Versteigert und verlost

23-07-2009  
Einstiegspreis 3 Millionen Euro: Diese Traumterrasse samt Designer-Villa kommt am 28. Juli bei einer Versteigerung unter den Hammer.
Einstiegspreis 3 Millionen Euro: Diese Traumterrasse samt Designer-Villa kommt am 28. Juli bei einer Versteigerung unter den Hammer.  Foto: PPA

SILKE DROLL Während das klassische Immobilien-Geschäft der Makler ins Stocken geraten ist, blühen auf Mallorca die alternativen Möglichkeiten zum Verkauf von Fincas, Villen, Wohnungen und Grundstücken. Schnäppchenjäger setzen jetzt auf Versteigerungen, Verlosungen oder schauen sich bei den Zwangsversteigerungen der Gerichte oder günstigen Objekten von Banken um.

Am 28. Juli kommen insgesamt zehn Objekte bei der zweiten freiwilligen Immobilien-Versteigerung in Palma unter den Hammer. Aufgerufen werden sie mit 75 Prozent des Schätzwertes. Wenn es keine Gegengebote gibt, kann so beispielsweise bei einer Designer-Villa in der Bucht von Pollença mehr als eine Million Euro gespart werden. Der Schätzwert liegt bei 4.285.734 Euro. Organisator Doron Spinner ist sich sicher, dass mehrere der Immobilien, die von Maklern nicht vermittelt werden konnten, so einen Käufer finden werden. Bei der ersten Versteigerung am 5. Mai waren neun von 19 angebotenen Wohnungen, Häusern und Grundstücken verkauft worden.

Spinner, der hauptberuflich in Deutschland große Gewerbeimmobilien vermittelt, ist so überzeugt von dem Konzept, dass er das Verkaufsmodell nun auch in der Bundesrepublik anwenden will. In München wollen die Mallorca-V­ersteigerer im Spätherbst Gewerbe- und Wohnimmobilien versteigern und damit einen internationalen Käuferkreis ansprechen. Immerhin stagniere auch in Deutschland der Immobilienmarkt. „Wir haben ein Riesenproblem, weil die Banken keine Finanzierung mehr anbieten“, sagt Spinner. Auch Synergie-Effekte könne es geben. „Da packe ich vielleicht auch ein Mallorca-­Objekt in den deutschen Katalog oder biete eine deutsche Gewerbe-Immobilie auf der Insel an.“ Auch Nachahmer sind schon in den Startlöchern. Weitere Anwälte auf der Insel wie Christian Gerboth planen, künftig ebenfalls Versteigerungen zu organisieren.

Noch günstiger als bei Auktionen gibt es im Glücksfall ein Mallorca-Zuhause bei den laufenden und geplanten Immobilien-Verlosungen. Ende Juni hatte ein Österreicher ein Haus für 99 Euro in Palmas Stadtviertel El Terreno gewonnen. Insgesamt hatten die Eigentümer Andrea und Christian Gibler – ebenfalls Österreicher – laut eigenen Angaben 15.999 Lose verkauft. Die Ziehung fand vier Monate nach dem Start der Aktion in Wien statt. Die Verlosung war nach österreichischem Recht durchgeführt worden, dort sind Hausverlosungen laut Auskunft von Juristen unter bestimmten Voraussetzungen legal.

In Deutschland sind Hausverlosungen hingegen illegal, in Spanien sind sie laut Experten nur mit hohen Steuervorauszahlungen und unter komplizierten Bedingungen möglich. „Die Vorkosten sind zu hoch“, sagt Christian Lischke. Auch der deutsche Betreiber eines Restaurants in Artà wollte seine Finca in Costa de los Pinos per Internet-Verlosung abstoßen. Doch angesichts der Schwierigkeiten gab er vor wenigen Tagen auf. Lose seien keine verkauft werden. Auch ein Ehepaar mit einer Finca in Cala d‘Or brach die angekündigte Verlosung angesichts der Auflagen wieder ab. Lose für Mallorca-Immobilien gibt es dennoch weiterhin: So steht Anfang Dezember die Ziehung des Gewinners von Heiner Fabrys Finca in Kitzbühel an (www.finca-verlosung-mallorca.com). Das Anwesen bei Son Macia mit fünf Apartments, einem Gästehaus und einer Eigentümerwohnung ist laut Gutachten 1,9 Millionen Euro wert. Um diese Summe und die umfangreichen Werbekosten zu erreichen, muss Fabry rund 26.000 Lose für 99 Euro verkaufen, knapp 1.000 sind schon weg.

Während Fabry ebenfalls das österreichische Modell anwendet, haben Monika und Detlef Stübe eine Lösung über eine Firma auf Zypern gefunden. Auf www.hausverlosungmallorca.com bieten sie ihre Meerblick-Villa in Santa Ponça an. Wegen der rechtlichen Vorgaben bekommen die Loskäufer bei ihnen neben einer Nummer auch drei E-Books geliefert. Gleich drei Immobilien will demnächst Peter Brucha anbieten, in den nächsten Tagen soll www.ChaletLotto.net mit einem Haus in Cala Millor online gehen. Lose kosten 65 Euro.

Inzwischen wird auf Mallorca auch die erste Immobilie nach spanischem Recht verlost. Das Unternehmen Taylar Balears erledigte für eine Drei-Zimmer-Wohnung in Campanet die notwendigen umfangreichen Formalitäten, die Balearen-Regierung hat die Aktion mit Losen in Höhe von 23 Euro offiziell genehmigt.

Schnäppchen gibt es schließlich auch bei der auf Insolvenzen und Notverkäufe spezialisierten Firma Insolvenz Europe. Interessenten können sich über einen Newsletter (www.insolvenz-europe.com) über besonders günstige Mallorca- Objekte informieren.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem

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- Neue Unesco-Kandidaten: Tramuntana und Sibil·la

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