Neuer Streit um den alten Mallorca-Augustus

Seit mehr als 200 Jahren ist der historische Marmor-Kopf in Besitz einer mallorquinischen Adelsfamilie. Schon einmal sollte er versteigert werden

20.06.2017 | 12:00
So sieht sie aus, die Augustus-Büste.

Seine Nase ist ab, doch die Gesichtszüge sind unverkennbar, zumindest für Historiker. Wir sehen die Büste von Augustus (63 v. Chr bis 14 n. Chr.), der als Kaiser das Römische Reich zu der Zeit beherrscht hat, in der Jesu Christi Geburt terminiert wird.

Gefunden hat man die Büste bereits im 16. Jahrhundert, in der ehemaligen Römerstadt Pollentia bei Alcúdia. Jetzt sorgt das in Privatbesitz befindliche gut 40 Zentimeter hohe Marmor-Stück wieder für Aufsehen. Laut der Zeitung „Última Hora" soll ein Verkauf des Mallorca-Augustus vorbereitet werden. Und das, obwohl der Inselrat die Büste aus dem ersten Jahrhundert vor Christus am 10. Dezember 2015 offiziell als schützenswertes Kulturgut deklariert hatte. Das bedeutet, dass sie Spanien zwar nicht verlassen darf, die Insel aber schon. Und es bedeutet auch, dass der geplante Verkauf beim Inselrat angemeldet werden muss, was den Medieninformationen zufolge noch nicht geschehen sei.

Die Bildhauer hatten die Büste mit einem Stein-Schleier auf dem Hinterkopf versehen. So wurde der Kaiser immer als oberster Priester dargestellt. Der markante Kopf stand bis vor ein paar Jahren noch in der Bibliothek von Palmas Stadtpalast Can Pueyo. Das ist ein in Besitz der Adeligen­familie Campofranco befindliches ­Anwesen in der Nähe des ehemaligen Grand Hotels. Aus alten Notarprotokollen geht hervor, dass sich die Büste bereits im Jahr 1775 in dem Gebäude befand – und zwar als Eigentum des Markgrafen von Campofranco namens Nicolás de Pueyo Rossignol.

Wo sich die Büste im Augenblick genau befindet, ist unbekannt. Klar ist nur, dass sie auf Mallorca ist. Das Familienerbstück befindet sich in Besitz von Almudena de Padura y España, seit 2012 Markgräfin von Campofranco. Für die MZ war sie nicht zu erreichen. Die Adelige hatte im Jahr 2014 schon einmal versucht, die Büste zu verkaufen. Damals über eine Auktion im britischen Kunstversteigerungshaus Christie's, doch der Inselrat schritt ein, und schließlich stoppte das spanische Kulturministerium in Madrid den Verkauf mit der Begründung, man wolle unterbinden, dass spanisches Kulturgut ins Ausland gelangt.

Die Geschichte der Büste ist auch von einer Fehlinterpreta­tion geprägt. Das geht aus Notizen des Stadtschreibers Juan Binimelis aus dem Jahr 1593 hervor. Der Chronist hatte irrtümlich geglaubt, die Büste stelle Quintus Caecilius Metellus Balearicus dar, den römischen Prokonsul, der die von Seeräubern bevölkerte Insel im Jahr 121 vor Christus für das Imperium erobert hatte. Dieser Irrtum hielt sich lange Zeit, bis in den 50ern des 20. Jahrhunderts Historiker den Kopf eindeutig als den des Kaisers identifizierten, von dem man dank den Texten zeitgenössischer Autoren wie Sueton oder Publius Tacitus viel mehr als über andere römische Größen weiß. Er zeigt ihn im Alter von etwa 30 Jahren im Jahr 31 vor Christus zur Zeit der Seeschlacht von Actium in Griechenland, als er seinen Gegenspieler Marcus Antonius und dessen Alliierte Kleopatra schlug und sich so die Alleinherrschaft im Reich sicherte.

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