Invasion der Boote: Klassenkampf in Traumbuchten von Mallorca

05-08-2009  
Wen gehört die Bucht? Yachten versus Badegäste in der Cala Mago.
Wen gehört die Bucht? Yachten versus Badegäste in der Cala Mago. Bendgens

SILKE DROLL Es hätte ein perfekter Strandtag werden sollen. Uxía Alonso war von Palma aus mit einer Freundin zum Naturstrand Es Carbó im Südwesten der Insel aufgebrochen: feinster Sand, kristallklares Wasser, dahinter malerisch ein Kieferwäldchen. Nach einem halbstündigen Fußmarsch in der Mittagshitze ab Colònia de Sant Jordi erreichten sie den unverbauten Teil von Mallorcas Küste. Doch statt einem Ausblick auf die Weite des Meeres fanden sich die beiden jungen Frauen einer ganzen Armada von ankernden Segelyachten und Motorbooten gegenüber. „Es war furchtbar, sie waren nur zehn Meter vom Ufer entfernt, eine komplette Abriegelung mit Schiffen den ganzen Strand entlang", berichtet die 34-Jährige. Die beiden jungen Frauen ärgerten sich über die Invasion des eigentlich so paradiesischen Strandes. „Man kann gar nicht mehr hinausschwimmen, weil man Angst haben muss, von einem Boot erfasst zu werden. Und den Lärm der Motoren muss man auch noch ertragen."

Vor allem an den naturbelassenen und schwer erreichbaren Flecken der Küste Mallorcas kommt es im Sommer immer wieder zu einer Art Klassenkampf: Wenige gut betuchte Yachteigner und Chartergäste stören mit ihren Schiffen den Strandaufenthalt einer Vielzahl von Badegästen, die sich zum Großteil Ausfahrten auf Luxusbooten niemals leisten könnten und die unberührten Flecken der Insel mühsam zu Fuß aufsuchen. „Das Meer gehört doch allen, aber es ist wie überall, am Ende entscheidet das Geld", sagt Alonso und spielt damit auf die hohe Kaufkraft vieler Bootsbesitzer an, die deswegen auf Mallorca besonders gern gesehene Touristen sind. Die Strandbar-Betreiber schätzen an ihrem Ufer ankernde Yachten. „Die Leute von den Schiffen geben oft viel mehr bei uns aus als die, die am Strand liegen, das können 40 bis 50 Euro pro Person sein", sagt Juan Pérez, Kellner im Restaurant der kleinen Bucht „El Mago" in der Gemeinde Calvià. Dort kreuzen an einem Tag oft 20 bis 30 Yachten auf. Anders als viele andere Mallorca-Residenten und -Urlauber, die die Belästigung durch Boote am Strand still ertragen, forderte Alonso bereits zahllose Male über die Notrufnummer 112 die Behörden zum Einschreiten auf. „Aber passiert ist nie etwas. Wenn ich anrufe, stellen sie mir immer Fragen, die man kaum beantworten kann, zum Beispiel nach dem Nummernschild des Bootes. Das kann man aber vom Ufer aus nicht erkennen. Oder sie sagen, sie schickten jemand vorbei, tatsächlich ist aber nie jemand aufgetaucht."

Die gesetzliche Regelung sieht laut der Küstenschutzbehörde Folgendes vor: Boote dürfen sich bis zu 200 Meter vor dem Strand frei bewegen, an der restlichen Küste bis zu 50 Metern. Wenn Badezonen mit Begrenzungs-Bojen ausgewiesen sind, müssen die Schiffe außen vor bleiben. Eine problematische Grauzone entsteht, wenn keine Abgrenzung für die Badenden eingerichtet ist. Wer sich über diese Abstände hinaus dem Ufer nähert, muss laut Gesetz mit besonderer Vorsicht und einer Höchstgeschwindigkeit von drei Knoten fahren. Eine Regel, die das Ankern in Strandnähe verbietet oder eine Maximalzahl von Booten festlegt, gibt es nicht.

Zuständig für die Einhaltung der Vorgaben ist die Guardia Civil. „Wenn sich an einem Naturstrand Unmengen von Booten drängen, zeugt es von einer schlechten Kinderstube und wenig Respekt gegenüber den Badenden, aber das Problem gesetzlich zu regeln, ist sehr kompliziert", sagt ein Mitarbeiter der Küstenschutzbehörde. Vermutlich hätten sich auch noch nicht genügend Bürger beklagt.

Um die Verfolgung der Anzeigen kümmert sich die Hafenbehörde (Capitanía Marítima). Wichtig ist laut der Behörde, dass ein Verstoß gegen die Regeln von der Guardia Civil (Tel.: 062) vor Ort überprüft wird, denn andernfalls stehe Aussage gegen Aussage und es sei schwierig, ein Verfahren zu eröffnen. Im vergangenen Jahr kam es zu 19 Verfahren, rund die Hälfte dieser Verstöße ereigneten sich beim Naturstrand Es Trenc. Bisher wurde eines der Verfahren mit einer Geldstrafe von 3.000 Euro abgeschlossen.

Unterwegs rund um die Insel sind tausende von Segelyachten und Motorbooten. Allein Mallorca hat rund 20.000 Liegeplätze. Dazu kommen viele Wassersportler von außerhalb. Aber auch schon ein einziges Boot kann den Strandtag gründlich vermiesen, wie ein MZ-Leser berichtet. „Wir waren in einer schönen Bucht hinter Sant Elm, aber direkt vor uns betranken sich junge Leute auf einer Yacht, drehten die Musik laut auf und warfen ihren Abfall ins Meer."

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