"Tomar la fresca": Wenn abendliches Plaudern in Santa Catalina zum Protest wird

Anwohner hatten sich über die urmallorquinische Tradition beschwert, tratschend auf der Straße die Abendkühle zu genießen. Seitdem wird sie zum Akt zivilen Ungehorsams geadelt

22.09.2017 | 12:03
Fotografischer Beweis: Das abendliche Palaver hat jahrzehntelange Tradition

Pepita Matas und ihre Tochter Carmen Rojas mussten sich schon sehr wundern. Eines Abends, als sie wie gewohnt ihre Klappstühle vor die Haustür in ihrem Stadtteil Santa Catalina in Palma de Mallorca stellten, um die Abendkühle zu genießen, beschwerte sich eine Anwohnerin: Mit ihrem abendlichen Plaudern auf der Straße würden sie angeblich "illegal öffentlichen Raum besetzen".

Verärgert und etwas verunsichert begab sich die Mutter zum Rathaus, um sich über die Rechtslage zu informieren. Dort stempelte man ihr gleich eine offizielle Erlaubnis für das traditionelle Palaver nach dem Abklingen der Mittagshitze ab, das die Mallorquiner gerne "tomar la fresca" nennen.

Seitdem hat diese auf der ganzen Insel praktizierte und Alt und Jung vereinende Tradition im Carrer Barrera d'Abaix in Santa Catalina eine ganz spezielle Note bekommen. Vor der eigenen Haustüre zu tratschen war schon immer beliebt. Doch seit es quasi zum Akt des zivilen Ungehorsams wurde, treffen sich die Nachbarn auch noch zum Herbstanfang, um die Frische zu genießen. Am Donnerstag (21.9.) stellten zusammen mit Pepita Matas und ihrer Tochter auch Magdalena Moragues, Isabel Xamena, Joana Picó, Micaela Pujol, Salva Hidalgo, Manuela Sutil und Natalia Docolomansky mit ihren beiden Töchtern Helena und Valentina ihre Stühle auf die Straße.

Auch die "zugezogenen" internationalen Anwohner finden Gefallen an dem Brauch. Die niederländische Tänzerin Jackie Evers gesellte sich ebenso zu dem Treff wie die Briten Mia Seago und Edward: "Manchmal setzen wir uns zu unseren Nachbarinnen auf die Straße", erklären sie zufrieden.

Der Zeitungsreporterin präsentierten die Anwesenden zudem stolz ihre alten Fotos, die die jahrzehntelange Tradition des Brauchs beweisen. Die Bilder zeigten - sozusagen schwarz auf weiß - dass dieser "öffentliche Raum" abends schon immer der Öffentlichkeit und nicht den sich seit Jahren ausbreitenden Straßencafés gehörte.   /tg

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