Studie der Handelskammer: Warum die Strandbars auf Mallorca zu teuer sind

Die Handelskammer hat die Preisstruktur der Insel-Strände untersucht und fordert eine bessere Regulierung durch Gemeinden und Küstenschutzbehörde

25-08-2011  
Die Gemeinden haben die Preise für die „chiringuito
Die Gemeinden haben die Preise für die „chiringuito"-Konzessionen stark erhöht. F oto: Ramón

Erst die Parkgebühr entrichten, dann Liegestuhl und Sonnenschirm mieten, später noch ein Eis, ein paar Chips oder einen Milchkaffee im chiringuito kaufen: Auch ein vermeintlich bescheidener Strandtag kann auf Mallorca schnell 20 Euro kosten. Allein eine Liege plus Schirm schlägt etwa in der Gemeinde Llucmajor mit zehn Euro zu Buche. Viele Mallorca-Fans ärgern sich über die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Preise.

Schuld daran sind vor allem die Gemeinden. Die Betreiber der chiringuitos und Liegestuhlverleihe müssen deutlich mehr als in der Vergangenheit für ihre Konzessionen an die jeweiligen Kommunen zahlen. In einigen Fällen haben sich die Abgaben an die öffentliche Hand in den vergangenen zehn Jahren sogar verdoppelt. Um weiterhin Gewinne zu erwirtschaften, seien die Preise für Speisen und Getränke, Liegen und Schirme sowie Wassersportangebote an den Stränden der Insel laut einer am Donnerstag (18.8.) veröffentlichten Studie der mallorquinischen Handelskammer erhöht worden. Die traurige Konsequenz: Nicht nur die Badegäste müssen tiefer in die Tasche greifen, auch die Attraktivität des Urlaubsziels Mallorca leidet unter der Hochpreispolitik.

Die teuersten Strände der Insel finden sich laut Handelskammer in Felanitx, Llucmajor, Campos und Ses Salines. Vergleichsweise günstig sind dagegen die besonders gut besuchten Strände in den Gemeinden Muro, Santa Margalida, Calvià und Palma. Die günstigste Liege-Schirm-Kombi gibt es für 4,70 Euro in Alcúdia. Der Durchschnittspreis auf der Insel liegt dafür bei 7,60 Euro. Die Gewinne fallen dabei höchst unterschiedlich aus. Die Handelskammer schätzt, dass eine einzige Kombi (Liege plus Schirm) an einem Strand in der Gemeinde Felanitx 496 Euro pro Jahr einbringt, während der Konzessionär in Manacor dafür nur 92 Euro verbuchen kann.

Die Handelskammer verglich die chiringuitos anhand der Preise für Milchkaffee, Kartoffelchips, eine Halbliterflasche Wasser und einen Hamburger. Ergebnis: Am teuersten trinkt und speist man an den Stränden in Ses Salines, am günstigsten in Capdepera. Auch beim Tretbootfahren variieren die Preise stark. So kostet eine Stunde in Andratx 9 Euro, in Alcúdia 15 Euro (dafür sind dort die Liegen billiger).

Schwierig wurde es für die Verfasser der Studie, die Gewinne der mallorquinischen Strand-Konzessionäre zu ermitteln. So müssen in den Gemeinden in unterschiedlicher Höhe Steuern gezahlt werden und nicht alle Strandbars übernehmen auch Aufgaben
wie Müllbeseitigung oder Badesicherheit. Die Handelskammer aber schätzt, dass in einem Sommer auf Mallorca durchschnittlich 11,4 Millionen Euro eingenommen werden. Von den Einnahmen profitieren neben den Betreibern auch das Finanzamt und die Gemeinden. Die Kommunen, die die Konzessionen für Strandbars und Liegenverleihe vergeben, nehmen jährlich durchschnittlich 18,2 Millionen Euro ein. Mit 3,45 Millionen Euro jährlich fallen die Strandeinkünfte der Gemeinde Alcúdia im inselweiten Vergleich am höchsten aus.

Die Handelskammer kritisiert vor allem die starken Unterschiede der Preise an Mallorcas Stränden. Sie empfiehlt eine Angleichung, um den Eindruck von Wucherpreisen zu entkräften. Die Verfasser der Studie kommen außerdem zu dem Schluss, dass in dem aktuellen System oftmals die Sauberkeit an den Stränden leide. Weil die nur im Sommerhalbjahr betriebenen chiringuitos mit der Müllbeseitigung beauftragt sind, sammele sich im Winter der Unrat an der Küste.

Den Gemeinden empfiehlt die Handelskammer, die Konzessionen für Betriebe am Strand nicht nur für eine Saison, sondern für mehrere Jahre zu vergeben. Wünschenswert seien außerdem genauere Vorgaben der Küstenschutzbehörde, ein entsprechendes Handbuch für die Gemeinden und eine einheitliche Software, in der die Kommunen ihre Strand-Konzessionen gegenüber der Küstenschutzbehörde darstellen. So sollen die Angebote besser reguliert und Preise am Strand gesenkt werden.

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