Drohnen, die unbemannte Gefahr am Himmel von Mallorca

Man sieht die Fluggeräte immer häufiger, offiziell kontrolliert werden sie kaum. Der Piloten-Verband Abodron will das ändern

05.06.2017 | 02:30
Abodron-Chef Jordi Company mit seiner größten Drohne in der Nähe des Strandes von Can Pastilla.

Wie viele Drohnen es inzwischen auf Mallorca gibt, weiß Jordi Company kaum zu beziffern. „Es müssen Tausende sein", sagt der Chef der neu gegründeten Vereinigung „Asociación Balear de Operadores de Dron", kurz Abodron. 70 Piloten haben sich vereinigt, um für eine strengere Reglementierung zu kämpfen.

„Der Verkauf ist in Spanien leider nicht eingeschränkt, im Mediamarkt gibt es sehr gute Phantom-Kameradrohnen des chinesischen Weltmarktführers DJI schon für 1.500 Euro", sagt Company. Problematisch seien, dass die Apparate bei unkundiger Anwendung ein gewisses Verletzungspotenzial mitbringen, dass man in die ­Intimsphäre von Menschen eindringen oder sogar Attentate verüben könne.

Wer nicht hobbymäßig unterwegs ist, sondern die Geräte beruflich – etwa für Werbe- oder Filmaufnahmen – einsetzt, muss einen Pilotenschein dafür erwerben. Der kostet bis zu 1.300 Euro. „Man muss eine theoretische und eine auf dem Flugplatz von Algaida stattfindende praktische Prüfung ablegen und sich gesundheitlich checken lassen", sagt Jordi Company. Er ist als Besitzer des Dienstleisters DronCompany und ausgebildeter Flugzeugpilot („Ich flog in Südchile Post aus") bestens mit derlei vertraut. Hat ein Bewerber die Prüfungen geschafft – auf Mallorca organisiert diese die Panamedia-Pilotenschule –, darf er noch lange nicht losfliegen. „Die spanische Sicherheitsagentur für den Luftraum Aesa muss noch ihr Okay geben", so Company.

Den Drohnenpiloten – also auch den Freizeitfliegern – sind im Prinzip gesetzlich enge Grenzen gesetzt: Es ist in Spanien verboten, eine Drohne nachts, oberhalb von 120 Metern oder über Ansammlungen mit zwölf Menschen und mehr fliegen zu lassen. Auch Stadtkerne und die Umgebung von Flughäfen und -plätzen sind tabu. Rund um Son Sant Joan sind das 15, rund um Son Bonet acht Kilometer. Drohnenfreie Zonen sind auch der Königspalast Marivent samt Umgebung und Naturparks sowie die Inseln Dragonera und Cabrera sowie die Albufera bei Alcúdia. Auf Mallorca sind zudem große Gebiete vor allem in der Nähe von Militärbasen halb tabu – etwa der Raum Sóller oder die Gegend um das Sperrgebiet des Puig Major. „Wer dort ein Video dreht, muss es vor Veröffentlichung dem Inselkommando der Luft­waffe vorlegen." Der Pilot darf das ­Gerät auch nicht weiter als 500 Meter von seinem Standort fliegen lassen (Details unter www.icarusrpa.info). Doch diese Gesetze werden oft einfach ignoriert.

„Aesa-Experten in Madrid schauen sich regelmäßig Youtube-Videos an, und wen sie bei einer illegalen Aktivität erwischen, belegen sie mit Bußgeldern von mehreren Tausend Euro", sagt Company.

Jordi Company weiß genau, wo er seine insgesamt vier Geräte ohne Weiteres einsetzen kann, wo er eine Genehmigung braucht und wo er sie besser auf dem Erdboden lässt. „Für Mercedes-Benz habe ich letztens in der Schlucht von Sa Calobra Aufnahmen gemacht", sagt er. Er benutzt zwei Geräte mit vier Propellern, eines mit sechs und eines mit acht Propellern. „Richtig teuer sind vor allem Kameras, da kann eine gut und gern 50.000 Euro kosten." Weshalb ­eine beruf­lich eingesetzte Drohne auch versichert sein muss. Für einfachere Einsätze benutzt Company einen sogenannten DJI-Quadcopter vom Typ Phantom 4. Komplizierte Kameras befestigt er grundsätzlich nur an seinem einem Ufo nicht unähnlichen Octo­copter. So ein Gerät wird von zwei Piloten gesteuert – einem für die Drohne und einem anderen für die Kamera. Drohnen gibt es zwar schon seit Jahrzehnten, aber populär für Otto Normalverbraucher wurden sie erst dank eines kleinen, aus der Wii-Konsole von Nintendo bekannten Geräts, welches auf Bewegungen reagiert und das Steuern viel einfacher macht. „Wenn etwa plötzlich Wind kommt, gibt dieses Gyro­skop ­automatische den Befehl, gegenzusteuern und das Ding stabil in der Luft zu halten", so der Experte.

Weil das Fliegen so einfach geworden ist, wollen die Abodron-Leute in Sitzungen des spanischen Dachverbandes auf eine Änderung der Gesetzeslage hinwirken. „Es muss Pflicht werden, Drohnen mit Fallschirmen und einem doppelten GPS-System auszustatten", sagt Company. Außerdem solle es Fluglotsen geben, die den Drohnen­verkehr überwachen.

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