Der Club der Fischer und ihrer Söhne in Molinar

Vor 100 Jahren wurde Marítim del Molinar als Treffpunkt gegründet. Noch immer stammen viele Mitglieder aus dem Viertel

03.09.2017 | 12:04
Molinar aus der Vogelperspektive in den 50er-Jahren. Unten rechts der Sport- und Fischereiclub, bereits mit seinem charakteristischen Turm.

Die goldenen Zeiten des Clubs von Molinar? Auf die Frage schüttelt Rafael Vallespir (54) den Kopf. Der Club Marítim del Molinar, der gerade hundertjähriges Bestehen feierte, habe schon immer aus dem Mangel heraus überleben müssen, so der Clubpräsident. „Der wahre Reichtum sind seine Mitglieder", sagt Vallespir. Ehrliche, anständige Menschen ohne Statusdenken, für die Werte wie Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und das gesprochene Wort noch zählten.

Gegründet wurde der Club am 12. August 1917 von einer Handvoll Fischer aus Molinar in der Caló d'en Rigo, wo der zweit­älteste Sport- und Fischereiclub Spaniens noch heute seinen Sitz hat. Anfangs handelte es sich um wenig mehr als vier Schilfrohre mit einem Palmenblätter-Dach, wo die Mitglieder, eine Mischung aus Berufsfischern und Arbeitern, nach Feierabend Kaffee trinken und eine Partie truc spielen konnten. Dabei wurde über das Meer und das Wetter diskutiert, man ging in den Club, um abzuschalten, am Sonntag brachte man die Familie mit und machte gemeinsam einen Bootsausflug. „Für die Fischer bedeutet der Club ein Stück Meer auf dem Land", erklärt Rafael Vallespir, der dem Club seit 16 Jahren vorsteht. Bei seinen Erzählungen über frühere Zeiten beruft er sich auf eine dünne Festschrift, die zum 90. Geburtstag des Clubs erschienen ist. „Der größte Teil der geschichtlichen Dokumentation sowie alte Fotos sind im Laufe der Zeit leider verloren gegangen", sagt er.

Was man sicher weiß: Vom ersten Tag an wurden im Club Regatten ausgetragen, damals starteten auch Llaüts neben den Segelbooten. Alles war unkompliziert und einfach geregelt, da es weniger Gesetze und Sicherheitsvorschriften gab. Die Mitglieder reparierten an den „Kameradschaftstagen" gemeinsam einen Bootssteg oder strichen das Clubhaus neu an, so wuchs der Zusammenhalt untereinander. „Heute undenkbar", sagt Rafael Vallespir, der für jede Reparatur eine Firma offiziell beauftragen muss.

„Der Club krankte von Anfang an daran, dass Projekte aus Geldmangel nie zu hundert Prozent ausgeführt werden konnten", so der Präsident. Angefangen beim Clubhaus, einem rechtwinkligen Bau mit unterschiedlichen Geschosshöhen, weil im Laufe der Jahre immer mal ein Zimmer angebaut wurde. ­„Architektonisch wertlos und wegen der schlechten Baumaterialien ständig reparaturbedürftig." Ein weiteres Beispiel ist der Schutzdamm Dique del Oeste aus den 70er-Jahren, der jedes Jahr ein wenig mehr ins Meer absackt, weil das Geld damals nicht reichte, um genügend große Steine zu verbauen. Da der Wall zudem die Meeresströmung ungünstig beeinflusst, füllt sich das Hafenbecken seither regelmäßig mit Algen und Schlamm – ein Problem, will man mit seinem Kielboot auslaufen. Ende der 80er-Jahre entschieden die noch 24 verbliebenen Berufsfischer, in den moderneren Hafen von Portixol umzuziehen.

„Wenn man überhaupt von goldenen Clubzeiten sprechen kann", kommt Rafael Vallespir auf die Anfangsfrage zurück, „dann sind das wohl die Neunzigerjahre gewesen." Vor allem dank der günstigen Bankkredite gab es mehr Bewegung im Club, die Segelschule konnte reformiert, ein neuer Bootssteg gebaut und der Vorplatz repariert werden. Stolz ist der Präsident auch auf die sportlichen Leistungen des kleinen Segelclubs: „Durch die Titel der spanischen, balearischen und europäischen Meisterschaft ist der Name Molinar in ganz Europa bekannt geworden."

Aktuell hat der Club 300 Mitglieder bei 120 Bootsliegeplätzen. Die Mitglieder stammen größtenteils aus dem Viertel, auch wenn die wenigsten noch in Molinar wohnen. „Das können wir uns schlicht nicht leisten", sagt Rafael Vallespir, dessen Eltern ein Häuschen wenige Meter vom Club entfernt besitzen. Unter den Mitgliedern befinden sich nur ein paar wenige Ausländer, einige Deutsche und Briten, was daran liegt, dass es kaum freie Plätze gibt. „In den meisten Fällen wird die Mitgliedschaft vom Vater an den Sohn weitergegeben", erzählt Rafael Vallespir, dessen Vater ihn mit sechs oder sieben Jahren das erste Mal mit in den Club nahm, wo die Männer filterlose Zigaretten rauchten und sich darüber unterhielten, was sie gefangen hatten, wie er sich erinnert.

Wer heute Mitglied in Molinar wird, bezahlt einmalig 1.500 Euro, anschließend beträgt die Gebühr zwölf Euro im Monat. „Damit kann der Club nicht überleben, wir bräuchten hundert Liegeplätze mehr, um eine Zukunft zu haben", kommt Rafael Vallespir auf die kon­troverse Diskussion zur Erweiterung des Hafenbeckens in Molinar zu sprechen. „Die erste Meereslinie in Molinar hat sich komplett verändert, aber bei uns herrschen Bedingungen wie vor hundert Jahren."

Im Clubhaus gibt es weder Duschen noch Umkleiden für die Segelschüler, die Terrasse läuft bei Regen mit Wasser voll, und wenn man ein Boot von dem kleinen Vorplatz ins Meer befördern möchte, braucht man vier starke Männer, die den Kahn per Muskelkraft herausheben. Ob die Anträge zur Erweiterung des Hafens von Molinar genehmigt werden, entscheidet sich im nächsten Frühjahr. „Bis dahin heißt es abwarten", so der Clubpräsident, „und so weitermachen wie bisher."

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