28. Januar 2018
28.01.2018

VW-Käfer-Jubiläum: "Diese Autos sind magisch"

Vor 40 Jahren rollte der letzte europäische VW Käfer vom Band. Ein Verein auf Mallorca bemüht sich darum, die kultigen Kisten auf der Insel am Laufen zu halten

28.01.2018 | 01:00
Lieben ihre VW Käfer: Die Clubmitglieder Toni Portells, Pep Albero und Jaume Lladó (v. li.).

Wenn Toni Portells seinen alten VW Käfer, Baujahr 1963, startet, funkeln seine Augen. „Dieses unverwechselbare Motorengeräusch entsteht, weil Auspufftopf und der hinten befindliche Motor sehr eng beieinander liegen und die Auspuffrohre sehr schmal sind", erklärt er. Portells ist führendes Mitglied der „Amics dels Escarabats Illes Balears", dem 1992 gegründeten Verein der Käfer-Freunde auf den Inseln. Das letzte europäische Modell lief am 19. Januar 1978, vor 40 Jahren, im VW-Werk Emden vom Band. In Mexiko stellte VW die Produktion am 30. Juli 2003 mit dem 21.529.464. Käfer ein.

„Wir haben derzeit um die 50 Mitglieder, darunter auch Deutsche, und organisieren zehn gemeinsame Rund- und Ausfahrten pro Jahr auf Mallorca", sagt Toni Portells. „Daran nehmen manchmal auch Leute von den Nachbarinseln und vom spanischen Festland teil." Rund 100 VW Käfer gebe es noch auf Mallorca, und die wollen bewegt werden. „Mal machen wir eine mehrtägige Rundfahrt samt Hotelaufenthalt und fröhlichem Beisammensein, ein anderes Mal ­beispielsweise­ Slalom-Fahrten mit Zeitmessung." 35 Euro kostet der Mitgliedsbeitrag pro Jahr. Angeboten werden auch Vintage-Treffen für Käfer, die von 1952 bis 1967 gebaut wurden. In diesen Modellen wurden noch kleinere Motoren verbaut, was sie zu etwas Besonderem mache.

An allen Baujahren überrascht Toni Portells immer wieder, wie robust diese Fahrzeuge sind: „Noch nie hatte ein Käfer bei unseren Fahrten einen Motorschaden", sagt er. „Ich kenne einen Fall auf der Insel, da stand ein Käfer zehn Jahre ungenutzt in einer Garage, und als der Besitzer den Zündschlüssel bediente, sprang er sofort an."


Schlechte Bremsen und Heizung? Egal!
Die fast wundersamen Fähigkeiten des unkaputtbaren Klassikers begeistern auch Pep Albero, den Vorsitzenden des Vereins. „Mit den heutigen Autos, die mit Elektronik vollgestopft sind, hat der Käfer nichts zu tun", sagt er. Hinzu komme, dass das knuffige Gefährt „Persönlichkeit" besitze. „Ich habe einen ­Käfer von 1957, und manchmal ist mir, als spreche er zu mir." Anders als bei einem modernen Kia, Mitsubishi oder Opel („das sind alles Klone") haben die Männer eine echte Zuneigung zu ihren Autos entwickelt. „Du kannst zwar nicht schnell fahren, du hast ­keine guten Bremsen und auch eine schlechte Heizung, aber es gefällt dir trotzdem", sagt Pep Albero. Der Käfer schaffe es, einen dazu zu bringen, das Leiden zu genießen, und das auch dann, wenn der Motor – weil luftgekühlt – zu schnell zu heiß wird. „Diese Autos sind magisch", pflichtet Toni Portells bei.

In ihre Wagen investierten Toni und Pep viel Zeit. „Ich brauchte über vier Jahre, um mein anfangs durchgerostetes Exemplar fahrtüchtig zu machen", sagt Pep Albero. Oft brachte er seinen Käfer in die mittlerweile einzige Fachwerkstatt für alte VWs auf der Insel. Sie befindet sich im Carrer Arxiduc 95 am nördlichen Ende von Palma und gehört Jaume Lladó. Von ihm wird gesagt, dass er mit seinen virtuosen Fingern jede Schrottgurke wieder zum Fahren bringt. „Bis vor wenigen Jahren noch gab es auf der Insel drei Werkstätten dieser Art", sagt Toni Portells. „Klar, in den besten Zeiten hatten wir etwa 500 Käfer auf Mallorca."

Der Käfer für Reiche, der Seat 600 für Normalos
Anfangs waren die Volks-Autos aus dem fernen Deutschland nur etwas für gut betuchte. „In den 60er-Jahren konnten sich nur Reiche einen Käfer leisten", sagt Pep Albero. „Außerdem war der Zoll teuer." Den normalen Leuten in Spanien blieb damals nur der inzwischen ebenfalls zu Legendenstatus ­aufgestiegene Seat 600 oder – wenn mehr Geld übrig war – der Seat 124. Auch heute ist der Käfer wieder wie in seinen Anfangszeiten in Spanien ein seltenes Gut, wenn auch aus einem anderen Grund. „Obwohl in der EU alle Zollschranken gefallen sind, ist es nicht mehr einfach, an ein Exemplar heranzukommen", sagt Toni Portells. Weil es immer weniger VW Käfer geben würde und wer einen habe, der würde ihn auch so schnell nicht mehr abgeben wollen.

Ein normaler Käfer aus den 70er-Jahren werde inzwischen je nach Zustand für 6.000 bis 7.000 Euro gehandelt. Bei Bullys lägen die Preise noch um ein Vielfaches höher. „Ein bestens restaurierter Bus der ersten Baureihe aus den 50er-Jahren kostet inzwischen 60.000 Euro, einer aus der zweiten Baureihe immerhin schon 30.000 Euro", weiß Pep Albero.

Dass der im Retro-Eifer bereits seit etlichen Jahren gebaute neue Käfer (Beetle) den aficionados (Fans) der alten Modelle nur ein müdes Lächeln abringt, ist klar. „Das ist ja eigentlich auch nur ein fahrender Computer, wenn auch in einem etwas ungewöhnlichen Gewand", sagt Pep Albero. „Wir mögen keine Raumschiffe, sondern Handarbeit."

Wer einen Käfer hat und Mitglied bei den „Amics dels Escarabats" werden will, rufe 616-65 44 92 an. Nächste Sitzung: 27.1., Cervecería, Camí dels Reis, 138, Palma, 18.30 Uhr.

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