Telefonzellen auf Mallorca: Relikte aus ferner Zeit

Wie Kassettenrekorder oder Schreibmaschinen sind Telefonzellen überflüssig geworden. Doch warum stehen auf der Insel und in Deutschland noch so viele herum?

14.07.2017 | 10:39
Kaum genutzt und oft beschädigt: öffentlicher Fernsprecher in Palma.

Eigentlich dürfte es sie bei 96 Prozent Handy- und 87 Prozent Smartphoneverbreitung gar nicht mehr geben. So wie etwa in Belgien, wo schon im Jahr 2015 Schluss war. Doch allein im historischen Zentrum von Palma stehen noch immer fast 50 Telefonzellen – alle vom Telekommunikationsriesen Telefónica. Rechnet man den Großraum der Stadt hinzu, sind es 127 (genaue Standorte: siehe www.cabitel.es). Dabei sagten in einer vom Online-Portal „El Confidencial" veröffentlichten Umfrage 88 Prozent der Befragten, noch nie im Leben so ein Retro-Objekt benutzt zu haben.

Dass es noch immer etwa 18.300 Telefonzellen in Spanien gibt, liegt daran, dass das Königliche Dekret 424/2011 den Monopolisten Telefónica sowie einige regionale Betreiber verpflichtet, diese gehörig in die Jahre gekommenen Geräte bitte schön zu warten. Und das mindestens drei weitere Jahre lang. Jede Gemeinde mit mindestens 1.000 Einwohnern muss eine Telefonzelle anbieten, für alle 3.000 weitere Menschen muss jeweils noch eine hinzukommen. Und so verbrennen die Unternehmen in etwa sieben Millionen Euro im Jahr für Wartung und vandalismusbedingte Wiederherrichtung. Konzerne wie Telefónica zahlen das zwar aus der Portokasse, aber es ist wesentlich mehr als die 2013 von der Wettbewerbsbehörde vorhergesagten 1,2 Millionen Euro. Es überrascht denn auch nicht, dass sich an der letzten vom Energieministerium initiierten Ausschreibung, die zum 1. Januar dieses Jahres über die Bühne gegangen sein sollte, keiner der Konzerne beteiligen wollte.

Bis in die 90er-Jahre hinein, als Smartphones noch Science-Fiction waren, machten die Konzerne noch Kasse mit den Zellen. Nachdem 1928 im Parque del Retiro in Madrid die erste Telefonzelle in Spanien in Betrieb genommen worden war – sie funktionierte noch mit speziellen Metallchips –, stieg deren Zahl kontinuierlich auf 55.000 im Jahr 1999. 1966 wurden – es war eine weitere kleine Revolution – die ersten Münzfernsprecher eingeführt, später kamen dann bekanntlich modernere Apparate für wiederaufladbare Telefonkarten hinzu.

Spanien steht mit dem Telefonzellen-Problem nicht allein da. Auch in Deutschland finden sich noch immer etwa 30.000. Vor zehn Jahren waren es noch 110.000. Auch in Deutschland kann die Telekom nicht einfach alles abreißen. Will der Konzern Telefonzellen entfernen, steht jeder Kommune ausdrücklich ein Vetorecht zu. Hier wie dort werden also die Phantomgeräte von früher noch einige Zeit zum Stadtbild gehören.

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