30. Mai 2018
30.05.2018

Klassische Garten-Schönheit bei Santanyí auf Mallorca

Der Garten von Gritli und Hans Liesenhoff zählt zu den beeindruckendsten der Insel

30.05.2018 | 10:46
In diesem Garten ist Pflanzenvielfalt und ornamentale Gestaltung mit Philosophie und Poesie vereint.

Es ist ein Park bei Santanyí und zählt eigentlich zu den „geheimen" Gärten Mallorcas. Und doch ist er bekannt. Die Mitglieder der Mediterranean Garden Society besichtigen das Anwesen von Gritli und Hans Liesenhoff regelmäßig. Aber auch britische gardeners sowie Teilnehmer von Gartenreisen aus Deutschland, Italien, Frankreich und Schweden machen Station in Can Estel. In den Medien sehen aber wollte das Ehepaar Liesenhoff den 33.000 Quadratmeter großen Garten bisher nicht. Der MZ ist man jedoch wohlgesonnen: Das ermöglichte mehrere Rundgänge zu verschiedenen Jahreszeiten.

Blühende Beete
Im Mai öffnen hier Tausende von Rosen ihre Knospen, die Blütenköpfe entfalten sich in vielen Farben und Formen und der Wind weht obendrein Duftwolken hin und her. Während des Rundgangs ist Gritli Liesenhoff immer in Bewegung, sie schneidet ganz beiläufig verwelkte Blütenköpfe ab. Am Tag zuvor haben sie und der Gärtner schwarze Käfer einzeln eingesammelt. Sie fressen die Blüten von innen her auf – und sind zugleich der Beweis, dass die Rosen hier nicht chemisch behandelt werden.

Dass Can Estel den wohl prächtigsten Rosengarten mit den meisten Exemplaren auf der Insel bietet, liegt daran, dass die Sträucher in den eigenen Gewächshäusern durch Stecklinge vermehrt werden. Besonders zahlreich ist die „Königin von Schweden" vertreten, eine Alte Rose des britischen Züchters David Austin. „Sie multipliziert sich besonders gut", sagt die Rosenzüchterin. In einem riesigen Beet wachsen Strauch­rosen gleicher Höhe, in Hausnähe bilden sie in Rosa mit tiefblauen Schwertlilien Traumpaare.
Kletterrosen ranken an Säulen oder einer Pergola empor.

Im Duftgarten vereinen sich die Rosendüfte mit dem in Blau blühenden Salbei, der hier üppige Kolonien bildet. Dazwischen finden noch Minze und Zitronengras Platz, wie auch die kleinblütige Duftgeranie französischer Herkunft. Die Hauptrolle spielen jedoch viele riesige in Form gestutzte grüne Kugeln. Es handelt sich um eine kleinblättrige Myrtenart, die Liesenhoff auf Can Estel vermehrt hat.

Zwei riesige Kampferbäume überragen die Kugeln. „Die Chinesen sagen, bei ihnen wohnen die Götter", sagt die Gartenbesitzerin. Etwas niedriger sind die Bauhinien, auch Orchideenbäume genannt. Ihre Blüten sehen wie Schmetterlinge, ihre Blätter wie Herzen aus.

Ein wenig später begegnet man einem Huhn aus Stein auf einem hohen Sockel, hinter ihm breitet sich eine Hecke mit weiß blühenden Rosen aus. Man ahnt es, ist aber trotzdem erstaunt: Dahinter scharrt fröhlich eine Hühnerschar. Gegenüber breitet sich ein Meer blühender Kapuzinerkresse in Gelb und Rot aus. Dahinter verbirgt sich der Kompost, der gemeinsam mit Pferde­dung die Erde anreichert.

Poetisches Kinderparadies
Nicht weit entfernt vom Duftgarten steht ein kleines Holzhaus mit grünem Anstrich. Hier haben die Enkelkinder ihre Großeltern zum Pfannkuchenessen eingeladen. Einige Beete entfernt, in denen ganz bezaubernd das Spanische Gänseblümchen (Erigeron karvinsklanus) in Weiß, Rosa und Rot blüht, liest der Besucher in Stein gemeißelt die vier Kardinalstugenden aus der Philosophie des Altertums. Sie lauten: Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Besonnenheit. „Sie sollten den Kindern in Fleisch und Blut übergehen", sagt die Großmutter.

Seit Anfang 2000 waren die heute erwachsenen zehn Enkelkinder häufig zu Besuch. „Ihre berufstätigen Eltern schickten sie mit dem ersten Flieger in den Ferien zu uns", erzählt sie. Doch den ganzen Tag faul am Pool verbringen, das durften die Kinder nicht. Deshalb rief um fünf Uhr eine Glocke über dem Hauseingang zum Tee. Die Enkelkinder eilten aus allen Richtungen – teilweise noch pudelnass vom Schwimmbecken – zum Schattenhaus. Es war zehn Jahre zuvor als Unterkunft für die neuen Pflanzen gebaut worden. Weil es damals in den Inselgärtnereien noch wenig interessante Gewächse zu kaufen gab, bestellten die Liesenhoffs sie häufig in Frankreich und Italien. Als die Enkel aus Deutschland zu Besuch waren, hatten diese Pflanzen jedoch längst Wurzeln in den Beeten geschlagen. Das Schattenhaus bot nun einen kühlen Raum für „Konferenzen".

Hier einigten sich Erwachsene und Kinder auf Projekte gegen die Langeweile. Für die Sommerfeste mit geladenen Gästen wurden Theaterstücke wie beispielsweise Shakespeares „Sommernachtstraum" einstudiert und Kulissen gebaut. Als Bühne diente ein mit Säulen geschmücktes Plateau, die Zuschauer saßen auf der Treppe, die zum Haupthaus führt. Sie ist beidseitig von riesigen in Rot blühenden Eisenbäumen (Metrosideros) flankiert. Von der Bühne abwärts führt der Weg zur Statue des Dionysios. Er gilt unter anderem als Gott des Theaters. Die Kinder schlüpften hier in ihre selbst gemachten Kostüme, er sollte ihnen bei ihrem Auftritt beistehen.

Zwischen zwei großen hellviolett blühenden Paternosterbäumen (Melia) lehnt auf einer Steinbank ein Buch, in das jeden Monat ein Zitat geschrieben wird. Dieses Mal stammt es von Erich Kästner: „An besonders schönen Tagen ist der Himmel sozusagen wie aus blauem Porzellan." Die Kinder übernahmen solche poetische Anregungen von ihren Großeltern, so ist es auch nicht verwunderlich, dass sie nicht nur Theater spielten, sondern manchmal auch Gedichte von Heinrich Heine vortrugen.

Alles im Fluss
Ein weiteres Areal im Garten ist dem „Panta rhei"-Zitat von Heraklit und Platon gewidmet: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen", das Wasser ist immer in Bewegung. Im Garten wird dies von zwei parallel und wellenförmig verlaufenden, rund gestutzten Gamanderhecken dargestellt. Pistazienbäume stehen eng an den Außenseiten des Teucriums, innen stellen blaue Schwertlilien im frühen Frühjahr das Wasser dar.


Wasser spielt auf dem Anwesen eine große Rolle, mit ihm hat auch das Projekt der Liesenhoffs auf Mallorca begonnen. Schon zehn Jahre, bevor Hans Liesenhoff 2000 sein Berufsleben als Professor der Augenmedizin an der Universität Heidelberg beenden sollte, haben die beiden dieses Grundstück gefunden. Das Erste, was ihnen dabei aufgefallen ist, war das Bachbett, das heute blühende Lavendelsträucher säumen. Und als der damalige Professor sagte: „Darüber bauen wir eine Brücke", sagte seine Frau sofort „Ja" zum Kauf.

Heute begrüßen an dieser Stelle hohe Zypressen den Besucher. Das Bachbett wurde so ausgebaut, dass das Wasser auf seinem Weg nach unten nicht aufgehalten wird. Danach wird es unterirdisch weitergeleitet und in einem Brunnen gesammelt.

So können die Pflanzen im Sommer bewässert werden, eine Aufgabe, die Hans Liesenhoff zufällt. Noch beeindruckt der Garten auch durch die vielen Grüntöne, die nach dem vergangenen regenreichen Winter besonders intensiv sind. Das fällt bei einem Blick unter die Baumkronen auf. Die Stämme verschiedener Baumsorten sind von gestutzten Hecken in gleich großen Kreisen eingerahmt. Kugelförmige Schnitte setzen im Ornament durch mehr Höhe weitere Akzente. Im Hintergrund schimmern die Spitzen der weißen Irisblüten.

Dieses Jahr haben sich noch einige Gruppen zur Gartenbesichtigung angemeldet. Dem Ehepaar ist zu wünschen, dass es das Anwesen mithilfe des Gärtners viele Jahre weiter gestalten kann und Kinder, Enkel und zahlreiche andere Besucher kommen, um das Gesamtkunstwerk zu bewundern.

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