´Ein zweites Portals´: Matthias Kühn und die Zukunft des Pueblo Español auf Mallorca

25-06-2009  
Matthias Kühn (re.) und Pueblo-Español-Geschäftsführer Carlos Bautista.
Matthias Kühn (re.) und Pueblo-Español-Geschäftsführer Carlos Bautista.   Foto: Sebastián Terrassa

CIRO KRAUTHAUSEN Mit rund 3.000 geladenen Gästen wird diesen Donnerstag (25.6.) in Palma das „Nuevo Pueblo Español" eröffnet. Unter anderem befinden sich in dem Themenpark mit spanischen Bauten nun eine Lounge, ein Restaurant, eine Cocktailbar und eine Bodega. Und das soll erst der Anfang sein, sagt Matthias Kühn (50), dem für das Areal noch ganz andere Erlebniswelten vorschweben. Für die Umsetzung seines Konzeptes konnte der Immobilien­unternehmer mit Carlos Sánchez, Pep Oliver und Barney Ordinas drei der bekanntesten Gastronomie- und Nachtleben-Manager Mallorcas gewinnen.

40 Jahre lang hat sich das Pueblo Español nie so richtig rentiert. Was wollen Sie anders machen, Herr Kühn?
Nun, in den ersten ein, zwei Jahren hat das Konzept eines Klein- Spaniens mit Läden, Handwerk und Restaurants – sogar einen Fischladen gab es! – durchaus funktioniert. Ich weiß noch, wie ich das Pueblo als zehnjähriges Kind kennenlernte. Danach aber ging es bergab, das ist richtig. 30 Jahre lang hat es hier keine richtige unternehmerische Führung gegeben. Als wir das Pueblo Español 2003 übernahmen, war unsere Prämisse, nicht mit der Axt reinzuschlagen. Wir haben Mitarbeiter und auch Mieter übernommen, obwohl wir glauben, dass sie eigentlich kein richtiges Mietverhältnis hatten. Mit den meisten haben wir uns dann friedlich auseinandergelebt – nicht weil sie böse Menschen sind, sondern weil sie ein anderes Konzept betreiben: kleine Geschäfte mit Postkarten und Souvenirartikeln für Besucher, die das Pueblo Español als eine Art Museum durchstreifen. Der Tourismus auf Mallorca hat sich sehr verändert, hier aber scheint die Zeit im Jahre 1968 stehen geblieben. Der für uns einzig vernünftige Weg hingegen ist, auf Qualität zu setzen, weil schon die ganze Anlage mit immenser Qualität erbaut wurde.

Die normalen Urlauber machen jedoch den Umsatz. Darauf wollen Sie verzichten?

Das ist genau die Schere, die sich für uns auftut. Aber bei allem Respekt: Wenn jetzt hier Leute oben ohne und in Badehose hereinschlendern, kann ich nicht parallel auf Qualität setzen. Dann trage ich aus unserer Sicht dem gewaltigen Substanzwert, der im Pueblo Español steht, nicht Rechnung. Da wäre es eine Schande, sich am ´billigen´ Pauschaltourismus zu orientieren. Zudem zielen wir nicht auf den rein touristischen Markt, sondern auf die Bewohner der Insel.

Wem gehört das Pueblo Español eigentlich?
Domus, das ist die Gesellschaft, die es 2003 von der Sparkasse Sa Nostra übernommen hat.

Ist Kühn und Partner an Domus beteiligt?
Nein, wir haben eine generelle ­Beratungsfunktion und auch das eine oder andere investiert, sind aber nicht am Eigentum beteiligt.

Wem gehört dann Domus?
Einem europäischen Investor, einem Freund von mir.

Wie viel ist in das neue Pueblo Español investiert worden?

Ein zweistelliger Millionen-Euro-Betrag über die vergangenen Jahre. Und glauben Sie mir, hier kann man unglaublich viel Geld hineinstecken.

Inmitten der Krise ist eine solche Investition bemerkenswert. Haben Sie nicht auch mal gedacht: Wir verschieben das besser?
Natürlich sind es schwierige Zeiten. Jeder kämpft, wir natürlich genauso – der Vertrieb ist nicht wie früher, die Aufträge sind anders und offene Rechnungen zahlt kein Mensch – , aber trotzdem darf man eines nicht verkennen: Wir sind ja schon drin. Die Investition ist nicht heute getätigt worden, sondern vor sechs Jahren – und das, was wir renoviert haben, ist dann im Vergleich zum Gesamten wieder überschaubar. Wir haben das damals relativ güns­tig übernommen, weil Holland in Not war: weil hier Geld geschuldet wurde, Mitarbeiter revoltierten, die Nachbarn sauer waren, und die Mieter auf unkündbaren Verträgen saßen – es war eine relativ chaotische Situation. Und diese Investition ist auch bezahlt, die ist nicht geschuldet. Das kann man klar zum Ausdruck bringen: Wir sitzen hier nicht auf einem Schuldenberg. Außerdem, schauen Sie mal: Man kann hier leider nicht im Kleinen reingehen. Würde ich gerne machen, geht aber nicht. Wir können nicht nur eine Bodega aufmachen, denn wenn Sie dann abends ankommen, und nur ein Teil auf ist, dann sind Sie wie in einer Geisterstadt. Hier müssen gleichzeitig verschiedene Sachen aufhaben, sonst ist man hier alleine. Das wird sicherlich eine große Schwierigkeit sein, und wir werden ja sehen, ob es klappt oder nicht.

Ein Projekt, das viel Aufmerksamkeit verlangt. Ziehen Sie sich aus Ihrer Immobilientätigkeit etwas zurück?

Nein, wir machen ja viele Sachen parallel. Ich kümmere mich um die Kreativität und Gesamtsteuerung. Der gesamte Umbau, auch in Sachen Inneneinrichtung, trägt meine Handschrift, das ist ja auch das, wo ich als Kapitän noch am Steuer stehe. Jetzt, wo die Infrastruktur steht, werde ich mich aber als Matthias Kühn natürlich nicht um einen Restaurant-­Abfluss kümmern. Das ist jetzt Sache der Geschäftsführung. Meine Aufgabe habe ich abgeschlossen, indem ich die Infrastruktur geliefert habe. Nun muss die Geschäftsführung sehen, ob sie sie vermarkten kann. Wir können dabei helfen und das Konzept mitgestalten, aber für die Umsetzung gibt es eine Mannschaft und die ist auch kompetent.

Wie sieht dieses neue Konzept denn nun aus?
Wir wollen für die 400.000 Leute, die in Palma wohnen, einen Ort schaffen, von dem sie sagen: Das ist unser neues Pueblo. Und sie sollten hier nicht nur ausgehen können, sondern auch noch mehr machen: Was genau, daran tüfteln wir noch. Wir haben bereits ein Geschäft für Inneneinrichtung aufgemacht, wir wollen gute Dienstleister mit reinnehmen, wir wollen alles unternehmen, damit man noch mehr Gründe hat, ins ­Pueblo Español zu kommen. Wir denken über ein Spa-Konzept nach: Health, Pilates, Yoga. Vielleicht ein Friseur. Kinderbetreuung. Wir würden es auch gut finden, hier ein Fünf-Sterne-Hotel zu eröffnen. Vielleicht mit 30, 40 Suiten. Unter dem Platz würden wir gerne eine Tiefgarage einrichten. Das Pueblo soll eine Eigendynamik haben wie eine kleine Stadt, aber für Leute wie wir.

Was für ein Publikum stellen Sie sich denn vor?
Wir fangen ganz bewusst bei den Spaniern an – dafür sind wir lange genug auf der Insel, das haben wir gelernt –, damit diejenigen, die das Pueblo Español früher nicht akzeptiert haben, zu uns finden. Viele Mallorquiner kennen es ja gar nicht, weil die sich immer gesagt haben es para los extranjeros – und so war´s ja auch, wo die guiris sind, geht kein Mallorquiner hin. Auch deswegen müssen wir auf die Pauschaltouristen verzichten. Die kritische Masse müssen Mallorquiner sein, dann kommen die Ausländer. Die Mallorquiner müssen das Gefühl haben: Wir waren zuerst da. Das ist wichtig und ja auch berechtigt.

Das Riskal ist mit einem ähnlichen Konzept am Start. Empfinden Sie es als Konkurrenz?
Ja, mit Sicherheit. Das ist eine Alternative. Etwas weiter entfernt, etwas unpraktischer vielleicht. Aber wir haben natürlich einen anderen Charme: Das Pueblo Español als Klein-Spanien ist schon etwas ganz Besonderes, auch mit der Mauer drumherum. Man kommt nur einmal rein und raus.

Was sagen Sie den Nachbarn, wenn Sie, wie in der Vergangenheit geschehen, protestieren?
Wir versuchen, sie zu informieren und mit einzubinden. Unsere Idee ist es, ein Angebot zu schaffen für Leute ab 30. Wir wollen ja nicht die 15- oder 18-Jährigen, die Saufgelage am Paseo Marítimo abhalten. Die passen hier genau nicht rein. Und die Nachbarn werden unsere Aktivitäten dank der dicken Mauern gar nicht mitbekommen. Mit dem Parkplatzmangel, nun gut. Da muss man sich ja auch mal fairerweise fragen, wer war denn hier zuerst? Viele Nachbarn haben ja aus Immobilien- spekulationsgründen in der Nähe des Pueblo Español gekauft.

Was soll mit dem Kongresszentrum passieren?

Wir nehmen es derzeit genauer unter die Lupe. Wir haben es in den vergangenen Jahren so saniert, dass dort Großveranstaltungen durchgeführt werden können, glauben aber, dass das Kongressgeschäft für uns hier nicht das richtige ist. Wir ziehen da immer den Kürzeren, weil wir kein Hotel haben. Man könnte hochklassige Events reinlassen, in guten Zeiten beispielsweise eine Incentive-Veranstaltung der Deutschen Bank. Ich könnte mir auch vorstellen, dass da eine Spa-Welt ­hineinpasst, dass man also etwas ganz anderes daraus macht. Dann hätte man tagsüber schon Leute dort, die dann abends über die Brücke in das Restaurant kommen. Eine andere Idee wäre ein Varieté: Auch das würde noch passen. Da müssen allerdings auch Lizenzen her, und das ist ein längerfristiges Projekt. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Das ist schwierig hier.

Sie sind auch im Bauträger­geschäft tätig. Würden Sie das Pueblo Español eigentlich noch mal bauen?

Ich könnte es sicherlich nicht, aber ich finde es toll. Es ist wunderschön. Viele Leute denken, dass es uralt ist, weil es so gut gebaut ist. Wie man es nun nutzt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Ich würde gerne ein innerstädtisches Puerto Portals daraus machen. Das ist unsere Idee. Alles, was Niveau hat, wollen wir stückweise darin integrieren. Auch über große Labels denken wir nach: Es gibt immer noch kein Gucci auf der Insel. Deswegen müssen wir auch bei aller Liebe, und auch wenn es gegen unsere Einnahmen spricht, dieses preisbewusstere Publikum loswerden. Das lässt sich nicht verknüpfen.

Dabei muss sich alles langsam einspielen, organisch entwickeln. Wir können nicht sagen: Morgen ist hier alles voll. Das muss sich erst herumsprechen. Das Restaurant etwa hat jetzt jeden Tag mehr Leute, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, wir haben das so gewollt. Je nachdem, wie es uns gelingt, die Menschen von der Location zu überzeugen, geht es auch voran. Wenn die das alle doof finden, haben wir natürlich ein Problem, dann werden wir das nicht ausbauen. Aber vergessen Sie nicht: Auch Portals hat Jahre gebraucht, bis es von den Leuten angenommen wurde.

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