"Hortus Domi": Textile Pötte für Gurke und Salat

Miquel Rodríguez legt mit seiner Ein-Mann-Firma Gärten für Kunden an

26.07.2017 | 06:02
Miquel Rodríguez auf der 16 Quadratmeter großen Terrasse. Hier wird eine ganze Familie mit Gemüse versorgt.

Alles Gemüse, das hier auf den Tisch kommt, wird selbst geerntet. Für einen Garten war kein Platz – das Haus in Marratxinet ist in den Hang gebaut –, wohl aber für eine Terrasse. Hier legte Miquel Rodríguez auf sechzehn Quadratmetern einen Gemüsegarten an. Mit seiner Ein-Mann-Firma „Hortus Domi" macht das der 29-jährige Vater zweier Kinder im Auftrag seiner Kunden.

Erst studierte der Mallorquiner aus Pollença Kunst, danach absolvierte er eine Ausbildung in Ökolandwirtschaft. In seiner Familie bauen mittlerweile alle Gemüse an, seine Freunde und seine Kunden ebenso. In den vergangenen fünf Jahren legte er rund 50 huertos an, davon betreut er 36 selbst, besucht sie jede Woche, jätet Unkraut und justiert die Bewässerungsanlage. Bei 14 von ihnen schaut er einmal im Monat vorbei, liefert Setzlinge zur Saison, die restliche Garten­arbeiten übernehmen seine Kunden selbst.

Die Pflanzen wachsen entweder in der Erde, wie in der Fábrica Ramis in Inca oder in Beeteinfassungen aus Holz, wie dies bei der Peluqería Pep Escobar in Santa Maria del Camí zu besichtigen ist. Auf der Terrasse in Marratxinet dagegen wurzeln die Gewächse in schwarzen Pflanzgefäßen, die alle rundum an der Mauer aufgestellt sind. Es wirkt ein wenig eigen­artig, dass aus den „Smart Pots", wie sie genannt werden, eine derartige Fülle von Grün in die Höhe ragt. Nur ein Zitronenbaum rechts wurzelt direkt in der Erde neben der Terrasse, die Blüten von Sonnenblumen überragen die vielen Blätter, die das Gemüse vor der starken Sommersonne schützen.

„Pflanzen gedeihen in den Smart Pots eindeutig besser als in herkömmlichen Töpfen oder Beeten", berichtet der Ökogärtner. Erfunden und erprobt werden sie seit über 20 Jahren in US-amerikanischen Baumschulen. Die Folien enthalten nicht das gesundheitsschädliche Bisphenol A (BPA), weshalb sie auch im Ökoanbau zugelassen sind.

Der kleinste Smart Pot hat einen Durchmesser von 17 Zentimetern, der größte 127 Zentimeter, der Preis liegt zwischen 3,60 und 40 Euro. Die Folien sind porös, so gelangt mehr Sauerstoff an die Wurzeln. Und wenn diese an die Grenzen der flexiblen Pötte stoßen, stellen sie das Wachstum ein und haben dadurch mehr Energie, um Nährstoffe an die Pflanze abzugeben. Überschüssiges Wasser fließt durch die porösen Folien ab, so kann es weder zu Überwässerung noch zu Staunässe kommen. Dies verhindert auch eine Tröpfchenbewässerungsanlage, die jetzt alle vier Stunden drei Minuten gießt. Der Wasserverbrauch beträgt 30 Liter pro Tag.

Die Folienbeete in Marratxinet stehen auf den Fliesen. Wenn sie sich auf einer Dachterrasse befinden, stellt Rodríguez sie auf mehrere Kiefernholzleisten, die mit ökologischen Holzschutzmitteln behandelt sind. Die Leisten verhindern Feuchtigkeit in den Räumen darunter.

In Marratxinet können den ganzen Sommer über auf der Terrasse Tomaten, Zucchini, Blattsalate, Melonen, Gurken, Bohnen, die mallorquinische, hellgrüne Paprikasorte für das trampó und die kleinen pimiento de padrón sowie die Blätter des Basilikums geerntet werden. Alles wächst auf einer Mischung aus Kokosfaser, Humus, Kompost, Vulkanmehl und Algengranulat.

Die Erde wurde vor Gebrauch sterilisiert, deshalb wächst selten Unkraut. Gegen die Tomatenminiermotte (Tuta absoluta) sind jedoch auch die Smart-Pot-Pflanzen nicht gefeit, die zu sechst in zwei Folientöpfen wachsen, an Schilfstangen befestigt und oben zusammengebunden sind. Nur am Morgen genießen sie Sonne, deshalb sind sie zurzeit noch mehr grün als rot.

Gegen die Larven des Tomatenschädlings setzte Rodríguez den Bacillus thuringiensis ein. Gegen Pilzerkrankungen die „Bordeauxbrühe" auf der Grundlage von Kupfersulfat und Kalk. Beide Mittel sind in der ökologischen Landwirtschaft zugelassen.

Miquel Rodríguez könnte auch Gärten mit blühenden Pflanzen anlegen, doch er ist überzeugt von der Idee, dass Gemüse dort am besten schmeckt, wo es angebaut wird, Und: „Bepflanzte Flächen wirken isolierend und kühlend", sagt er. Würden alle Flachdächer in Palma und in den Inseldörfern bepflanzt, könnte die Temperatur von heute trotz der Klimaerwärmung erhalten bleiben.

www.hortusdomi.com

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