Mallorca-Pfirsiche - die Kunst der spätmöglichsten Ernte

Auf seiner Plantage mit 2.500 Bäumen bei Manacor erntet Maties Adrover von Mai bis September Pfirsiche. Er bemüht sich, Inselobst mit optimalem Reifegrad in den Handel zu bringen

14.08.2017 | 14:27
Mallorca-Pfirsiche - die Kunst der spätmöglichsten Ernte

Was sind das für Bäume? Das fragt sich manch einer, der von der Autobahn von Manacor kommend in Richtung Petra abbiegt und rechter Hand eine riesige Plantage mit niedrigen Bäumen sieht. Die Frage ist schnell beantwortet: Der Obstbauer Maties Adrover züchtet hier Pfirsiche. Sie sitzen so eng am Astholz, dass die dicht und üppig wachsenden lanzettenförmigen Blätter sie völlig verdecken.

Vor fünf Jahren pflanzte Adrover auf dem etwa dreieinhalb Hektar großen, von ihm gepachteten Anwesen 2.500 Jungbäume. Im Lauf der Jahre konnte man im Vorbeifahren die Bäume groß werden sehen. Der umtriebige Landwirt – bei ihm sind ganzjährig 60 Angestellte beschäftigt – ist kein Unbekannter, direkt gegenüber auf der anderen Seite der Autobahn züchtet er in großem Rahmen essbare Blüten (die MZ berichtete).

Jetzt also Pfirsiche. „Außer der botanischen Verwandtschaft haben die modernen Pfirsich­sorten mit den Mandelbäumen nichts gemein", sagt der 45-jährige Besitzer der größten Steinobstplantage Mallorcas. Er liefert von Mai bis September reife Pfirsiche (Prunus persica bot., melocotón span., melicoton kat.) aus, sowie Plattpfirsiche (Prunus persica var. platycarpa bot., paraguayos span., paraguaians kat.). Auf weiteren Feldern baut er Nektarinen und Pflaumen an. Aber auch Aprikosenbäume, die im September noch Früchte tragen, wenn die Bäume in Porreres längst abgeerntet sind.

Die Pfirsichbäume haben eine Höhe von gut zwei Metern. Adrover schiebt die dicht mit rothäutigen Früchten besetzten Äste zur Seite. „Durch die Krone muss immer Licht an die Früchte kommen", sagt er. Damit die Pfirsiche gut reifen können, werden regelmäßig unreife entfernt. Diese kosten dem Baum zu viel Kraft, um große, süße Früchte zu bilden.

Hier erwähnt der Züchter erstmals den punto óptimo, das ist der optimale Reifezustand eines Pfirsichs. „Optimal" heißt bei dieser Frucht, dass sie mehr Süße als Säureanteil enthält, das Fruchtfleisch fest, saftig aber nicht zu weich ist und sich leicht vom Stein löst. In der Regel schmeckt weißes Fruchtfleisch süßer als gelbes. Den Höhepunkt seiner Reife erreicht ein Pfirsich jedoch nur dann, wenn er am Baum reift.

Dann muss er sofort verzehrt werden, denn mit diesem Reifegrad übersteht die Frucht den Weg zum Verbraucher nicht. Zwar reifen die Früchte, wenn sie im ­Warmen lagern, noch nach, doch ihr volles Aroma erreichen sie nicht. Auf Großplantagen außerhalb der Insel werden Pfirsiche oft unreif und – so kommen sie dann auch zum Verbraucher.

Hier sah Adrover vor fünf Jahre eine Chance für Steinobst, das auf der Insel angebaut wird und schneller zum Verbraucher gelangt als Früchte von außerhalb. Seine melocotones und die anderen Steinobstsorten wie auch die essbaren Blüten werden durch die Kooperative Agroilla vertrieben und haben gute Chancen, die Kunden auf kurzen, schnellen Wegen zu erreichen.

Die Pfirsiche reifen in Abständen von zehn Tagen an den Bäumen. Die richtige Auswahl ist eine Wissenschaft für sich. Insgesamt 182 verschiedene Testsorten wachsen auf der Finca, ihre Setzlinge stammen von französischen Obstbaumzüchtern. Zu bezahlen war dort außer den Jungbäumen jeweils eine Gebühr für den Sortenschutz. „Wir wussten anfangs nicht, ob es funktionieren wird", sagt Adrover.

Denn der Pfirsichbaum hat hohe Ansprüche. Früchte trägt er nur dann, wenn er im Winter mindestens 500 Stunden einer Temperatur von unter acht Grad ausgesetzt ist. Adrover pflanzte die Bäume in langen Reihen und Abständen von fünf Metern, zwischen den Reihen ist mit drei Metern so viel Platz, dass der Traktor durchfahren kann. Denn die Bäume werden nach der Ernte maschinell an der Seite gestutzt. Das Schnittgut wird gehäckselt und rechts und links unter die Baumreihen „gekehrt". Dort sorgt es als Mulch für Nährstoffe und schützt die Erde um die Bewässerungsanlage vor Verdunstung. Auch die Kronen werden so gestutzt, dass die Bäume von Hand und vom Boden aus geerntet werden können. Zwei bis drei Mal im Jahr müssen Äste in der Krone mit der Schere gelichtet werden, damit die Sonne die Früchte erreicht.

Die meisten Pfirsichsorten sind Selbstbestäuber, doch zu Komplikationen kann es bei den früh tragenden Sorten kommen, wenn im März zur Blütezeit Frost droht. Dann werden an langen Schilfstangen Wasserschläuche in die Höhe geleitet. Der Sprühnebel schützt die rosafarbenen Blüten vor dem Erfrieren.

Auch vor Schädlingen, wie beispielsweise der Fruchtfliege, ist das Obst nicht gefeit. In den Ästen hängen Fallen, mit denen die Insekten identifiziert und gezielt mit Mitteln bekämpft werden, die angeblich keine Rückstände im Obst hinterlassen. Die Experten von Agroilla kommen regelmäßig vorbei und über­wachen die Vergabe von Schädlingsbekämpfungsmitteln, die teilweise auch im Bioanbau zugelassen sind.

Die Kunst bestehe darin – so der Obstzüchter –, möglichst so lange abzuwarten, bis die Pfirsiche ihre optimale Reife fast erreicht haben und trotzdem den Weg zum Verbraucher unbeschadet überstehen. Dies gelänge auch Inselbauern, die wenige Bäume besitzen und die melocotones direkt auf den Märkten verkaufen.

Viele Pfirsiche, die von außerhalb stammen, werden häufig als Inselfrüchte deklariert. Deshalb plant der Mallorquiner mit den fünf anderen Mitgliedern der Kooperative Agroilla eine Marke mit Logo. Mit ihr soll der Kunde künftig auf den ersten Blick erkennen, dass die Früchte auf der Insel reif geworden sind.

www.agroilla.com

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Eine Verlagsbeilage der MZ im Auftrag der Agencia de Turismo de les Illes Balears (ATB)

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