Gartenarchitekt Whitings Gespür für Harmonie

Der Brite integriert gekonnt traditionelle Elemente in seine Entwürfe

17.07.2017 | 02:30
Eine alte Natursteinmauer begrenzt das neue Gartendesign, neue Mauern und Stahleinfassungen die Beete.

In dem kleinen Garten blühen Stauden und Sträucher üppig. Das war nicht immer so, denn hier befand sich ein ebener Parkplatz auf felsigem Untergrund. Auf dem stand der britische Gartenarchitekt Mark Whiting (44) im Vorjahr. Die ebenfalls aus England stammenden Besitzer beauftragten ihn hier mit der Neugestaltung des Grundstücks hinter dem Haus. Das Anwesen liegt bei Sant Llorenç de Cardassar mit Blick auf den beeindruckenden Bergrücken Calicant.

Whiting ist mit der Gegend vertraut, seit elf Jahren wohnt er in der Nähe. Zuvor hat er Biologie in Bristol studiert und an der Inchbald School of Design in London. Auf der Insel war er einige Zeit gemeinsam mit Sally Beal im Vorstand der Mediterranean Garden Society und hat bereits mehr als 30 kleinere und größere Gartenentwürfe realisiert.


Die Bauarbeiten

Zu dem schwer zu bepflanzenden Untergrund kamen noch klimatisch schwierige Bedingungen hinzu: Vom nahegelegenen Calicant brausen starke Stürme über das Grundstück und das Haus, das bereits vor zehn Jahren errichtet wurde. Gegen Westen schützte schon immer eine hohe Natursteinmauer vor dem Wind. Sie wurde ausgebessert und dabei die Bougainvilleen, die hier in Rot und in Lila nach oben klettern, erhalten. Ein einsamer Olivenbaum konnte trotz des felsigen Untergrunds Wurzeln schlagen, ein Kreis von Natursteinen schützte ihn vor einparkenden Autos. Doch zu ihm später mehr.

Während der ersten Phase der Bauarbeiten wurde eine hohe Außenmauer gegen die Stürme aus dem Norden mit Marèssteinen errichtet. Ein Durchgang ermöglicht den Zugang zu dem jetzigen verkleinerten Parkplatz.

Danach kamen die Mauern innerhalb des Grundstücks an die Reihe. „Sie geben dem Garten Struktur", sagt Whiting. Alle Beeteinfassungen mussten auf den felsigen Untergrund gemauert werden, eine Bewässerungsanlage wurde installiert und nach der Bepflanzung die Erdoberfläche zum Schutz vor Verdunstung mit gestückelter Kiefernrinde belegt.


Kies und Stahl

Heute fällt der Blick von der Terrasse auf einen Springbrunnen, der Weg dorthin ist, wie alle anderen auch, mit Kies belegt, darunter schützt eine atmungsaktive Folie vor unerwünschtem Unkraut. Links befindet sich ein Beet mit einem bodendeckenden Kriechendem Rosmarin (Rosmarinus officinalis ´Prostratus´), rechts vom Kiesweg wächst ebenfalls das aromatische Kraut als Bodendecker. Er reicht bis zur Trockenmauer und wiederholt – um den Brunnen he­rum – dessen runde Form.

Das Grün des Rosmarins bietet Ruhe für das Auge und vermittelt ein Gefühl der Frische. Doch im Gegensatz zum Rasen ist das Kraut nicht durstig, nur während der Anwachszeit braucht es Wasser, dann kann man die Bewässerung abschalten. Die Flächen sind mit 20 Zentimeter hohem Stahl gesäumt.

Beete mit Marèseinfassung

Geht man auf dem Brunnen in Richtung Nordmauer, liegen links und rechts Beete, die mit 40 Zentimeter hohen Marèssteinen eingefasst sind. Hier zeigen sich Stauden in voller Sommerblüte. Gewählt wurden Blau-, Weiß- und Rosatöne. Ein Trend zu diesen Farbtönen zeichnet sich in vielen Inselgärten ab. Vielleicht auch deshalb, weil Rot, Orange und Gelb häufig auf den wilden Wiesen aber auch an den Weg- sowie Straßenrändern anzutreffen sind.

Auf Wunsch des Besitzers blühen in den Marèsbeeten nun das Kriechende Wandelröschen (Lantana montevidensis) in Weiß und Rosa sowie die Prachtkerze (Gaura lindheimeri). Beide zählen zu den Dauerblühern auf der Insel, die man häufig noch bis in den Herbst hinein bewundern kann.

In anderen Beeten teilen sich das Echte Eisenkraut (Verbena) in leuchtendem Rosé den Platz mit den blau und weiß blühenden Schmucklilien (Agapanthus). Letztere bieten auch noch nach der Blüte das ganze Jahr über ihre langen Riemenblätter in dunklem Grün.

Der Olivenbaum steht jetzt im Schutz der Nordmauer und ist nicht mehr einsam. Um ihn he­rum wachsen bodendeckend weiße Wandelröschen und Prachtkerzen. Doch dem olivero wurde eine Sonderbehandlung zuteil: „Man kann einen Olivenstamm nicht einfach mit Erde zuschütten", sagt der Gartenarchitekt. So hat man rund um den Stamm mit Kalksteinen ein Minibeet gebaut, die Erdoberfläche rund um den Stamm befindet sich nach wie vor auf der Höhe des ehemaligen Parkplatzes. Mit der Aufschüttung für die Blühpflanzen wurde in dieser Höhe erst begonnen, sie wurzeln also höher.


Trockenmauern

Bei den 60 Zentimeter hohen, neu errichteten Trockenmauern beginnt das Beet, das an der alten Natursteinmauer endet. Sie verläuft spiegelbildlich zu den aus Marès errichteten Beeten und grenzt auf der einen Seite den Rosmarin ein. Danach führt sie in mehreren rechten Winkeln über die Mitte des Grundstücks hinaus, um einen Frühstücksplatz einzurahmen, für den Kies aufgeschüttet wurde.

Zwischen der alten Mauer und der neuen wurde Erde aufgefüllt. Vorne wachsen jetzt niedrige Stauden. Hier wurden die gleichen Sorten gepflanzt, die auch in den mit Marès eingefassten Beeten wachsen. „Das gibt in der Gestaltung eine spiegelbildliche Wirkung", sagt der Designer. Ergänzt wurden die bereits erwähnten Stauden durch das weiß blühende Wollige Federgras (Pennisetum villosum). Neben den wilden Grasbüscheln zeigt ein zur Kugel geschnittener Gamander (Teucrium) seine grauen Blätter.

An der alten Mauer wachsen, als Abschluss der Bepflanzung, höhere Stauden, wie der Silberstrauch (Perovskia atriplicifolia) oder der Rote Kirschbaum (Prunus pisardi), der zu einem hohen Strauch heranwachsen wird. „Seine dunklen Blätter geben einen interessanten Kontrast zu denen des Olivenbaums", sagt der Brite. Dazwischen zeigen sich Zwergpalmen (Chamaerops humilis), die noch klein sind und ihrem Namen alle Ehre machen, was sich mit den Jahren sicherlich ändern wird.

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