06. Februar 2018
06.02.2018

Quely - das Stäbchen-Wunder von Inca

Die Keksfabrik erlebt derzeit einen Höhenflug

06.02.2018 | 18:52
Öfter mal etwas Neues: Unternehmenschef Gabriel Coll.

Gabriel Coll ist ausgesprochen guter Dinge. Der sportlich und dynamisch daherkommende Geschäftsführer des auf Mallorca jedem Kind bekannten Keksunternehmens Quely sitzt in seinem Arbeitszimmer im zweiten Stock des Firmensitzes in Inca. Er amtiert hier seit 2003. Hinter ihm hängt ein meterhohes Plakat mit Quelita-Fotos, den bräunlichen und rundlichen Traditions-Keksen. Nur aus Mehl, Hefe, Salz, Sonnenblumen- und Olivenöl gefertigt sind diese galetas d'oli wegen ihres fast inexistenten Eigen­geschmacks nicht jedermanns Sache. Sie machen aber auf jeden Fall satt und stellen die genügsamen Insulaner seit Ewigkeiten zufrieden.

Gabriel Coll rollt mit den Augen, blickt auf eine Sessellehne, wo ein Gucci-Schal hängt, und lächelt: Lidl Europa habe fest zugesagt, dieses Jahr vier Millionen Quely-Produkte abzunehmen, die meisten davon für den Verkauf in Deutschland. Kommendes Jahr sollen es dann sechs Millionen Tüten sein. Zudem würde dank des Vertriebs bei Metro, Rewe und Müller noch einiges hinzukommen. „Außerdem verhandeln wir gerade mit Aldi und Edeka", sagt Gabriel Coll.

Kein Erfolg mit „Tapasbrot"

Das Unternehmen verkauft seine Kekse erst seit 2007 auch im Ausland. Damals flüsterte der damalige Quely-Exportchef – ein aus der Schuhbranche kommender asienerfahrener Mann – Gabriel Coll ein, es doch mal in Hongkong und Singapur zu versuchen. „So richtig geklappt hat das aber nicht", gesteht der Geschäftsführer. 2013 nahm man einen weiteren Anlauf, diesmal in Deutschland in Zusammenarbeit mit den Rewe-Supermärkten. Dazu schuf Quely eigens ein neues Produkt: geplättete Quelitas, die als „Tapasbrot" in den Handel kamen. Doch auch damit fiel das Manna nicht vom Himmel.

Stattdessen erfreute sich ein anderes Produkt wachsender Nachfrage: palitos (Sticks) mit Olivenöl-Geschmack. „Sie sind ideal, um sie in einen Dip zu tauchen, die Leute mögen das", sagt Gabriel Coll. Ihm dämmerte damals, dass es auch der Traditionsfabrik Quely gut anstehen würde, mit der Zeit zu gehen und auf Schickeres zu setzen. Bei einem schnell organisierten Abendessen mit Spitzenköchen in Paris stellten die Mitglieder der Quely-Chefetage dann fest, wie gut die palitos auch bei den Herd-Koryphäen ankamen. „Wir sagten uns: Ja, das könnte ein Weg sein."

Und so baute Quely das Angebot weiter aus: Derzeit erhältlich sind die „Breadsticks" neben der einfachen Olivenöl-Variante in den Geschmacksrichtungen Käse, schwarze Oliven, Sonnenblumenkern, Tomate/Oregano und den momentan oberschicken und angeblich gesundheitsfördernden mexikanischen Heilsamen Chia. In Deutschland stellen die Sticks mittlerweile den größten Teil der verkauften Quely-Produkte dar, besonders beliebt sind die Varianten Käse und Tomate.


Mauritius, Katar, Australien

Inzwischen exportiert Quely seine Kekse in mehr als 30 Länder. Ob Europa, Mauritius, Katar, Australien oder Südafrika, die Nachfrage sei groß, so Gabriel Coll. Kein Wunder, dass die nicht erweiterbaren Lagerräume neben der sehr übersichtlichen Produktionshalle in Inca langsam zu eng werden. Gabriel Coll lässt derzeit im Dorf Campanet nahe der Glasfabrik Menestralia eine dort bereits existierende Halle umbauen. Ab April soll es dort ein weiteres Lager geben. Es dürfte sich schnell füllen. Und Coll hat noch weitere Pläne: „Weil der deutsche Markt immer vielversprechender wird, überlegen wir, auch dort ein Zwischenlager zum Vertrieb unserer Produkte einzurichten."

Noch vor wenigen Jahren waren das alles nur Blütenträume, die in dem 1853 bescheiden als „Horno de Can Guixe" gegründeten Unternehmen gehegt wurden. Jetzt aber gibt es Orte auf der Welt, wo die Menschen einen richtigen Heißhunger auf die palitos von der Insel entwickeln. Auch Mexiko gehört dazu. Gabriel Coll ist besonders auf einen Deal mit der dort beheimateten Kinokette Cinemex stolz: In deren Kinos werden inzwischen die schon seit drei Jahrzehnten auf der Insel beliebten, mit Schoko-Beigaben aufgepeppten Merienda-Packungen angeboten.

Aus der ehemaligen Keksklitsche im Inselinnern – ein leichter Hauch von Weltläufigkeit wurde ihr in den 50er-Jahren durch die Umbenennung in Anlehnung an die damals in aller Munde befindliche US-Schauspielerin Grace Kelly verpasst – ist mit einem Exportanteil von inzwischen mehr als zehn Prozent zwar kein Global Player geworden. Aber man hat gelernt, sich auch jenseits der Insel ein bisschen wie ein Fisch im Wasser zu bewegen. Und vielleicht ist ja auch noch mehr drin: Für die palitos „haben wir noch weitere Geschmäcker in der Hinterhand, falls die Nachfrage noch weiter steigen sollte", frohlockt Gabriel Coll.

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