Zirkusschule Stromboli: Hier ist jeden Tag Showtime

Hier unterrichten Artisten aus alten Zirkusfamilien. Das macht nicht nur den Kindern Spaß

04.12.2017 | 09:43
Zirkusschule Stromboli: Hier ist jeden Tag Showtime

Ein wenig Glitzer, Glamour und Magie gibt es auch in den schmucklosesten Ecken. In zwei Lagerhallen im Gewerbegebiet von Can Valero trainiert die Zirkusschule Circo Stromboli. Durch die graue Feuer­schutztür drängt der Geräuschpegel bis auf den Hof. Dahinter beginnt die Manege für Palmas angehende Zirkusstars.

Drinnen geht es zu wie im Taubenschlag. Von der Decke hängen mehrere Stoffseile, an denen Kinder wie Äffchen hoch- und runterklettern. In einem schwebenden Ring schaukelt eine Langhaarige mit grazil ausgestreckten Beinen durch die Halle. An einem Seil gleitet eine andere kopfüber und in eleganten Drehungen Richtung Boden. Der ganze Raum ist mit Matten ausgelegt, darauf Mädchen und Jungen die sich dehnen, strecken, Spagat und Jonglieren üben. Ein Mini-Trapez steht fest verankert auf dem Boden, daran können die Kleinsten der Truppe Schwebefiguren üben. Aus einer Ecke der Halle erschallt Musik aus einem Laptop. Nebenan springt jemand Trampolin, andere üben Einradfahren oder verrenken sich anmutig an der Pole­stange. Was für ein Zirkus!

Diana stammt aus London, lebt jetzt mit ihrer Familie auf Mallorca und kommt seit zwei Monaten in die Artisten-Schule, zusammen mit ihrer Tochter. Die 38-Jährige klettert behänd an einem Stoff­seil empor, schlingt das reißfeste Band zwei-, dreimal um die Füße und lässt sich mit dem Kopf nach unten hängen. Ihr Körper beginnt sich in rhythmischen Drehungen um das Seil herum zu bewegen, dabei gleitet die zierliche Frau im schwarzen Trikot sachte zu Boden. Die Nummer ist aufführungsreif! „Pah, das lernt man mit Anleitung in ein paar Wochen", sagt die Britin, die zwei Mal pro Woche in der Zirkusschule trainiert.

„So wie ihr geht es vielen Müttern, die anfangs nur ihre Kinder zur Akrobatik schickten und sich ein paar Wochen später selbst anmeldeten", erzählt Silvana Biasini (40), die zusammen mit ihrem Mann Jirka Valla (42) die Zirkusschule vor zwei Jahren eröffnete. Derzeit sind rund 200 Schüler zwischen fünf und 55 eingeschriebenen. 22 von ihnen trainieren ­professionell, alle anderen aus Spaß. Einmalig auf Mallorca: Alle Trainer im Circo Stromboli stammen aus traditionellen Zirkusfamilien – Silvana mit italienisch-irischen Wurzeln in sechster Generation (Zirkus Biasini, bekannt für seine Pferdenummern), Jirka mit englisch-tschechischen Vorfahren in siebter Generation (Bertini – Fry and Fry Entertainment Arts). So wie ihre Eltern zur ersten Generation von Zirkusartisten gehören, die nicht im Zirkus alt wird (sie leben von Mieteinnahmen ihrer Immobilien), beschlossen auch Silvana und Jirka vor sechs ­Jahren auf Mallorca sesshaft zu werden und dem damalsfünfjährigen Sohn ein festes Zuhause zu geben. Neben ihren Engagements für Feste und Events begannen sie Akrobatik zu unterrichten, die ersten Jahre mobil in Schulen. Als das Interesse und die Gruppen immer größer wurden, mieteten sie zwei Hallen in Can Valero an, wo von montags bis samstags Kurse stattfinden. „Dass wir ­unsere Kunst öffentlich unterrichten, war für unsere Eltern anfangs ungewohnt", so das Paar, das auf Einrad und verschiedene Akrobatiknummern spezialisiert ist. „Früher wurde das Wissen vom Vater zum Sohn weitergegeben, nach außen war die Zirkuswelt verschlossen", erzählt Jirko. Sind die zwei für Engagements unterwegs, übernimmt ihr Team die Zirkusschule: Silvanas Schwester Larissa, die Deutsche Gabriela Becker sowie Paola Roca, die aus einer italienisch-brasilianisch-norwegischen Zirkusfamilie stammt. Alle sind bereits über 40 und ­gelenkig wie die Katzen. „Wir haben das Showbusiness im Blut", sagt Larissa, „Körperspannung und Lächeln sind die halbe Miete." Und: Schmerz existiert nicht. Alles reine Kopfsache.

Klar, ein wenig gelenkig sollte man schon sein, auch ein paar Muckis habe. Der Rest ist Technik und Übung. Je nachdem welches Niveau man erreichen möchte, sind fünf Einheiten die Woche à vier Stunden Training optimal. Unterrichtet wird in kleinen Gruppen von sechs bis sieben Personen, jeweils angeleitet von einem Lehrer. „Was für den Zuschauer federleicht aussieht, ist oft schweißtreibende Arbeit, denn anders als im Fitnessstudio trainiert man mit dem eigenen Körpergewicht", erklärt Silvana. Doch sieht man in die Gesichter der Kinder, bekommt man statt verkrampfter Mienen überall nur stolzes Lächeln präsentiert – selbst wenn die Nummer noch nicht perfekt sitzt. Allein das Zusehen macht Lust, sich an das nächste Seil zu hängen und mit ausgestreckten Armen durch die Halle zu schwingen. Wer möchte, probiert einen der Wochenendworkshops aus, zu denen oft internationale Lehrer aus der Zirkuswelt eingeladen werden.

Circo Stromboli, C/. Prudenci Rovira, 22, Palma, Tel.: 626-60 63 22. Monatsbeitrag: 25 Euro/eine Unterrichtseinheit pro Woche. 40 Euro/zwei Unterrichtseinheiten pro Woche, 120 Euro/alle Einheiten. www.circostromboli.com

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