Immobilien- Markt Mallorca: Das Ende des Tunnels fest im Blick

11.05.2015 | 14:09
Da ist Licht: Doch wie schnell sind wir da?
Da ist Licht: Doch wie schnell sind wir da?

"Fahren Sie mal durch Campos", sagt ein bekannter Immobilienunternehmer der Insel. „Dort steht eine Bauruine neben der anderen." Keine Frage, Spaniens Immobi­lienmarkt ist weiter im freien Fall. Was vielerorts mit dem bloßen Auge zu erkennen ist, bestätigt auch eine Studie des spanischen Wohnungsministeriums, laut der die Verkäufe im ersten Halbjahr 2009 um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr weiter eingebrochen sind. Der Rückgang auf den Balearen wird sogar mit 43,5 Prozent beziffert.

Doch während der einheimische Markt weiter schrumpft, vermelden die internationalen Firmen für Immobilien auf Mallorca wieder Licht am Ende des Tunnels. Zugegeben: Der Markt ist unberechenbarer als früher, bestimmte Käufergruppen schwächeln, die Nachfrage im unteren Preissegment ist gesunken, Preisnachlässe sind an der Tagesordnung – doch es ließen sich auch wieder gute Geschäfte machen, so die einhellige Meinung in der Branche.

„Wir glauben, dass die Talsohle durchschritten ist", sagt Nicole Rose von Engel & Völkers in Port d´Andratx, wo in diesen Tagen auch das zehnjährige Bestehen der ersten Mallorca-Filiale gefeiert wird. „Die meisten Kaufinteressierten haben im Laufe des Sommers begriffen, dass Mallorca seine Preise hält." Nun warte man darauf, dass sich die Banken voraussichtlich ab Oktober freigiebiger bei den Krediten zeigten.

„Auch bei Objekten bis zu einer Million Euro ist wieder ein bisschen Bewegung", hat Bernd Katzmarcik, General Manager bei Kühn & Partner, festgestellt. Teurere Projekte seien ohnehin weniger von der Krise betroffen gewesen. Am schwächsten zeige sich weiterhin das Segment von Immobilien im Wert zwischen 300.000 und 600.000 Euro.

Das sieht Immobilienunternehmer Lutz Minkner ähnlich. Der gesamte Bereich bis zu einer Million Euro sei weiterhin problematisch. „Das ist der deutsche Mittelstand." Diese Zielgruppe sei zwar weiterhin an Mallorcas Immobilenmarkt interessiert, aber andere Dinge wie zum Beispiel die Ausbildung der Kinder hätten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eben Priorität. Anders im Bereich ab 2,5 Millionen Euro, da laufe es wie geschmiert. Das Who´s who der deutschen Wirtschaftselite gebe sich die Klinke in die Hand.

Heidi Stadler von First Mallorca spricht dagegen von einer „wellenförmigen Bewegung" bei der Nachfrage nach Mallorca-Immobilien. Eine allmähliche Normalisierung sei in ihrem Unternehmen in allen Preissegmenten und nicht nur im Topsegment zu beobachten.

Vor einem Jahr sah die Lage ganz anders aus. Der Ausbruch der internationalen Finanzkrise hat sich ins Gedächtnis eingebrannt. Drei Deals mit einer Investitionssumme von insgesamt 25 Millionen Euro seien mit einem Schlag geplatzt, erinnert sich Heidi Stadler. Sie spricht von einem Umsatzrückgang von insgesamt 20 bis 25 Prozent – allerdings ausgehend von einem hohen Niveau. „2008 war ein Wahnsinnsjahr – bis September." Letztendlich sei nur eine Stelle bei First Mallorca nicht neu besetzt worden, die restlichen 42 Jobs seien erhalten geblieben.

„Das war im Herbst schon sehr dramatisch", sagt auch Minkner, der vor allem die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe kritisiert. Man habe die Fixkosten um 30 Prozent senken müssen. „Die Maßnahmen haben ab Januar gegriffen, und ab Februar ging es wieder richtig gut los." Beim Personal habe es wenig Abstriche gegeben, „wir haben uns nur von denen getrennt, die nichts geleistet haben", so Minkner.

Auch bei Engel & Völkers ist von einem Umsatzrückgang von rund 20 Prozent die Rede – vor allem wegen der Zurückhaltung im britischen Markt. Waren vorher Objekte im Wert von 1,5 Millionen Euro die Regel, bleibe es nun oft bei 500.000 Euro, sagt Rose. Die Lücke werde jetzt von deutschen Käufern ausgefüllt. Ebenso wenig ging die Krise an Kühn & Partner spurlos vorüber: Katzmarcik beziffert den Umsatzrückgang auf rund 20 Prozent.

Das hat Folgen für die Kaufpreise. Rose von Engel & Völkers spricht von „Preisanpassungen" von maximal zehn Prozent, betont aber, dass Schnäppchenjäger keine Chance hätten. Nach Einschätzung von Katzmarcik von Kühn & Partner wie auch Lutz Minkner sind bei britischen Käufern Nachlässe von 15 bis 20 Prozent möglich, bei deutschen Verkäufern in der Regel maximal zehn Prozent. „Es ist zurzeit ein Käufermarkt", sagt auch Stadler von First Mallorca: „Ganz selten" werde derzeit der volle Preis gezahlt, denkbar sind zehn bis zu 35 Prozent Nachlass, „es können sogar auch 40 Prozent sein". Solche Schnäppchen gebe es aber nur eine Handvoll. Ihr Tipp: Ein ehrliches Angebot unterbreiten und sich an den Preis heranpirschen.


In der Printausgabe lesen Sie außerdem
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