So steht es um Mallorcas Weine

Daniel Arias, Präsident der balearischen Sommeliervereinigung, über Herausforderungen und Trends

13.02.2018 | 01:00
Kann man alle sehr gut trinken: Daniel Arias mit mallorquinischen Weinen.

Wie steht es um Mallorcas Weine? Wie wird der Jahrgang 2017? Was haben wir bei den Preisen zu erwarten? Wir haben den Präsidenten der balearischen Sommeliervereinigung, Daniel Arias, um seine Einschätzung gebeten. Er arbeitet für den Weinvertrieb Redivins.

Quantität und Qualität

Im vergangenen Jahr konnten vergleichsweise wenig Trauben gelesen werden. Das hatte zum einen mit schlechtem Wetter zu tun. Vor allem im Frühjahr regnete es nicht nur, sondern hagelte es auch, was den Reben besonders zusetzte. Hinzu kam der extrem heiße, regenarme Sommer. Das Resultat: 2017 ist etwa 10 Prozent weniger Wein auf den Balearen produziert worden als im Vorjahr (rund 54.000 Hektoliter, davon 44 Prozent Rotwein, 32 Prozent Weißwein und 24 Prozent Roséwein).

In den Weingütern der D.O. Binissalem wurden dabei etwa 24 Prozent weniger Trauben als 2016 gelesen (2017: 1.560 Tonnen), während es in der D.O. Pla i Llevant nur ein Minus von 11 Prozent war (2.150 Tonnen). Die Bodegas mit dem Siegel Vi de la Terra Mallorca notierten indes 19 Prozent weniger Trauben (3.400 Tonnen).

Das Festland musste noch mit schlimmerem Wetter kämpfen. In einzelnen Regionen wie Ribera del Duero, Galicien oder auch in Teilen der Rioja ergab die Lese 2017 sogar etwa 30 Prozent weniger.

Auf die Qualität des Jahrgangs muss sich das nicht negativ auswirken: Umso weniger Trauben auf einem Weinstock wachsen, desto mehr Polyphenol-Konzentration weist die Traubenhaut auf, was wiederum Einfluss auf eine intensivere Farbe und Geschmack des Weins hat. „Insofern bekommen wir zwar weniger, aber besseren Wein", sagt Daniel Arias.

Stolze Preise

Verknapptes Angebot bei gleichbleibender oder sogar steigender Nachfrage: Das führt zu Preiserhöhungen. So gut wie alle Bodegas haben laut Arias die Preise der aktuellen und dieses Jahr noch auf den Markt kommenden Weine um 10 bis 15 Prozent erhöht. Die Steigerung falle bei den günstigen Weinen zumeist höher aus als bei den teuren.

Dabei war das Preisniveau schon zuvor vergleichsweise hoch. Getrieben haben es in den vergangenen Jahren etliche neue Bodegas, deren Besitzer häufig Ausländer sind und hohe Investitionen getätigt haben. „Je mehr teure Weine es von diesen Firmen auf dem Markt gibt, je einfacher ist es auch für andere Bodegas, ihre etwas teureren Weine zu verkaufen, denn sie sind nun keine Ausnahmen mehr", sagt Arias.

Zumal die ebenfalls von Ausländern getriebene Nachfrage nach mallorquinischen Weinen nach wie vor kräftig anziehe, wie Arias aus eigener Erfahrung weiß: „Etliche Bodegas sind früh ausverkauft, sodass man sich als Vertriebsfirma rechtzeitig eine gewisse Menge sichern muss, um diese Weine anbieten zu können."

Der Sommelier ist zuversichtlich, dass die Kunden die Qualitätsunterschiede erkennen: „Die Käufer sind nicht dumm und durchschauen es, wenn für relativ durchschnittliche Weine überzogene Preise verlangt werden, während sie für hochwertige Tropfen gerne auch mehr zahlen."

Problem Feuerbakterium

Eine große Sorge der Winzer ist das Feuerbakterium (Xylella fastidiosa), das bereits auf einigen, offenbar kleineren Parzellen nachgewiesen worden ist (der Krankheitserreger, gegen den es kein Gegenmittel gibt, befällt auch Oliven- und Mandelbäume sowie andere Pflanzenarten). Das hat auch indirekte Folgen für Mallorcas Winzer, die seit Jahren verstärkt autochthone, also nur hier existierende Sorten anbauen und sich so auf dem internationalen Markt profilieren. Um die einheimischen Sorten neu anzupflanzen, schickten sie ihre Edelreiser bislang häufig aufs Festland, wo sie auf schädlingsresistente amerikanische sogenannte Unterlagsreben aufgepfropft wurden, bevor man sie wieder auf die Insel schaffte. Seit der Entdeckung des Feuerbakteriums ist das nicht mehr möglich, weil keine lebenden Pflanzen mehr die Insel verlassen dürfen. Stattdessen setzt man nun auf die Veredelung direkt vor Ort: Eine Firma aus Navarra, Villanueva, pfropft für die mallorquinischen Winzer auf einem Feld in Biniagual an. Da noch Lehrgeld bezahlt wird und man auch hier unter dem Wetter zu leiden hatte, konnte die große Nachfrage nur teilweise befriedigt werden.

Problem Bürokratie

Verschiedentlich warten die Winzer auch noch auf die offizielle Anerkennung, die es ihnen erlaubt, die alten Traubensorten bei ihren Weinen einzusetzen. In der Bodega Galmes i Ribot hat man sich zum Beispiel auf die Traube Escursach fokussiert und jahrelang auch deren Anerkennung betrieben. Als Zwischenschritt darf Escursach mittlerweile genutzt werden, aber nur für Tafelwein (vino de mesa) ohne geografische Herkunftsangabe, da die endgültige Anerkennung noch aussteht. „Etliche Bodegas haben schon seit Langem Weinfelder mit nicht anerkannten autochthonen Trauben angelegt, die sie offiziell für keinen Wein nutzen dürfen, der in den Verkauf kommt. Aber so sind sie für den Tag der Freigabe gerüstet und haben schon ältere Weinstöcke, um sofort auch diese Trauben verwenden zu können", erklärt Arias.

Langzeit-Trend: Bio-Weine

Auch Bio-Weine sind mehr und mehr auf dem Vormarsch, wobei einige nicht als solche zertifiziert sind. „Es gibt Bodegas, die schon seit vielen Jahren ohne jede Chemie arbeiten, aber sich für den Fall der Fälle einer anders nicht unter Kontrolle zu bekommenden Plage diese Möglichkeit aufhalten wollen. Daher verzichten sie auf die Kennzeichnung", so Arias. In Bezug auf vegane Weine, also Weine, die nicht mit Eiklar gefiltert werden, gibt es nur eine Bodega, die dies offiziell macht: Galmes i Ribot bei ihrem Rotwein.

Empfehlungen

Der Sommelier legt derzeit drei mallorquinische Bodegas besonders ans Herz.

  • Selva Vins: Die Weine dieses neuen Weinguts vom Wein-Enthusiasten Carlos Rodríguez Furthmann kommen Ende Februar/Anfang März in den Verkauf. Es sind reinsortige Weine aus Malvasia, Giró Blanc, Gorgollassa und Callet sowie ein Roséwein namens „Clarete". Für ihn wird im Verhältnis 70 zu 30 ein Premsal Blanc-Weißwein mit einem Mantonegro-Rotwein gemischt. So, wie man früher Roséweine „gemacht" hat. Dazu der vino naranja, der nicht mit Orangen angesetzt wird, sondern seinen Namen von der intensiven Farbe hat, die entsteht, wenn man Premsal Blanc- und Macabeu-Trauben mit der Haut mazeriert.
  • Galmes i Ribot: Hier haben es Arias besonders der Som Blanc, diesmal ausschließlich aus Giró Blanc-Trauben, und der für 6–7 Euro sehr gute Weißwein Margalida angetan.
  • Can Majoral: Alle Weine dieser Bodegas sind laut Arias empfehlenswert, besonders reizvoll aber erscheinen ihm die drei neuen reinsortigen Weine Cap Giró (Giró Blanc), Gorgollasa und Callet.


Redivins, geöffnet Mo.–Do. 9–18 Uhr. Polígono Son Llaut, Local 21–22, Tel.: 673-44 00 45 (Daniel Arias), FB: Redivins

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