13. Juni 2018
13.06.2018

Raum zum Spielen auf Mallorca

Was tun mit den Kindern in den anstehenden großen Ferien? Für viele Familien auf Mallorca sind die Freizeiten der Grups d´Esplais eine Lösung. Und das nicht nur im Sommer

13.06.2018 | 01:00
Bei der jährlich stattfindenden „trobada" treffen sich alle Kinderfreizeiten der Insel

Lorenzo Perelló ist mit den sogenannten "esplais" groß geworden. Seitdem er drei Jahre alt war, gehören die organisierten Kinder- und Jugendfreizeiten zu seinem Leben. Als kleiner Junge liebte der heute 25-Jährige es, mit Gleichaltrigen ins Sommerlager zu fahren, im Innenhof des Gemein­dehauses Fußball zu spielen und einmal im Jahr als Highlight bei einer Großveranstaltung andere Esplai-Gruppen zu treffen.

Für das katalanische Wort "esplai" gibt es weder im Spanischen noch im Deutschen eine Übersetzung: Ursprünglich handelt es sich möglicherweise um ein Wortspiel aus espai (Raum, Umgebung) und dem englischen play (spielen). Raum zum Spielen, also: beim Sport, bei Ausflügen, bei Aufführungen, in Sommerlagern. Die oft kirchlichen Veranstalter wollen damit die Entwicklung der Kinder positiv beeinflussen. In Deutschland würde man vielleicht sagen, die Kinder von der Straße holen.

Die meisten der auch in Katalonien und der Region Valencia weit verbreiteten esplais bildeten sich in den 60er- und 70er-Jahren. Der älteste Treffpunkt auf Mallorca heißt El Cercle (der Kreis) aus Alaró. Es gibt ihn seit 1958. Geleitet wird er heute von dem ehemaligen Teilnehmer Lorenzo Perelló. Er wolle den Kindern etwas aus seiner glücklichen Kindheit zurückgeben, sagt er. Mitte Mai feierte El Cercle mit einem großen Fest im Rahmen der jährlich stattfindenden sogenannten trobada aller Esplai-Gruppen sein 60-jähriges Bestehen.

Der Gründer von El Cercle, Sebastià Jaume, ist mittlerweile verstorben. Mit ihm fing auf Mallorca alles an. Er kam als neuer Priester nach Alaró. Dort fand er eine Gruppe Kinder vor, die auf einem der Gemeinde zur Verfügung gestellten Grundstück Fußball spielten. Sebastià Jaume begann damit, sie auch für andere Aktivitäten zu interessieren – und begründete so eine Kinder- und Jugendarbeit, die bald auch für andere Gemeinden vorbildlich werden sollte. Schon kurze Zeit später bildeten sich weitere Gruppen, die sich damals wie heute stets samstags treffen.

Zum Fußball gesellten sich Bastel­workshops, Spielabende oder Tanzkurse. 60 Jahre später sind die Freizeiten zu einer ­Institution auf ­Mallorca geworden – zumal sie gerade berufs­tätigen Eltern auch am ­Wochenende eine ­Betreuungsmöglichkeit bieten. Laut dem Bistum in Palma sind in den 17 kirch­lichen esplais der Insel momentan 1.600 Kinder eingeschrieben, um die sich insgesamt rund 500 Betreuer kümmern.

In Alaró sind es neun ehrenamtliche Betreuer, zwischen 17 und 25 Jahren, die aktuell knapp über 110 Kinder bei Laune halten. Teuer ist das nicht: Fünfzig Euro pro Jahr kostet die Mitgliedschaft je Kind. Für die Sommerlager – angesichts dreimonatiger Ferien ebenfalls ein von Eltern gern angenommenes Angebot – muss ein Extrabeitrag gezahlt werden.

„Nicht alle esplais der Insel sind wie unsere Gruppe aus Alaró in den Kirchengemeinden entstanden", erklärt Perelló. „Und selbst bei uns ist die Rolle der Kirche eher eine symbolische." Man orientiere sich aber an christlichen Werten. „Wenn wir ein Sommerlager machen, teilen wir zum Beispiel die zu erledigenden Aufgaben unter den Kindern auf und zeigen ihnen so, was es bedeutet, sich für die
Gemeinschaft einzusetzen", erläutert Perelló.

Zu Beginn waren die einzelnen esplais mehr oder wenig unabhängig. 1982 bildete sich dann der Verband Grups d'esplai de Mallorca (GEDM), in dem sich zumindest die kirchlich getragenen Gruppen der Insel zusammengetan haben und der sich unter anderem um die Weiterbildung der Betreuer kümmert.

Das Bistum unterstützt die Verbandsmitglieder in vielen Belangen: „Wir stellen ihnen unsere Infrastruktur in den Gemeinden zur Verfügung", sagt ­Lorenzo ­Vicens von der Diözese, der ebenfalls die Vermittlung von Werten unterstreicht: „Die ­Spiele und Workshops beispielsweise sollen partizipativen Charakter haben und nicht wettbewerbs­orientiert sein. Schließlich ­möchten wir den Kindern ­Respekt, ­Hilfsbereitschaft und Gleichheit vermitteln."

Vicens betont, dass es keineswegs nur christliche Familien seien, die ihre Kinder bei den Freizeiten anmelden. „Es gibt keinerlei Aufnahmebedingungen. Wir bitten auch nicht um ein Zertifikat, das bestätigt, dass die Kinder schon gut erzogen sind", sagt er. Die
esplais seien sehr lose strukturiert und je nach Ort ganz unterschiedlich aufgestellt. Vicens selbst war lange Esplai-Mitglied, bevor er zum Priester geweiht wurde.

„Anders als früher gibt es heute sehr viele Freizeitangebote für Kinder", sagt Lorenzo Vicens. Der Attraktivität der esplais müsse das keinen Abbruch tun. „Wenn wir mit der Zeit gehen, uns nach den Kindern richten und unsere Angebote erweitern, werden wir auch in Zukunft erfolgreich sein."

Kontakt zum Grup d'Esplai El Cercle in Alaró über Facebook: Grup d'Esplai El Cercle. Weitere Informationen, auch zu den Sommerlagern, gibt es in den einzelnen Kirchen­gemeinden.

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