemühungen der vergangenen Jahre.

Welchen Fokus legen Sie bei Ihrer Arbeit an der Fakultät für Grafische Kommunikation?
Wir haben einen sehr allgemein ­gehaltenen Studiengang. Er dauert nur zwei Jahre, deshalb legen wir Wert darauf, unsere Studenten in den Grundlagen so gut wie möglich auszubilden. Es kommen zudem Leute mit sehr unterschiedlichen Profilen zu uns. Im besten Fall entdecken die Studenten bei uns, in welche Richtung sie später gehen wollen. Unsere Absolventen haben sehr unterschiedliche Jobs. Manche sind als Zeichner hier auf der Insel geblieben. Andere sind bei Verlagen und manch einer sogar in den USA bei Disney.

Welche Grundlagen muss man erfüllen, um bei Ihnen zu studieren?
Es gibt verschiedene Zeichentests­ als Einstieg, je nachdem, welche Ausbildung man schon vorher genossen hat. Im Allgemeinen versuchen wir, so viele Studenten wie möglich aufzunehmen. Durchschnittlich sind das 20 bis 30 Leute. Am Ende der zwei Jahre machen dann ein oder zwei dieser Studenten die Abschlussprüfung. Alle anderen steigen vorher aus.

Wie bitte?
Es ist kein leichter Studiengang. Zudem kommen viele mit der Einstellung her, dies sei ein künstlerischer Studiengang und sie müssten nur zeichnen, wenn sie die Muße küsst. Sie stellen sich ein toleranteres Umfeld vor. Aber als Illustrator geht es darum, Aufträge zu erfüllen. Und wenn man den Auftrag im ­Studium nicht ­erfüllt, sagen wir das auch. Mit dieser Kritik am Werk können viele nicht umgehen.

Das klingt sehr harsch.
Was wir hier machen, ist ja nichts im Vergleich zu dem, was draußen nach dem Studium in der Arbeitswelt ist. Viele verbringen Jahrzehnte, bis sie eine feste Stelle bekommen. Nicht wenige geben auf oder verfallen in Depressionen. Viele ehemalige Studenten sagen es mir: Das, was du uns im Studium abverlangt hast, war ein Witz dagegen.

Demnach wäre ein guter Illustrator der, der am längsten durchhält?
Nun ja, die Technik sollte er auch beherrschen. Und vor allem verstehen, was der Auftraggeber will.

Wie bereiten Sie die Studenten darauf vor?
Gleich am ersten Tag sage ich: Ihr werdet leiden. Das meine ich nicht böse. Aber es ist nun einmal viel Arbeit. Und man muss viel Zeit investieren. Das muss den Studenten bewusst sein. Sonst landen sie auf der Straße.

Gab es schon Studenten, die vorzeitig aufgehört haben und dann trotzdem erfolgreich geworden sind?
Ja, natürlich. Etwa Marta Massana. Sie hat als Comic-Bloggerin weitergemacht, was ihr viele Fans einbrachte. Mittlerweile hat sie ihre Arbeiten bei einigen namhaften Publikationen wie dem Satiremagazin „El Jueves" veröffentlicht.

Würden Sie empfehlen, Illus­trator zu werden?
Flórez lacht und macht eine lange Pause. Länger als die, die man normalerweise macht, wenn man über eine Antwort nachdenkt. Schließlich sagt er:
Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wenn man es als Illustrator schafft, kann das sehr befriedigend sein. Und finanziell reizvoll. Aber der Weg dahin ist hart. Es können Jahre auf einen zukommen, in denen man kein Geld verdient. Und ohne Garantie, dass es irgendwann doch klappt. Man muss spüren, dass man für diesen Kampf geboren ist. Denn das kann nicht jeder.


MZ-Serie über die Inselzeichner

Bei den Recherchen zur insgesamt achtteiligen Serie der Mallorca Zeitung über die Illustratoren der Insel, trafen sich die MZ-Redakteure mit folgenden Zeichnern: Hannah Bonner, Aina Bestard, Canizales, Flavia Gargiulio, Gerard Armengol, Francesc Grimalt, Margalida Vinyes und Florentino Flórez.

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