Der Rote Thun braucht ein Schutzgebiet

Die Zukunft des vom Aussterben bedrohten Tiers hängt stark von einem Fangstopp in den beiden weltweit wichtigsten Laichgebieten im Mittelmeer ab – eines davon befindet sich rund um die Balearen

11.11.2009 | 18:28
 Die Grafik zeigt die Schwerpunkte des Laichgebiets. Die Größe der Kreise benennt die Menge der dort in mehreren Jahren durchschnittlich aufgebrachten Thunfischlarven. Die Farbe des Wassers zeigt den Salzgehalt.
Die Grafik zeigt die Schwerpunkte des Laichgebiets. Die Größe der Kreise benennt die Menge der dort in mehreren Jahren durchschnittlich aufgebrachten Thunfischlarven. Die Farbe des Wassers zeigt den Salzgehalt.

Am liebsten würde man ihm sagen: „Nein, komm nicht hierher", aber dem vom Aussterben bedrohten atlantischen Roten Thunfisch (Thunnus thynnus) ist der Ort seiner Eiablage wohl in seine Gene geschrieben. Die Treue zu den Laichgebieten im Mittelmeer ist sein Verhängnis. Jedes Frühjahr ziehen die ansonsten im Atlantik lebenden bis zu drei Meter großen und mehrere 100 Kilo schweren Fische in Schwärmen durch die Meerenge von Gibraltar in den Süden, vorbei an der andalusischen Küste, wo seit Jahrhunderten Fischer mit der traditionellen Methode der almadraba einzelne Exemplare mit Reusen einfangen. Dann geht es hinauf zu den Balearen und in den zentralen Mittelmeerraum zwischen Sizilien, Tunesien und Libyen. Die beiden Gegenden sind die weltweit wichtigsten Laichgebiete des Roten Thuns. „Ein Fischweibchen legt 90 Millionen Eier ab, aber davon überleben nur ein paar Dutzend", erläutert Meeresbiologe Francisco Alemany vom Instituto Español de Oceanografía (IEO) in Palma.

Alemany verfolgt die Entwicklung des Laichgebiets vor der Haustür seit Jahren. „Ab Mitte Juni legen die Weibchen hier Eier ab. Die letzten findet man noch im September. Aber die Hoch-Zeit ist etwa von Mitte Juni bis Mitte Juli. Ein einzelner Fisch bleibt ungefähr zwei Wochen hier und laicht alle ein bis eineinhalb Tage, dann schwimmt er wieder zurück." Offenbar schätzt der Thunfisch an dem Gebiet um die Balearischen Inseln den Zusammenfluss des Wassers aus dem Atlantik mit dem stärker salzhaltigen Wasser des Mittelmeers. Alemany hat auch herausgefunden, dass der Fortpflanzung des Thuns wärmere Temperaturen zugute kommen.

Aber, wie gesagt, das Laichgebiet des Thuns ist auch der Ort seines Verderbens. Denn dort, wo die Fische, für die extrem hohe Preise bezahlt werden, für wenige Wochen zu Tausenden zusammenkommen, kann man sie am besten fischen. Auf Thunfischfang spezialisierte Boote legen dort für einige Wochen kilometerlange Ringwadennetze aus, denen kaum ein Fisch entkommen kann, und bringen sie dann in Mastfarmen, wo sie schließlich auch erlegt werden.

In der Vergangenheit waren die Flotten hauptsächlich rund um die Balearen aktiv. Weil aber dort der Bestand immer mehr zurückging, konzentriert sich die Flotte, darunter viele französische und italienische Boote, mittlerweile auf das zweite wichtige Laichgebiet weiter östlich. „Heute werden rund um die Belearen nur noch fünf Prozent des Thunfischs gefangen. Hierher kommen sechs Boote von zwei spanischen Unternehmen aus ­Tarragona und Murcia, sie halten die vorgegebene Quote ein, fangen nur Fische ab dem Mindestgewicht von 30 Kilo und lassen Wissenschaftler an Bord", versichert Alemany. Er betont das legale Vorgehen der spanischen Fischer, denn der lukrative Thunfisch-Sektor ist bekannt dafür, die von der Internationalen Thunfisch-Kommission (ICATT) vorgegebenen Höchstfangmengen mit illegalen Fängen stets weit zu überschreiten. „Die offiziell deklarierte Einfuhrmenge in Japan war schon einmal höher als die weltweit erlaubte Fangmenge."

Umweltschutz-Organisationen wie auch die Balearen-Regierung setzen sich bereits seit Jahren für ein Verbot des Thunfisch-Fangs mit industriellen Methoden bei der Zentralregierung in Madrid ein. Das Laichgebiet des Thuns rund um die Inseln liegt zum Teil im Hoheitsgebiet der Zentralregierung und zum Teil in internationalem Gewässern. Für die tatsächliche Umsetzung eines santuario kann daher nur die ICATT sorgen. „Aber wenn die spanische Regierung sich dafür aussprechen würde, wäre das schon ein sehr wichtiger Schritt", sagt Patricia Arbona, die Leiterin der balearischen Fischereibehörde. Davor schreckte Madrid aber bislang zurück. Auch der Forscher Alemany fordert die Einrichtung eines Fangverbots auf den Balearen, betont aber gleichzeitig die relativ geringe Bedeutung des Gebiets für den Gesamtbestand des Thunfischs. „Wirklich sinnvoll wäre das vor zehn Jahren gewesen."

Tatsächlich haben sich die Bestände rund um die Balearen – auf sehr niedrigem Niveau – sogar schon leicht erholt. „Mehrere voneinander unabhängige Studien deuten darauf hin", sagt Alemany. Er geht davon aus, dass die starke Reduzierung der Flotte der Grund dafür ist. Ähnliches müsste auch in dem zweiten großen Laichgebiet zwischen Sizilien und Libyen geschehen. „Darauf müsste die Aufmerksamkeit gelenkt werden. Es würde auch schon viel bringen, auf die Einhaltung der bestehenden Gesetze zu achten und gegen die illegale Fischerei zu kämpfen."

Alemany macht auch auf die Gewinner und Verlierer eines zeitweisen Handelsverbots aufmerksam, über das die EU-Staaten derzeit diskutieren und über das im März 2010 in Katar entschieden werden soll. „Der weltweit größte Händler im Thunfischmarkt, der Konzern Mitsubishi, der riesige Mengen an Thunfisch auf Vorrat eingefroren hat, könnte dann als weltweiter Monopolist die Preise in ungeahnte Höhen treiben." Auf ihre Einnahmen verzichten müssten dann aber nicht nur die Ringwadennetz-Fischer, die mit der industriellen Methode die Bestände auf das heutige Minimum dezimiert haben, sondern auch die Fischer, die einzelne Thunfische mit der traditionellen, auch von Umweltschützern als für den Fischbestand wenig bedrohlich angesehenen, almadraba einfangen. An der spanischen Südküste leben bis heute mehrere hundert Fischer davon.

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