Deutsche Bauunternehmen: Trotz Wirtschaftsflaute noch gut im Geschäft

03-07-2008  
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Deutsche Bauunternehmen und Handwerker auf Mallorca haben weiterhin viel zu tun.  Nele Bendgens

Krise? Was für eine Krise? Auf die deutschen Bau- und Handwerksunternehmen auf Mallorca scheint Spaniens geplatzte Immobilienblase bisher kaum Auswirkungen zu haben. Während die spanischen Kollegen über die Pleite des mallorquinischen Baukönigs Vicenç Grande und die allgemeine Wirtschaftsflaute stöhnen und weitere Insolvenzen und Entlassungen befürchten, berichten die von Deutschen geführten Unternehmen im Bausektor auf der Insel von weiterhin gut gefüllten Auftragsbüchern.

SILKE DROLL Die allgemeine Entwicklung habe auf die meisten deutschen Unternehmen wenig Auswirkungen, sagt die Balearen-Delegierte der Deutschen Handelskammer für Spanien, Ursula Müller-Breitkreuz. "Deutsche bedienen vor allem deutsche Kunden. Die normalen Wohnimmobilien werden nicht von deutschen Unternehmen abgedeckt", erläutert sie. So macht sich auch der deutsche Bauunternehmer Wolfgang Dressler keine Sorgen. "Uns geht es sehr gut. Auch die Zukunft sieht rosig aus", sagt er. Mit 15 festen Mitarbeitern arbeitet Dressler vor allem an Häusern für gutsituierte Privatkunden aus Deutschland. "Wir bauen Feriendomizile und Fincas für Kunden, denen es auf den Cent nicht ankommt", sagt er. Den Einbruch in der mallorquinischen Bauwirtschaft deutet Dressler als Marktbereinigung. "Vorher hat ja jeder, der mit einer Maurerkelle umgehen konnte, sofort ein Geschäft aufgemacht. Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen, und es wird mehr auf Qualität ankommen."

Etwas skeptischer äußert sich Bauunternehmer Walter Hess. "Die Krise trifft uns im Moment noch nicht, aber in zwei Jahren könnten wir Probleme haben. Die Neu-Abschlüsse stagnieren", sagt Hess, der derzeit mit seinem Unternehmen Mallorca Building an sechs Einfamilienhäusern auf der Insel arbeitet. Er plant, in Zukunft verstärkt auf Sanierungen zu setzen.

Das Bauunternehmen Heidekrüger saniert bereits jetzt hauptsächlich ältere Gebäude und blickt optimistisch nach vorne. "Im Südwesten sind etwa 70 Prozent der Immobilien noch nicht toprenoviert. Da gibt es noch genug zu tun", sagt Office-Manager Peter Pöhlke.

Auch den deutschen Handwerkern auf Mallorca geht die Arbeit bisher nicht aus. "Bis zur ersten Hälfte 2009 haben wir noch gut zu tun. Dann sehen wir weiter", sagt Piet Rinck, der mit seiner Schreinerei Inlignum in Santa Ponça hauptsächlich deutsche Kunden bedient. Auch bei der deutschen Glaserei Muchas Cristales sind die Auftragsbücher voll. "Wir sind seit vier Jahren auf der Insel und haben uns gut etabliert", sagt Gesellschafterin Silke Lebelt-Holm. Ebenso mit dem Lauf der Geschäfte zufrieden ist Maler Xaver Weiss aus Peguera. "Vor zwei, drei Jahren kamen wir mit den Aufträgen gar nicht hinterher. Jetzt haben wir nicht mehr so viel Druck, aber immer noch genug zu tun", sagt er.

Bemerkbar macht sich die Verlangsamung in der Wirtschaft vor allem im stockenden Verkauf von Häusern und Wohnungen. Abgesehen vom absoluten Luxus-Sektor registrieren auch deutsche Immobilienhändler weniger Kunden. "Vor allem im mittleren Bereich bei Preisen zwischen 700.000 und 1,7 Millionen Euro ist die Nachfrage schwächer geworden", sagt Günter Pölzelmayer vom Immobilienbüro Casas & More. Die üblichen Kunden dieser Objekte seien deutsche Unternehmer aus dem Mittelstand. "Da geht es vielen in Deutschland nicht mehr gut", erklärt Pölzelmayer.

Die Bauunternehmen Dressler und Heidekrüger, die auch bereits fertiggestellte Häuser im Angebot haben, machen ebenfalls einen Rückgang im Verkauf fest. "Wir haben ein Nachfrageloch, weil sich die Leute in der momentanen Lage zurückhalten", sagt Office-Manager Pöhlke von Heidekrüger. Dennoch geht er nicht davon aus, dass die bereits leicht gefallenen Immobilienpreise (siehe Grafik) stark sinken werden.

Besonders deutlich wird die Kaufzurückhaltung bei einem deutschen Bauprojekt im Süden der Insel. In der Nähe von Cala Pí sollen laut Bauträger Klaus Okunek insgesamt 17 Häuser im Preisbereich zwischen 300.000 und mehr als 500.000 Euro entstehen. Der ehemalige Nationaltorwart Andreas Köpke ist dort einer der Investoren. Trotz des bekannten Namen und umfangreicher Werbung gebe es kaum Interessenten. Nur zwei Häuser konnten bislang verkauft werden, sagt Okunek. Seine Lösung: ?Das muss man einfach aussitzen."

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