Shoppingmeile im Umbruch

In der Altstadt von Palma de Mallorca sind internationale Marken auf dem Vormarsch. Die kleinen Läden wollen sich mit ihnen verbrüdern - um gegen Einkaufszentren auf der grünen Wiese und die Konkurrenz aus China zu bestehen

23-12-2010  
Neuzugang in Palmas Altstadt: Der Textilkonzern Esprit hat eine Filiale in der Carrer Sindicat eröffnet.
Neuzugang in Palmas Altstadt: Der Textilkonzern Esprit hat eine Filiale in der Carrer Sindicat eröffnet.  Foto: Sebastián Terrassa

FRANK FELDMEIER Wenn morgens zwischen 9 und 10 Uhr die Rollläden der Geschäfte in der Carrer Sindicat in Palmas Altstadt nach oben gestemmt werden, beginnt ein ungleicher Wett­bewerb. Da sind einmal die Traditionsgeschäfte, wo nicht selten die Besitzer selbst im Laden stehen, die Weihnachtsdekoration aus dem vergangenen Jahr recycelt wird und mitunter um 14 Uhr der Rollladen fällt, weil die Kinder von der Schule abgeholt werden müssen.

Und da sind mehrere Läden chinesischer Unternehmer. Hier wird zumeist ganz auf Dekoration verzichtet, es ist durchgehend geöffnet, und an Mitarbeitern zwischen den Stapeln mit Schuhkartons herrscht kein Mangel. Ein Ladenlokal weiter schließlich ist ein multinationaler Konzern vertreten – eine weitere Filiale mit global ausgeklügeltem Gestaltungskonzept, neuester Technik und durchgehenden Öffnungszeiten.

Neuester Vertreter letztgenannter Gruppe ist Esprit. Der Textilkonzern mit Sitz in Hongkong und Ratingen hat Anfang Dezember in der Carrer Sindicat eine Filiale auf zwei Etagen eröffnet. Weitere Neuzugänge in der Straße sind unter anderen der Softwareriese Apple mit seinem gleichnamigen Store, die Kosmetik-Kette Sephora und die japanische Marke Sanrio mit einem Hello-Kitty-Shop.

Die Carrer Sindicat ist neben der Carrer Sant Miquel mit die wichtigste Einkaufsstraße von Palma. Über sie geht eine Globalisierungswelle hinweg, und die verbliebenen Familienbetriebe versuchen, in dem neuen Umfeld ihre Stellung zu halten. „Wir werden immer weniger“, sagt Antoni Fuster, Vorsitzender der Einzelhandelsvereinigung Via Sindicato. Von einst 80 Mitgliedern des Verbands sind laut Fuster nur noch 30 übrig. Nur ein knappes Dutzend der insgesamt 125 Geschäfte in der Carrer Sindicato seien noch echte Familienbetriebe. Und auch diese verschwinden – spätestens wenn der Generationswechsel ansteht. Fuster betreibt zusammen mit seiner Frau das Schuhgeschäft „La Elegancia“ in vierter und wahrscheinlich letzter Generation: „Meine Kinder haben ein Studium vorgezogen.“

Es ist ein kontinuierlicher Anpassungsprozess, der durch die Wirtschaftskrise beschleunigt wird: Seit ihrem Ausbruch mussten rund 1.800 Läden auf Mallorca schließen, sagt Bernat Coll, Sprecher des Verbands kleiner und mittlerer Firmen (Pimeco). Es herrsche verschärfter Wettbewerb, in dem viele Einzelhändler versuchten, die Preise an die geringere Kaufkraft der Konsumenten anzupassen.

Trotzdem sind viele Inhaber kleiner Läden froh, wenn die großen Ketten nebenan einziehen. „Das ist mir lieber als noch ein chinesischer Laden“, sagt Fuster. Bereits ein knappes Dutzend davon zählt er in der Carrer Sindicat. Die internationalen Marken dagegen polierten das Image der Innenstadt auf und wirkten wie ein Magnet für einheimische und ausländische Shopping-Freunde. „Und was sie nicht bei Esprit finden, entdecken sie vielleicht in einem kleinen Laden in der Nähe.“

Die Handelskonzerne sind somit willkommene Verbündete. Sie sollen helfen, gegen den Donut-Effekt anzugehen, wie ihn Fuster nennt – ausgestorbenes Zentrum, Shoppingmeilen à la Porto Pi und Festival Park am Stadtrand. Wie die Abstimmung zwischen ganz Kleinen und ganz Großen funktionieren soll, hat sich eine Delegation der Einzelhändler im vergangenen Sommer in Barcelona angeschaut. Dort sind auch der galicische Modekonzern Inditex (Zara, Pull & Bear, Massimo Dutti) und die Kaufhauskette Corte Inglés dem Stadtteil-Branchenverband Barna Centre vertreten. „Barcelona macht es vor, wir müssen es nur kopieren“, so Fuster.

Vor dem Erstkontakt mit den Handelsriesen will man aber erst ein Konzept erarbeiten, und außer einem Brainstorming sei noch nicht viel passiert, wie Coll einräumt: „Wir arbeiten daran.“ Die Kontaktaufnahme ist jedenfalls nicht immer leicht: Eine MZ-Anfrage zur neuen Filiale von Esprit landete schließlich bei einer PR-Agentur in Berlin und blieb trotz mehrfacher Nachfragen unbeantwortet.

Die Vorteile einer Verbrüderung liegen für die Einzelhändler auf der Hand: Einerseits rücken die kleinen Läden in die Strahlkraft der großen Marken. Andererseits sorgen diese mit lokalen Produkten dafür, dass eine Einkaufsmeile ihren Charme und Charakter behält. Wenn man zusammenarbeite, sei es zudem leichter, darauf zu achten, wer in der Nachbarschaft einzieht.

Die großen Konzerne zwingen die kleinen Läden zudem zu Innovationen. Der Branchenverband hilft beim Aufrüsten der IT-Systeme und organisiert Kurse für Schaufenster-Gestaltung. Und auch die Ladenöffnungszeiten kommen in Bewegung. Im Umfeld der großen Marken entfalle immer öfter die mittägliche Siesta, so Coll, und auch Samstagnachmittag komme Leben in die Stadt.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem:
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