Zeit für Schnäppchen

Besonders im niedrigen und mittleren Segment fallen die Immobilienpreise weiter. Da kostet ein Dorfhaus schon mal 140.000 Euro statt 200.000 Euro

11-02-2010  
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Welches Objekt darf´s denn sein? Immobilien-Verkäufer sind verhandlungsbereiter als früher.  Foto: Bendgens
Welches Objekt darf´s denn sein? Immobilien-Verkäufer sind verhandlungsbereiter als früher. Foto: Bendgens Bendgens

SILKE DROLL Das mallorquinische Dorfhaus mit Patio stand schon seit über einem Jahr zum Verkauf. Rosa und Iñaki (Namen geändert) hatten sich an das „Se vende"-Schild schon fast gewöhnt, bis sie sich doch dazu entschlossen, die renovierungsbedürftige Immobilie in Binissalem zu besichtigen. „Wir wollten gar nicht unbedingt etwas kaufen und nur bei einer wirklich günstigen Gelegenheit zuschlagen", erzählt Rosa. Der Eigentümer verlangte 200.000 Euro, Rosa und ihr Mann boten 130.000 an. Nach ein paar Tagen einigten sie sich auf 140.000 Euro als Kaufpreis. Kurz vor Weihnachten unterzeichnete das spanische Paar den Vertrag. „Ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass der Preis so weit nach unten gehen würde", staunt Rosa selbst über ihr Schnäppchen.

Die Immobilienmakler auf der Insel bestätigen, dass sich derzeit vor allem bei Wohnungen und Häusern im niedrigen und mittleren Preissegment deutliche Rabatte aushandeln lassen. „Man kann auf jeden Fall Schnäppchen machen. Es werden zwar immer noch ähnliche Preise ausgeschrieben wie vor der Wirtschaftskrise. Aber der Verhandlungsspielraum ist größer", sagt Christian Pfleger, Inhaber der Immobilienagentur
Europalma. Durchschnittlich 15 bis 20 Prozent gehe der Preis nach unten, im Einzelfall aber noch deutlich tiefer.

So verkaufte Pfleger etwa eine für 400.000 Euro ausgeschriebene Altstadtwohnung in Palma kürzlich für 300.000 Euro. Insgesamt läuft das Geschäft aber weiterhin eher stockend. „In diesem Jahr haben wir bisher lediglich zwei Wohnungen verkauft", sagt Pfleger. Weniger zu tun als zu Boom-Zeiten habe er deswegen aber nicht. „Es wird viel mehr geguckt. Die Leute treffen keine Entscheidung. Um eine Wohnung zu verkaufen, muss man mit viermal so viel Besichtigungen wie früher rechnen."

Das veränderte Kundenverhalten bestätigt auch Monika Datz von Immobilien Dahoff in Llucmajor, die vor allem Fincas zwischen 200.000 bis 700.000 Euro im Angebot hat. Zu ihren Kunden zählen insbesondere Deutsche, die auf die Insel ziehen oder hier einen Zweitwohnsitz suchen. Allerdings hätte mancher Interessent seine Entscheidung auch schon zu lange hinausgezögert. „Dann war die Finca weg." Datz warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen. „Die Leute denken, Häuser für 460.000 Euro bekomme man jetzt für 260.000 Euro. Das geht natürlich nicht." Preisreduzierungen um bis zu 20 Prozent seien aber mittlerweile durchaus üblich, sagt auch sie.

Oft misst sich das Schnäppchen auch nicht am Preisnachlass, sondern an der Differenz zum Preis, den der Verkäufer einmal für die Immobilie bezahlt hat oder daran, was gleichwertige Immobilien im Umfeld kosten. „Wir haben für unsere Wohnung 200.000 Euro bezahlt, unser Nachbar nebenan hat die gleiche und will dafür 280.000 Euro", erzählt Doris (Name geändert). Vor wenigen Wochen zog die Deutsche mit ihrem mallorquinischen Mann in ihre neue Dachterrassen-Wohnung in der Küstensiedlung Sa Torre. Der frühere Eigentümer, ein Kleinunternehmer und Krisenopfer, war unter Druck geraten. „Er musste dringend verkaufen."

Makler berichten auch von Meerblick-Dachwohnungen in Andratx und Alcúdia, die für 500.000 Euro angeboten und schließlich für 350.000 Euro verkauft wurden. In Port de Sóller sank der Preis von 300.000 Euro für Neubauwohnungen auf 216.000 Euro. Günstige Wohnungen gibt es derzeit auch bei Banken zu kaufen. Denn wer seine Hypothek nicht mehr bezahlen kann, muss seine Immobilie dem Kreditinstitut überlassen. Die Quadratmeterpreise der Wohnungen von Sa Nostra und La Caixa liegen dabei oft weit unter dem Durchschnittspreis von 2.025 Euro pro Quadratmeter. Allerdings haben die Banken gleichzeitig die Eingangszahlung für die Kredite erhöht. „Um eine Wohnung für 250.000 Euro zu kaufen, braucht man mindestens 50.000 Euro Erparnisse. Und wer hat die schon", sagt Maklerin Paulin Close.

Bedeutend besser, so heißt es, läuft es im Luxus-Segment. Die Agentur First Mallorca berichtet von neun Verkaufsabschlüssen mit Preisen bis zu zwei Millionen Euro im Januar. Wer seine bereits beschlossene Kaufentscheidung aufgeschoben habe, schlage jetzt bei den attraktiven Preisen zu, berichtet Geschäftsführer Robert Maunder in einer Pressemitteilung. Deswegen sei es auch keine Übertreibung zu sagen: „Jetzt ist der Moment, um auf Mallorca zu investieren."

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