Freizeitangler: Die unbekannte Größe

Auch Freizeitangler spielen bei der Überfischung eine Rolle. Doch genaue Zahlen über die Auswirkung des Hobbys auf die Fischbestände gibt es nicht

17-12-2009  
Rund 50.000 Insulaner haben einen Angelschein und werfen sowohl im Sommer als auch im Winter ihre Köder aus.
Rund 50.000 Insulaner haben einen Angelschein und werfen sowohl im Sommer als auch im Winter ihre Köder aus.  Foto: Nele Bendgens

KARL-HEINZ EIFERLE Die Meere werden zunehmend von den professionellen Fischern leer gefischt. Das ist bekannt. Aber die Berufsfischerei ist nicht allein für den desolaten Zustand der Fischbestände verantwortlich. Auch die Hobby- und Sportfischer ziehen pro Jahr beträchtliche Mengen aus dem Meer und verschärfen die ohnehin schon prekäre Lage. Weltweit, so die Schätzung von Umweltgruppen und Meeresbiologen, werden jährlich 90 Millionen Tonnen Fisch von Freizeitanglern gefangen. Im Jahr 1900 seien es noch etwa 4 Millionen Tonnen gewesen. Aber letztlich wisse man über die tatsächlich gefangenen Mengen nicht viel, da die Hobbyfischer – im Gegensatz zu den Berufsfischern – ihre Fänge nicht deklarieren müssen. Das ist auf den Balearen nicht anders.

50.000 Menschen sind auf den vier Inseln im Besitz eines Angelscheins, die meisten davon fischen in mallorquinischen Gewässern. Auch die rund 3.500 für die Hobbyfischerei lizenzierten Boote stechen überwiegend von mallorquinischen Häfen aus in See. Und die Dunkelziffer zu Wasser und an Land ist hoch.

Allein auf Mallorca, so die Einschätzung der Umweltschutzgruppe GOB, würden pro Jahr von Hobbyfischern 30 bis 50 Prozent der Fischmenge aus dem Meer gezogen, die die professionellen Fischer anlandeten. Dies wären immerhin bis zu 2.000 Tonnen Fisch. Dieser Einschätzung stimmt auch der Generalsekretär des balearischen Fischereiverbands zu. Laut Antonio Garau stellen die Hobbyfischer eine völlig unbekannte Größe dar. Niemand wisse genau, wie viel die Freizeitangler fangen. Vielleicht sei es ja sogar noch deutlich mehr als die Berufsfischer.

Um Genaueres zu erfahren, ist im April dieses Jahres von der Balearen-Regierung und dem Meeresforschungsinstitut Imedea mit einer Dreijahresstudie begonnen worden. Ziel der Erhebung ist es, präzise Daten über die Fangmengen und die Auswirkungen der Hobbyfischerei auf das Ökosystem zu gewinnen. Auch darüber, welche Fischarten bevorzugt gefangen werden und was dies für deren Bestände bedeutet.

Im balearischen Agrar- und Fischereiministerum, das für die Ausgabe der Angelscheine und die mit der Hobbyfischerei verbundene Problematik zuständig ist, sieht man keinen akuten Handlungsbedarf. Der komplette Sektor sei gesetzlich bis ins Detail geregelt und die einzelnen Vorschriften auch jedem Angler bekannt. So sei die Fangmenge pro Angler auf maximal fünf Kilo täglich begrenzt, und es dürften nicht mehr als sechs Haken an einer Angel befestigt werden. Auch sei klar definiert, welche Arten gefangen und welche Mindestfanggrößen nicht unterschritten werden dürften. Außerdem dürfe nicht überall gefischt werden, und die Meeresschutzzonen würden seit Jahren von den Kollegen des balearischen Umweltministeriums ausgeweitet, heißt es.

„Im Prinzip", sagt Antonio Muñoz vom GOB, „ist das ja alles richtig und lobenswert." Aber was nützen die besten Gesetze, wenn sie von den Fischern nicht beachtet werden, weil ihre Einhaltung von den Behörden mangels Personal und Mitteln so gut wie nicht überwacht werde? Und dies gelte auf den Balearen sowohl für die Hobby- als auch für die Berufsfischerei. „Uns ist bekannt, dass vor allem Taucher bei ihren Unterwasserjagden besonders wertvolle und auch in ihrer Existenz gefährdete Tiere harpunieren und diese an Restaurants verkaufen." Dabei ist der Handel mit harpunierten Fischen streng verboten.

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