Schwierige Stellensuche auf Mallorca

Die Arbeitslosigkeit auf der Insel ist doppelt so hoch wie in Deutschland. Vor allem Insel-Neulinge mit geringen Sprachkenntnissen tun sich mit dem Berufseinstieg deutlich schwerer als noch vor wenigen Jahren.

14-01-2010  
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Mehr Gesuche als Angebote: Die Jobsuche auf Mallorca erfordert Geduld.
Mehr Gesuche als Angebote: Die Jobsuche auf Mallorca erfordert Geduld. Bendgens

FRANK FELDMEIER Stefanie Schöller sucht gleich zwei Jobs – einen für ihren mallorquinischen Freund, einen für sich selbst. „Suche dringend Arbeit im Nordosten. Auch tageweise. Bitte alles anbieten“, heißt es in der Annonce in der Mallorca Zeitung, mit der ihr Freund wieder in Lohn und Brot kommen soll. Der gelernte Koch hat zuletzt auf dem Bau gearbeitet, die 41-jährige Deutsche (Name v. Red. geändert) als Fremdsprachensekretärin.
„Ich spreche perfekt Spanisch und beherrsche auch Mallorquinisch“, sagt Schöller. „Aber mittlerweile können viele auf Mallorca drei Sprachen und bringen nebenbei noch eine andere Qualifikation mit.“ Das sei noch anders gewesen, als sie Mitte der 90er Jahre auf die Insel gekommen war. Jetzt reiht sie sich ein in die wachsende Zahl der Arbeitslosen auf den Balearen, die im Dezember erneut gestiegen ist.

Besonders Einwanderer aus Ländern außerhalb der EU lassen die Arbeitslosenstatistik anschwellen – Ausländer ohne Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung nicht mitgerechnet. Aber auch EU-Ausländer haben es schwerer, eine Stelle zu finden. Von den derzeit rund 91.000 offiziell gemeldeten Arbeitslosen sind mehr als 26.000 Nicht-Spanier. Von ihnen stammen immerhin 9.430 aus dem EU-Ausland. Die einzelnen Herkunftsländer werden in der Statistik des balearischen Arbeitsministeriums nicht erfasst – schließlich gebe es auch keine Sonderbehandlung, wie eine Sprecherin betont.

Eine Arbeitslosenquote wird offiziell nicht ausgewiesen, der Anteil der Menschen ohne Arbeit ist aber mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. „Es ist härter geworden“, bestätigt Job-Agentin Doris Stangier. „Gerade für Bewerber aus dem europäischen Ausland ist es schwierig unterzukommen.“ So machten Arbeitgeber bei den Sprachkenntnissen der Bewerber in der Regel keine Kompromisse mehr. Bei Büro-Jobs heißt das: Deutsch, Englisch, Spanisch, fließend bitte in Wort und Schrift, berichtet Stangier. Habe sie Bewerbern früher noch mehr als ein Dutzend mögliche Arbeitgeber für ein Vorstellungsgespräch vermitteln können, seien Stellen im administrativen Bereich gerade im vergangenen Jahr dünn gesät
gewesen.

Bessere Chancen hätten derzeit noch Akademiker. Allerdings setzten viele Arbeitgeber voraus, dass die Bewerber schon auf der Insel lebten und nicht erst den Umzug nach Mallorca und das Einleben in der Insel-Gesellschaft meistern müssten. Zumindest werde vorausgesetzt, dass die Kandidaten bereits Auslandserfahrung mitbrächten. Die Schwierigkeiten bekommen vor allem Insel-Neulinge zu spüren. „Es braucht eine Menge Geduld“, sagt beispielsweise ein 46-jähriger gelernter Schlosser, der mit seiner Frau vor vier Monaten aus dem Ruhrgebiet nach Mallorca gekommen ist, um hier einen beruflichen Neustart zu versuchen. „Allrounder, Technik, Handwerk“, lautet das Berufsprofil in seiner Stellen-Annonce. Gelernte Handwerker waren in der Vergangenheit immer gefragt. Doch bisher habe die Suche noch nichts ergeben, berichtet der Deutsche, weder für ihn noch für seine Frau. „Ein Jahr haben wir uns Zeit gegeben, dann gehen wir wieder.“

In der internationalen Stellenbörse auf der Website der Arbeits­agentur in Deutschland sind Angebote für gelernte Handwerker mit Arbeitsort Mallorca die Ausnahme – im Gegensatz zu früher. Auch Stellen für Köche sind rar geworden. Aufgeführt sind derzeit nur rund 30 Jobangebote, darunter vor allem Callcenter, Saisonstellen für Animateure oder Hausmeister- und Hauswirtschaftsstellen. Jobs und Perspektiven auf Mallorca gebe es aber auch in der Krise, betont Jobvermittlerin Stangier. Sie hofft auf eine Belebung des Arbeitsmarktes auf der Insel im neuen Jahr: „Ich habe erstaunlicherweise schon zwischen den Feiertagen die ersten Anfragen von Arbeitgebern hereinbekommen.“

Info:
Auch ausländische Arbeitslose haben Anspruch auf Arbeits­losengeld – falls sie lange genug in die Sozialversicherung eingezahlt haben. Zuständig ist das spanische Arbeitsamt INEM (Instituto Nacional de Empleo). Um die Arbeitsvermittlung kümmert sich dann die balearische Behörde zur Arbeitsvermittlung SOIB (Servei d‘Ocupació de les Illes Balears). Ausschlaggebend für den Anspruchszeitraum sind die vergangenen sechs Jahre – je länger eingezahlt wurde, desto länger besteht Anspruch auf Hilfe. Wer weniger als die vorgeschriebenen 360 Tage eingezahlt hat, bekommt statt des Arbeitslosengelds (prestación de desempleo) Arbeitslosenhilfe (subsidio de desempleo). Nach Ablauf der Leistungen (maximal zwei Jahre) bestehen keine Ansprüche mehr – Betroffene ohne sonstige Einnahmen können dann allenfalls bei der Balearen-Regierung noch eine Hilfe von 400 Euro im Monat beantragen.

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