Die Politessen des Meeres vor Mallorca

Ja, falsch „parken" ist auch auf dem Meer möglich. Seit Juli werden rund um Mallorca saftige Strafen verteilt

20.08.2017 | 02:30
Knöllchen auf See: Wer über der „Posidonia" ankert, muss mit hohen Geldbußen rechnen.

„Ihr habt sie nicht mehr alle", ruft der Führer eines Bootes aufgebracht. „Ich habe nichts verbrochen." Beleidigungen und Ausflüchte – für die Mitarbeiter des balearischen Umweltministeriums sind sie bereits zur Routine geworden. Täglich stechen die Agents de Medi Ambient, wie sie offiziell auf Katalanisch heißen, um Mallorca in See, um Boote aufzuspüren, die an geschützten Stellen geankert haben. Und fast täglich bekommen sie die verbalen Attacken der Ausflügler zu spüren, denen sie entsprechende Strafzettel verpassen.

Auch heute ist es nicht anders, diesmal nur wenige Seemeilen von Colònia de Sant Pere entfernt. Während sich der Bootsführer des unerlaubt über dem Seegras ankernden Bootes lautstark beschwert, nehmen die zwei agents seelenruhig die Daten des Mannes auf. Denn auch wenn der Beschuldigte es anders sieht: Er hat sehr wohl gegen das Gesetz verstoßen. Falsch „parken" ist nämlich auch auf hoher See möglich. Der Anker kann das geschützte Neptungras (Posidonia oceanica) beschädigen, das an vielen Stellen am Meeresgrund wächst. „Ich bin Biologe, und mir ist klar, dass das Neptungras geschützt ist. Deshalb habe ich ja auf Sandboden geankert. Aber ich wusste nicht, dass es auch schon verboten ist, wenn nur die Ankerkette die Pflanzen berührt", tut der Bootsführer ahnungslos.

Erst seit rund einem Monat greifen die Mitarbeiter des Umweltministeriums so hart durch. Dafür hat ein neues Regierungs­dekret gesorgt. Schon Vergehen, die als „leicht" eingeschätzt werden – so wie das des Bootsführers bei Colònia de Sant Pere – können seit Anfang Juli mit Strafzahlungen zwischen 100 und 6.000 Euro belegt werden. Bei „schweren" oder gar „sehr schweren" Vergehen können bis zu 450.000 Euro fällig werden.

„Dabei kommt es darauf an, wie groß die Neptungrasfläche ist, die sich auf dem Grund erstreckt und auch auf die Länge und Größe des Ankers", erklären die Mitarbeiter der Umweltbehörde, die lieber nicht namentlich in der Zeitung genannt werden wollen. „Und wir ­berücksichtigen auch, ob die Bootsführer mit uns kooperieren oder unsere Arbeit behindern", fügt einer der beiden mit einem Seitenblick auf den murrenden Mallorquiner hinzu und drückt ihm den Strafzettel in die Hand.

Wenig später fassen die agents ein anderes Schiff ins Auge. Es ­segelt unter britischer Flagge – und wieder lassen die dunklen Stellen am Meeresboden unter dem Rumpf erahnen, dass die Ausländer ihren Ankerplatz nicht gesetzeskonform gewählt haben. „Wir sind von Menorca aus herübergesegelt und haben nur haltgemacht, weil ein Unwetter aufzieht", verteidigt sich der Brite. Die Agenten beeindruckt das wenig. Sie lassen ihre speziellen Lupen ins Wasser, um den Meeresboden besser erkennen zu können. Und tatsächlich: Auch hier wächst eine Wiese aus Neptungras. „Steine und Sand ja, Neptungras nein", sagt der britische Bootsführer, um zu zeigen, dass er verstanden hat, wo er das nächste Mal haltmachen darf, ohne Strafen befürchten zu müssen.

Dass die Posidonia seit Neuestem unter speziellen Schutz gestellt ist, hat unter Umweltgesichtspunkten durchaus seine Berechtigung (siehe Kasten). Dennoch schimpfen nicht nur die einzelnen Segler, die auf frischer Tat ertappt werden, über die harten Sanktionen. Auch die Verbände kritisieren die Reglementierung scharf. „Es ist ein unnützes Dekret, mit dem sich die Regierung schmücken will", so Biel Dolç, Vorsitzende der Asociación de Navegantes Mediterráneos. „Die Pflanze gedeiht doch gut."

Die zwei agents kümmert die Kritik der Nautiker nicht. Sie gehen ihrer Pflicht nach – und sorgen auch weiter dafür, dass die Bootsfahrer ebenfalls gesetzeskonform handeln.

Wer auf Neptungras ankernde Boote beobachtet, kann dies der Notrufnummer 112 mitteilen. Deren Mitarbeiter aktivieren dann ein spezielles Protokoll.

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