Das Geheimnis hinter den Riesen-Kürbissen

Miquel Cloquell gewinnt seit Jahren erste Preise im Kürbiswiegen - dank so manchem Kniff und einem Saatgut, das über das Meer kam

01.11.2017 | 01:00
Spezialist für Riesenkürbisse: Miquel Cloquell mit einem über zwei Zentner schweren Prachtstück.

Sie sind gigantisch, die Kürbisse, die Miquel Cloquell vor der Fassade seines Hauses gestapelt hat. Um die Frage zu beantworten, wie er solche Brummer zieht, führt Miquel Cloquell zu dem Feld hinter dem Haus. Die Plantage nahe Muro ist von Maisstauden umgeben, sie sollen Pflanzen und Früchte vor Stürmen aus dem Norden schützen. Im Oktober ist das Feld abgeerntet, nur noch zwei Riesen liegen dort.

Im vergangenen Winter hatte der 65-Jährige die Samen seiner eigenen Kürbisse (Curcubita maxima bot., calabaza span., carbassa kat.) einen Tag und eine Nacht in warmem Wasser eingeweicht und sie danach in Pflanzschalen bei Gewächshaustemperaturen keimen lassen. Insgesamt neun der einjährigen Kürbispflanzen setzte er in großen Abständen auf das Feld: drei Pflänzchen, an denen später die Riesen gewachsen sind, drei weitere von denen Früchte mit orange- oder grünfarbenen Schalen stammen sowie drei weitere mit grauschaligen calabazas. „Weil sie schon toda la vida in Muro angepflanzt werden, nennen wir die grauen Kürbisse autóctonos", erklärt der Mallorquiner.

Im Sommer waren die Pflanzen mit ihren riesigen Blättern gut einen Meter hoch. Jetzt ist von der mata, wie der Landwirt sie nennt, nur noch ein Netz von bis zu zehn Meter langen Trieben auf der Erde übrig, die in regelmäßigen Abständen Wurzeln bildeten.

An den Trieben stehen noch einige wenige Blüten. Der Züchter erklärt, dass eine Pflanze gleichzeitig weibliche und männliche Blüten bildet. Weil sich die Sorten nicht untereinander mischen dürfen, überlässt er die Bestäubung nicht dem Zufall und den Insekten. Er weiß, wann im Juni der ­richtige Zeitpunkt ist und mischt dann die Pollen der männlichen Blüten mit denen der weiblichen. Diese beginnt dann mit der Fruchtbildung. Das Wachstum unterstützt der Landwirt mit Schafsmist, den er um die Früchte herum anhäuft. Aber auch mit Gießwasser. Wobei Cloquell versichert, dass Kürbisse weniger benötigen als beispielsweise Mais. Zu viel Wasser verwässere die Konsistenz der calabazas. Und im Übrigen käme es ja nicht auf die Größe, sondern das Gewicht an. Das würde vor allem von den Genen der Samen bestimmt.

Spanischer Vizemeister

Den größten Erfolg in seiner Karriere als Kürbiszüchter feierte Miquel Cloquell im vergangenen Jahr: Mit vier Freunden hievten sie gemeinsam den dicksten Kürbis der Saison auf eine Palette und weiter auf einen Anhänger. Sie brachten ihn auf der Fähre nach Barcelona und von dort aus in das Dorf Son Feliu de los Codines, wo jedes Jahr ein Wettbewerb im Kürbiswiegen stattfindet.

Der Riesenkürbis aus Muro brachte 538 Kilogramm auf die Waage und seinem Besitzer den zweiten Preis: 400 Euro - für Reisekosten hatten seine Freunde und er bereits das Doppelte ausgegeben. Doch den Erfolg verdankten die Männer eigentlich ihren katalanischen Züchterkollegen.

Diese hatten sechs Jahre zuvor, 2010, erstmals beim jährlich stattfindenden Kürbis-Wettbewerb in Muro teilgenommen und mit ihrer gigantischen Festlandsorte den ersten Preis abgeräumt. Sie stahlen den Mallorquinern, deren Kürbisse bis dato im zweistelligen Kilobereich vor sich hin dümpelten, gründlich die Show. Doch die Teilnahme der Katalanen am Kürbiswiegen in Muro blieb nicht ohne Folgen: Bevor sie wieder abreisten, schenkten sie ihren mallorquinischen Züchterkollegen ein paar Samen ihrer Riesen.

Im Jahr darauf kamen die Katalanen aus gutem Grund nicht wieder, denn Cloquell gelang es 2011 mit den Samen, Kompost und Mist einen Kürbis zu ziehen, der beim Muro-Wettbewerb 238 Kilogramm auf die Waage brachte und den ersten Preis gewann. Für die Veranstalter zeichnete sich ab, dass der Inselkürbis mit der grauen Schale, der bislang maximal 80 Kilogramm auf die Waage brachte, gegen den katalanischen Riesen künftig chancenlos bleiben wird. Seither gibt es zwei erste Preise: Die Züchter von Riesen aus den Festlandsamen gewinnen einen Euro pro Kilogramm, die der grauschaligen Einheimischen zwei Euro.

Doch um die Siegerprämie geht es Cloquell eigentlich nicht. Während der Pflanzsaison kommen seine Freunde regelmäßig auf die Plantage, sie vermessen die Früchte und fachsimpeln über dieses und jenes. Und man trifft sich nicht nur auf dem Feld. Die Gruppe kocht und isst gemeinsam. Die Gespräche drehen sich nur um das eine: die Kürbisse.

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