Klimaanlagen: Nicht mehr frieren im Hochsommer

17-07-2008  
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Kühlen, aber nicht frieren: Cecilia Garrido verkauft Klimaanlagen.  Nele Bendgens

Mallorca fährt seine Klimaanlagen zurück: Neben Appellen der balearischen Landesregierung zum moderateren Gebrauch der Air-Condition haben in den vergangenen Wochen auch zahlreiche Unternehmen Weisungen zum Drosseln der Geräte an ihre Mitarbeiter ausgegeben. Im Zuge der steigenden Energiekosten scheint ein Umdenken einzusetzen. In immer mehr Geschäften, Banken und öffentlichen Einrichtungen herrschen in diesem Sommer keine winterlichen Temperaturen mehr.

FRANK FELDMEIER Die balearische Landesregierung hat sich ­diese Woche entsprechenden Ratschlägen des ­Madrider Industrieministeriums angeschlossen und fordert nun, die Temperatur in öffentlichen Räumen nicht auf unter 24 Grad abzukühlen. Ein Faltblatt, das in einer Auflage von 130.000 Stück unter die Leute gebracht wird, warnt davor, dass jeder Temperaturgrad weniger acht Prozent mehr Energiekosten zur Folge habe. Der Slogan der Kampagne: „A l´estiu, no passis fred" („Frier nicht im Sommer!").

Zu einem Symbol im Kampf gegen den Missbrauch der Klimaanlage ist dabei die Krawatte geworden. Der spanische Industrieminister Miguel Sebastián (PSOE) war kürzlich demonstrativ „oben ohne" zur Parlamentssitzung erschienen. Seine Devise: Auch Politiker und Ministerialbeamte müssen im Namen von Klimaschutz und Energiesparpolitik Kleidung ablegen. Kritikern seines Vorstoßes schenkte der Minister kurzerhand ein Thermometer.

Angekommen ist die Botschaft etwa bei der Sparkasse Sa Nostra. Die Vorgabe für alle Filialen heißt: 25 Grad. Dafür dürfen die Banker auch mit geöffnetem Hemdkragen und mit kurzen Ärmeln hinter dem Schalter sitzen. „Ich habe heute auch den ­Vize-Generaldirektor ohne Krawatte gesichtet", sagt die Klima-beauftragte bei Sa Nostra. Das sei ein Schritt Normalisierung - Angestellte, die sommers wie winters gleich dick angezogen seien, wirkten auf Kunden wie von einem anderen Stern. Man stelle es den Angestellten deswegen frei, wie luftig sie zur Arbeit erscheinen wollten.

Den Angestellten in der Firmenzentrale der Hotelkette Sol Meliá wurde sogar explizit ans Herz gelegt, auf Krawatte und Jackett zu verzichten. Das sei bei den Angestellten gut angekommen, heißt es, und die Energiekosten könnten deutlich reduziert werden. Auch im Einkaufszentrum Carrefour ist man auf Regierungslinie eingeschwenkt. War es früher dem Personal in den Filialen überlassen, die Klimaanlage einzustellen, gelte jetzt die Vorgabe 24 Grad, heißt es in der Pressestelle.

Diese Temperatur herrscht auch bei Eroski
Syp, der führenden Supermarktkette auf den Balearen. Fernando
Pereda, Leiter des Unternehmens auf den Inseln, verweist jedoch darauf, dass man noch an einem zentralisierten, automatisierten Klimasystem arbeite, das keinerlei Manipulationen in den Filialen zulasse. Das Verkaufspersonal trage ohnehin im Sommer eine Berufsuniform aus leichterem Stoff.

Im Balearen-Parlament ist Präsidentin Maria Antònia Munar keine Freundin der Klimaanlage - diese ist so installiert, dass sie im Voll­betrieb die Politiker am Präsidialtisch eiskalt erwischt. Damit trotzdem keiner ins Schwitzen kommt, wurde ein Kompromiss gefunden: Die Anlage läuft vor Sitzungen auf Vollbetrieb und wird dann heruntergedreht. Krawattenpflicht gibt es keine.

Vom legeren Kleidungsstil nichts wissen will man dagegen im Kaufhaus El Corte Inglés - die Verkäufer tragen auch im Sommer Krawatte. „Aus Respekt vor dem Kunden", wie Sprecher Antonio Sánchez betont. Die Raumtemperatur werde im Übrigen an das Klima im Freien angepasst und liege zwischen 18 und 22 Grad.

Nur lachen über die Debatte kann Bäcker Gustavo Martín in Palma. Seine Klimaanlage ist auf 25 Grad eingestellt - jedoch nur für die Kunden. Zwischen Tresen und Ofen steigt die Temperatur auf über 40 Grad. Gustavo Martin nimmt es gelassen. „Ich bin das gewohnt und trinke bis zu fünf Flaschen Wasser am Tag."

Was halten Sie vom Einsatz der Klimaanlagen? Stimmen Sie ab auf unserer Homepage.

 

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