Die mediterrane Art der Passagierkontrolle

12-02-2009  
Ein Fluggast in Palma nach der Sicherheitskontrolle.
Ein Fluggast in Palma nach der Sicherheitskontrolle.   Foto: Ramon

REDAKTION Die Bestimmungen für das Handgepäck von Flug-Passagieren sind in allen EU-Ländern einheitlich (nachzulesen etwa unter www.bundespolizei.de oder www.aena.es).

Theoretisch müssten daher auch die Kontrollen ähnlich ablaufen. Tun sie aber nicht. In der Praxis gibt es offensichtliche Unterschiede. Während an der Sicherheitsschleuse in Palma häufiger mal ein Auge zugedrückt wird und Getränke und potenziell gefährliche Gegenstände durchgelassen werden, kennen die Sicherheitsbeamten in München, Wien oder Zürich kein Pardon.

"Passagiere und Gepäck werden zu 100 Prozent geprüft", bestätigt Torsten Jordan, Sprecher der Bundespolizei in Hamburg. Man dürfe sich keinen Fehler erlauben. Die 100 Luftsicherheitsassistenten an den insgesamt 16 Linien am dortigen Flughafen wechseln ständig ihre Aufgaben. Sie sitzen mal am Bildschirm des Röntgengeräts, stehen am Gepäckfließband oder untersuchen die Reisenden. Zu den in Deutschland benutzten Röntgengeräten will Jordan aus Sicherheitsgründen keine näheren Angaben machen. Ähnlich dürfte die Arbeit auch in Palma organisiert werden, wo kürzlich eigens ein neuer Schuh-Scanner angeschafft wurde, der allerdings selten in Betrieb ist.

Aber nichts Genaues weiß man. Sicherheitschef Amando Torres vom Flughafen Son Sant Joan in Palma war gegenüber der MZ zu keiner Stellungnahme bereit.

PRO

Silke Droll

LässigesLächeln

Neulich an der Sicherheitskontrolle am Flughafen in Palma: Stiefel ausziehen, Gürtel auch, die Tasche in den Durchleuchtungstunnel schieben. Alles wieder an seinen Platz rücken, ein Lächeln für den Kontrolleur, fertig. Moniert wurde an meinem Handgepäck nichts. Und das ist auch gut so, denn ich habe Hunger und packe gleich meine Brotzeit plus Getränk aus.

Eigentlich ist es Zufall, dass ich nicht nur die Reste meines Mittagessenspakets, sondern auch noch mein Taschenmesser dabei habe. Ich freue mich, dass ich es zum Gurkenschneiden benutzen kann und mag es gleichzeitig kaum fassen, dass ich damit ins Flugzeug marschieren darf. Immerhin bin ich die Durchsuchungen der bayerischen Flughafen-Security gewohnt. Schon ein Plastikfläschchen Wasser wird in München nicht nur entfernt, sondern auch mit Kopfschütteln bedacht: Kennt der dumme Fluggast die Bestimmungen immer noch nicht?! Ein scharfes Messer würde mich dort als potenzielle Terroristin brandmarken.

Ich denke daran und bekomme fast ein schlechtes Gewissen, weil ich auf Palmas Flughafen mit einem Messer rumsitze. Aber warum eigentlich? Ich habe nichts damit vor, was übers Gurkenschneiden hinausgeht. Vor den Mitreisenden habe ich übrigens auch keine Angst. Weiß man eigentlich von einem wegen der Super-Checks verhinderten Anschlag? Ich glaube jedenfalls nicht daran, dass maximale Kontrollvorgaben maximale Sicherheit schaffen können.

KONTRA

Jutta Christoph

Nervöses Herzklopfen

Auf meinen Wochenend-Trips nach Hamburg nehme ich am liebsten nur Handgepäck mit. Bei der Ankunft kann ich schneller die Liebsten begrüßen, beim Rückflug direkt vom Flieger ins Taxi umsteigen und ins Büro fahren. Praktisch. Weniger praktisch sind die unterschiedlichen Sicherheits-Standards an den Flughäfen. Während ich in Palma seelenruhig mein Köfferchen aufs Band lege, durch die Sicherheitsschleuse gehe und anschließend das durchleuchtete Wochenend-Necessaire wieder an mich nehme – bin ich in Hamburg bei derselben Aktion nervös. Aufgeregt, weil mein Gesichtspflegeöl oder die Nagelfeile entdeckt werden könnten. Und natürlich werden sie entdeckt!

Beim letzten Heimatbesuch musste ich den Koffer in Hamburg öffnen (in Palma nicht), der Luftsicherheitsassistent beäugte kritisch mein Gesichtsöl. Anschließend durfte ich alles wieder einpacken und wurde mit freundlichem Gruß zum Gate entlassen. Auch wenn das Herz jedes Mal laut klopft, bin ich dennoch froh, wenn das Röntgengerät Öl-Alarm schlägt. Oder

liegt es an den Stielaugen der Hamburger Kollegen? Vielleicht spielt auch die Mentalität eine Kontroll-Rolle. Ich weiß es nicht, würde es aber begrüßen, in Palma ab sofort ebenfalls aufgehalten zu werden. Denn wenn das Personal kein Gesichtsöl entdeckt, wer weiß, was ihm dann noch alles durchgeht. Eine genaue Kontrolle nehme ich für meine Sicherheit gerne in Kauf.

Wie sicher ist Palmas Flughafen? Diskutieren Sie mit unter www.mallorcazeitung.es oder per Mail an leserforum@epi.es

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