Wie eine Deutsche mit ihrer Katze auf dem Airport lebt

07-08-2008  
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Hat von dem Presserummel genug: ýDie Frau mit Katze" auf der Abflugebene des Flughafens.  S. Llompart

KARL-HEINZ EIFERLE UND MAR FERRAGUT Sie sieht so aus, als wolle sie gleich abfliegen. Aber die Frau mit dem auffallend weißen Haar checkt nicht ein. Seit Jahren nicht. Sie schiebt nur ihren mit drei Koffern schwer beladenen Gepäckwagen im Abflugterminal auf und ab. Und ihre in einem Kinderwagen sitzende Katze auch. Ihr ganzes Hab und Gut. Mehr hat sie nicht. Kaum ein Flughafenmitarbeiter, der sich nicht an sie erinnert. Aber wirklich kennen tut sie niemand. Klar ist nur, dass es sich um eine Deutsche handelt, die seit mindestens drei Jahren völlig unauffällig auf Palmas Flughafen Son Sant Joan lebt. Manche nennen sie Biggie, andere Vicky oder Bettina. Alle aber kennen sie unter der Bezeichnung "la mujer del gato" - die Frau mit Katze.

Sie ist eine zierliche, schlanke, schüchterne Frau mit einem gepflegten Auftreten. Wer in ihre wachen Augen sieht, denkt an einen Fluggast mit Übergepäck und nicht an eine Obdachlose. Biggie bettelt nicht, und sie fällt niemandem zur Last. Sie wird von allen toleriert und von einigen Flughafenbediensteten samt Perserkatze Mumu durchgefüttert. Sie schlafe jede Nacht auf einer der zahlreichen Bänke im Flughafengebäude und wasche sich in den sanitären Anlagen des Airports, heißt es. Der Flughafen sei ein öffentlicher Ort, und es gebe keinen Grund, die Frau zu vertreiben, ist von Sicherheitsleuten zu hören. Sie störe und belästige niemanden.
Und so ziehen zehn Millionen Passagiere pro Jahr an Biggie und ihrer Katze vorbei. Hätte sie ein Schild mit ihrem Namen um den Hals, wäre sie statistisch gesehen mindestens so bekannt wie die deutsche Bundeskanzlerin.

Aber das wird vielleicht noch. Vor zwei Wochen fiel die Deutsche einer Reporterin der MZ-Schwesterzeitung ?Diario de Mallorca" auf. Seitdem hat sich ihr bislang ruhiges Leben schlagartig verändert. Denn auch die ?Bild"-Zeitung bekam durch die Veröffentlichung Wind von dem deutschen Sozialfall unter mallorquinischer Sonne. Auch wenn der Reporter nichts herausfand, was nicht schon im ?Diario" stand, und die Frage gestellt werden darf, ob er tatsächlich mit der Frau gesprochen hat, ist sie nun von einem Tag auf den anderen zum Medienereignis geworden.

?Suchen Sie sie doch"
Und sie scheint den Rummel um ihre Person nicht zu mögen. In der Pressestelle des Airports laufen die Telefone heiß. In- und ausländische Journalisten wollen über die Frau berichten. Aber außer der Auskunft, dass es sie gibt, werden keine weiteren Informationen preisgegeben. ?Suchen Sie sie doch einfach." Auch die Sozial­station des Flughafens (Chaquetas azules) mauert. ?Fragen Sie die Pressestelle. Oder suchen Sie einfach." Das klingt nach Absprache. Und mit dem Suchen ist das wie mit der Stecknadel im Heuhaufen. Drei Mal war die MZ zu unterschiedlichsten Zeiten vor Ort. Vergeblich. Die Frau scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Je mehr man nach ihr fragt, umso weniger ist sie gesehen worden.
Auch das deutsche Konsulat in Palma kennt die Geschichte um den Flughafenmythos mit der Katze nur aus zweiter und dritter Hand.

?Die Frau ist bei uns bislang nicht vorstellig geworden und hat um keine Hilfe gebeten", bestätigt Konsul Wolfgang Wiesner. Auch habe es kein Amtshilfegesuch seitens der spanischen Behörden gegeben. Selbst wenn es sich bei der Deutschen um einen geistig verwirrten Menschen handle, der sich nicht mehr zurechtfinde, bestehe nicht zwangsläufig konsularischer Handlungsbedarf. ?Gemäß des Europäischen Fürsorgeabkommens müssen Deutsche in Spanien von den hiesigen Behörden so behandelt werden wie Spanier." Falls die Frau in Spanien gemeldet ist, habe sie auch Anspruch auf die Sozialleistungen des spanischen Staates.

Wann und ob sie wieder in ihrem Revier anzutreffen ist, vermag niemand zu sagen. In den Köpfen der Flughafenbediensteten bleibt sie jedenfalls weiterhin präsent. Und ob sie nun aufgrund einer gescheiterten Liebe oder eines gescheiterten Lebensentwurfs auf dem Flughafen gestrandet ist, bleibt weiter der Spekulation der Medien überlassen.

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