Katalanisch-Mobbing in Sekundarschule?

18-06-2009  
Der 13 Jahre alte André fühlt sich an seiner Schule nicht wohl, Mutter Sara Lourenco leidet mit.
Der 13 Jahre alte André fühlt sich an seiner Schule nicht wohl, Mutter Sara Lourenco leidet mit.   Foto: Terrassa

SIKE DROLL Wenn deutsche Eltern auf Mallorca zusammenkommen, haben sie meist nur ein Thema: die Schule. Viele stören sich an der Unterrichtssprache Katalanisch, manche fühlen sich auch generell als Ausländer ausgegrenzt. Bei Sara Lourenco hat sich Ärger dieser Art seit Jahren aufgestaut. „Jetzt reicht‘s. Jetzt rede ich“, sagt die 42 Jahre alte in Deutschland aufgewachsene Portugiesin. Was ihr Sohn André (13) an der staatlichen Sekundarschule (I.E.S.) in Sineu erlebe, sei schlichtweg diskriminierend. So werde André, der derzeit die Klasse wiederholt und sprachliche Probleme hat, dem Stoff zu folgen, ein spezieller Förderunterricht, den die Schule anbietet, verweigert. Nach einer langen Liste von Verweisen wegen seines Verhaltens war ihr Sohn kürzlich für zwei Tage vom Unterricht ausgeschlossen worden. Lourenco führt die Probleme unter anderem darauf zurück, dass ihr Sohn, der neben Deutsch und Spanisch auch fließend Katalanisch spreche, kein Einheimischer ist. „Was will man von uns Europäern? Geht man jetzt massiv gegen uns vor?“, entrüstet sie sich.

Sonderlektion Katalanisch

Das Fass zum Überlaufen brachte für Lourenco ein Konflikt, in dem Andrés Einstellung zur katalanischen Sprache in den Mittelpunkt gerückt war. Nachdem ihr Sohn auf dem Schulhof mit Zweigen eines Strauchs gespielt habe und damit laut der Schule ein anderes Kind (Lourenco: „Das stimmt nicht.“) verletzt habe, sei er vor versammelter Klasse abgekanzelt worden und zur Strafe aus dem Unterricht genommen worden. Die Aufsichtslehrerin, die ihn in einem gesonderten, aber verglasten Raum betreute, habe ihn dann ebenfalls bloßgestellt. André habe der Lehrerin gesagt, dass er Katalanisch nicht möge, weil es ihm schwer falle, dem Unterricht in dieser Sprache zu folgen. „Die Lehrer sprechen alle unterschiedliche Dialekte, und wenn es dann noch laut ist in der Klasse, komme ich nicht mehr mit. Die Lehrer wollen dann auch nicht immer alles wiederholen“, erzählt er der MZ.

Auf diese Aussage habe die Lehrerin sehr erbost reagiert und einen Kollegen sowie einen anderen Schüler auf dem Gang aufgehalten, auf André gezeigt und ihn als Katalanisch-Gegner bezeichnet. Der andere Lehrer habe André dann noch einen Kurzvortrag über die Bedeutung der katalanischen Sprache gehalten. Als André an diesem Tag nach Hause gekommen sei, habe er sichtlich angegriffen gewirkt, sagt Lourenco.

Sie sieht ihren Sohn als Opfer des Sprachkonflikts auf Mallorca. „Ist es wirklich nötig, dass man diesen Kampf der Sprachen auf Kosten unserer Kinder austrägt?“, fragt sie, „und wie kann es sein, dass auch Klassenkameraden ihm sagen, dass es unverschämt sei, auf Mallorca nicht die Landessprache zu sprechen, wenn er sich mit deutschen Kindern auf Deutsch unterhält. Sind diese Aussagen wirklich die Gedanken von Kindern oder die von deren Eltern?“ Lourenco lebt mit ihrem Sohn und ihrer Tochter Sabrina seit zehn Jahren in Spanien, die letzten fünf davon auf Mallorca. André sei auch schon von anderen Jugendlichen als „Scheißdeutscher“ bezeichnet worden, ihre südländisch aussehende Tochter als mora (despektierlich für Moslems oder Menschen aus dem Maghreb).

Der Leiter der I.E.S. Sineu, Luis Aristondo, weist Lourencos Vorwürfe entschieden zurück. „Dieser Schüler wird genauso behandelt wie alle anderen Schüler auch“, sagt er. Richtig sei, dass er zum Teil problematisches Verhalten an den Tag gelegt habe und dass andere Schüler, die seit kürzerer Zeit auf der Insel seien, bessere Katalanisch-Kenntnisse hätten. Aus dem Förderunterricht sei André genommen worden, weil es dafür nur eine sehr begrenzte Anzahl von Plätzen gebe. „Wir müssen entscheiden, wer ihn am meisten braucht.“

Auch die Briten wehren sich

Probleme mit dem staatlichen Bildungssystem auf den Balearen haben indessen nicht nur die Deutschen. John Lambourne, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Ciudadanos Europeos (Bürger Europas), befasst sich derzeit mit einem ähnlichen Fall. An ihn hat sich eine englische Familie gewandt. Ihr Problem: Sie fühle sich benachteiligt, weil ihre Kleinkinder in der staatlichen Vorschule ausschließlich auf Katalanisch unterrichtet werden. „Spanien ist wohl das einzige Land in der Welt, wo den Kindern der Unterricht in der Landessprache (Spanisch, Anm.d.Red.) verweigert wird“, sagt John Lambourne dazu. Der Schotte ist auf dem Land bei Valldemossa aufgewachsen und sagt von sich selbst, besser Katalanisch als Spanisch zu sprechen.

Er habe viele mallorquinische Freunde und überhaupt nichts gegen die Sprache, doch sehr wohl etwas gegen den Ausschluss der Spanischsprecher. „Dass in den Schulen jetzt auch die Eltern­abende nur noch auf Katalanisch stattfinden, ist eine Unverschämtheit.“ Und mit dem Katalanisch-Zwang, der im Unterricht gelte, erreiche man doch nur, dass die Menschen eine Abneigung gegen die Sprache entwickelten.

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