Mallorca-Zucchini: Auf die richtige Länge kommt es an

Mit den tiefgrünen Zucchini der Sorte carbassó negre beliefert die Familie Pascual Supermärkte und Gemüseläden der Insel. Die geöffneten Blüten sind für den Gourmet-Markt bestimmt, wie auch das zarte Baby-Format der Frucht

06.09.2017 | 06:01
Tochter Coloma und Vater Mateo Pascual pflanzen Zucchini an der Gemeindegrenze zwischen Sant Lorenç de Cardassar und Manacor an.

Die gelben Blüten des Zucchini-Strauches öffnen sich nach Sonnenaufgang. Dieses Schauspiel fand ohne die Besucher von der MZ statt, denn als sie zur Mittagszeit kamen, waren diese bereits geschlossen und die Ernte wird vorbereitet. „Morgens liegt Tau auf den Früchten", sagt Mateo Pascual. Würden die Erntehelfer sie dann berühren, hinterließe dies Flecken auf der Haut der zarten Früchte. Deshalb also werden die Gemüsekisten jetzt, obwohl die Sonne hoch am Himmel steht und es bald unerträglich heiß sein wird, vom Lkw aus zwischen den Pflanzreihen auf dem Feld verteilt. Insgesamt baut der 48-jährige Mallorquiner – er ist Mitglied in der Kooperative Agroilla – auf seinen zehn Hektar Land an der Gemeindegrenze von Sant Lorenç de Cardassar und Manacor Freiland Zucchini an, geerntet wird noch bis September.

Die Zucchini (Cucurbita pepo bot., calabacín span., carbassó kat.) zählt botanisch zur Familie der Kürbisgewächse, sie ist sowohl mit den Gurken als auch mit den Wassermelonen verwandt. Im Deutschen nennt man die Frucht, die für Botaniker zu den Beeren zählt, „Garten- oder Sommerkürbis". Im Italienischen heißt Kürbis „zucca" und „zucchini" ist ein kleiner Kürbis im Plural.

Die carbassó gehört, wie betagte Mallorquiner berichten, zu den Gemüsesorten, die schon immer in den huertos angepflanzt wurden. Aina Socies von der Vereinigung Varietats Locals ist sich da nicht sicher: „Die Zucchini zählt nicht zu den einheimischen Gemüsesorten der Insel", erklärt sie.

Als mallorquinische carbassó wird meist fälschlicherweise eine helle gesprenkelte Sorte, die carbassó blanc bezeichnet. „Ältere Mallorquiner bevorzugen die weiße Sorte", sagt Coloma Pascual (24), Tochter des Plantagenbesitzers und Pressesprecherin der Kooperative Agroilla. Die Zucchini mit der dunkelgrünen, ebenfalls gesprenkelten Haut, die carbassó negre, kam erst später vom Spanischen Festland auf die Insel und man sagt, dass ihr Fruchtfleisch süßer schmeckt und sie sich beim Garen fester und beständiger zeigt als die weiße.

Bei Sant Lorenç de Cardassar baut man die schwarze Variante der Zucchini auch deshalb an, weil auch ihre hübschen gelben Blüten essbar sind und gefüllt verzehrt werden können. Die Pflanze ist zweigeschlechtlich, sie bildet also männliche und weibliche Blüten. Diese werden morgens gepflückt. Mittags kommen dann die Baby-Zucchini in die Körbe: eine schmale Frucht von etwa sieben Zentimetern Länge mit einer geschlossenen Blüte dran. Beide werden an Lieferanten von Gourmetrestaurants oder spezialisierte Marktstände geliefert.

Blüten und Babygemüse sind jedoch eher ein Nebenprodukt des Zucchini-Anbaus, die Hauptrolle spielen die calabacines, ­deren Fruchtfleisch und Haut deshalb so zart schmeckt, weil man auch sie vor der endgültigen Reife erntet. Ihre Pflanzen gelten auf der Insel als anspruchslos, brauchen jedoch viel Wasser, Licht und Platz. Für jeden Setzling ist im Februar eineinhalb bis zwei Quadratmeter Platz einzuplanen. Denn nur dann können sich die kniehohen Sträucher mit ihren großen herzförmigen, leicht marmorierten Blättern richtig entwickeln.

Jede Pflanzreihe auf dem Feld ist mit schwarzer Kunststofffolie bedeckt. Sie schützt vor Unkraut, Verdunstung und bedeckt auch die Rohre für die Tröpfchenbewässerung. Einmal am Tag bekommen die Pflanzen Wasser, alle zwei gibt man Nährstoffe zu.

Die Hitze der vergangenen Wochen – so Coloma Pascual – konnte den Pflanzen und Früchten nichts anhaben. Die hohe Luftfeuchtigkeit dagegen setzte ihnen zu. Je weiter die Saison voranschreitet, desto ausgelaugter sind die Sträucher und deshalb anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. Gegen sie geht man auf der Plantage mit den zugelassenen Mitteln der konventionellen Landwirtschaft vor.

Der Abtransport der Früchte ist logistisch gut geplant: Zwischen den Pflanzreihen ist genügend Platz für die Erntearbeiter und ihre Gemüsekisten, in regelmäßigen Abständen können auf breiten Wegen Fahrzeuge mit den schweren Kisten beladen werden.

Täglich verlassen zwei bis drei Großtransporter mit frischem Obst oder Gemüse die Finca in Richtung Palmas Großmarkt Mercapalma. Angebaut werden neben den Zucchini auch italienische Spitzpaprika, die rote Paprika „Sweet Palermo" sowie Melonen ohne Kerne, Raf-Fleischtomaten und Erdbeeren, die auch noch im Herbst und Winter reifen.

Weil die EU-Norm es vorschreibt, dass in ein „Packstück" lauter gleich große Früchte kommen müssen, werden die Erntearbeiter darauf achten, dass jede Zucchini zwischen 14 und 21 Zentimeter lang ist.

Bereits 370.000 Kilogramm calabacines dieser Größe haben die Finca Pascual in dieser Saison verlassen.

www.agroilla.es

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