Capità Toni, das geliebte Raubein

Vor 300 Jahren kam in Palma Antoni Barceló zur Welt. Das Museu de Mallorca widmet dem legendären Korsaren eine Schau

29.11.2017 | 01:00
In etwa so ging es im Mittelmeer rund um Mallorca im 18. Jahrhundert zu: Das Gemälde von 1902 zeigt im Vordergrund ein Schiff von Barceló, das Piratenschiffe attackiert.

Es war eine wilde Zeit, in die Antoni Barceló (1717–1797) hi­neingeboren wurde. Das spanische Weltreich schwächelte, die Briten gewannen dagegen immer mehr an Boden. Gibraltar und Menorca gehörten seit dem Friedensvertrag von Utrecht von 1713, der den Spanischen Erbfolgekrieg nach dem Tod des kinderlosen Königs Karl II. beendet hatte, zum Empire. Und im Mittelmeer herrschten anarchische Zustände: Piraten aus dem Maghreb-Gebiet im Norden Afrikas überfielen immer wieder Schiffe spanischer Nationalität und aus anderen Ländern. Sie raubten die Waren und töteten oder versklavten die Besatzungsmitglieder. Dadurch wurde der Transport von Gütern vom Festland nach Mallorca oft genug unterbrochen, was zuweilen mit dazu beitrug, dass Hungersnöte nach Missernten schlimmer ausfielen, als sie ohnehin schon gewesen wären.

Der aus einer Palmesaner Seemannsfamilie stammende Barceló war einer der Männer, auf die das spanische Königreich in dieser Zeit zählte. Bereits mit zarten 18 Jahren besaß der Analphabet sein erstes Schiff, mit dem er Personen und Waren zwischen der Insel und Barcelona hin- und hertransportierte. Sein Mut und seine seemännischen Fähigkeiten machten Barceló trotz seiner rüden Umgangsformen zu einem anerkannten Mann. Während der Hungersnot 1748 etwa schickte Juan de Castro, Militärchef der Balearen, Barceló nach Barcelona, um so viele Lebensmittel wie möglich wieder zurückzubringen. Der tat, wie ihm geheißen, und verzichtete auf Wasservorräte, um sein Schiff noch voller beladen zu können. Die Palmesaner nannten ihn nur noch bewundernd Capità Toni.

Bereits vor dieser Heldentat hatten siegreiche Gefechte als Korsar im Dienste des Reichs gegen Seeräuber Barcelós Ruhm steigen lassen. Im Juni 1736 segelte der 19-Jährige mit einem aufgebrachten Piratenschiff in Palmas Hafen. Die Beute behielt er – so war das damals üblich – für sich. Auch 1738 war er in einem Gefecht gegen Seeräuber erfolgreich. Er wurde in die spanische Armada aufgenommen – zunächst ohne Sold. „Korsaren waren halt auch Piraten, aber sie agierten mit ausdrücklicher königlicher Erlaubnis, um Spanien zu verteidigen", sagt Joana María Palou, Chefin des Museu Mallorca. Sie hat aus Anlass des 300. Geburtstags eine Schau mit 25 Exponaten auf die Beine gestellt, die man sich vom 22.11. bis zum 28.1. anschauen kann. „Wir zeigen unter anderem Porträts und Schiffsmodelle."

Ein weiteres herausragendes Husarenstück des Korsars von Mallorca ereignete sich 1753: Antoni Barceló wurde beauftragt, einem Eisenfrachter zu Hilfe zu eilen, der unweit von Palma von zwei Piratenschiffen angegriffen worden war. Er segelte als Kommandeur von zwei Schiffen mit 83 unbewaffneten Seeleuten und 33 Soldaten los, jagte die Seeräuber und nahm den Kapitän fest. Mit den überlebenden Gefangenen­ aus Nordafrika landete er als Triumphator in Palma an. Danach erhielt Barceló vom Staat eine satte Belohnung, die Armada beförderte ihn zum Offizier. Das war eine ungewöhnliche Entscheidung, denn die hohen Militärs zählten fast ausschließlich zum Adel. Dem Mann aus einfachen Verhältnissen, der auch nicht mit einem gewinnenden Äußeren punkten konnte, begegneten die hochwohlgeborenen Kollegen denn auch mit Herablassung.

Doch Mallorca liebte ihn. Die ganz große Stunde von Capità Toni schlug aber erst, als er schon über 60 Jahre zählte und Admiral war. Im Jahr 1779 regierte in Spanien König Karl III. Er beauftragte den Mallorca-Korsaren, während der Belagerung des von den Briten 1704 besetzten und seitdem gehaltenen Felsens von Gibraltar zu verhindern, dass Waren dorthin gelangten. Unter Barcelós Kommando standen über 40 Schiffe. Nach vier Jahren endete die Belagerung nach einem in Versailles geschlossenen Vertrag, der Gibraltar Großbritannien und Menorca Spanien zusprach. Nach weiteren Militäraktionen gegen nordafrikanische Seeräubernester wie Tanger oder Algier starb der 80-Jährige in Palma und wurde in der Kirche Santa Creu bestattet, wo sich sein Grab noch heute befindet.

Museu de Mallorca: Di.–Fr. 10–18 Uhr, Sa./So. 13–14 Uhr. Eintritt frei.

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