Festival Park: US-Investoren schnappen sich Mallorcas Konsumdorf

In zehnten Jahr seines Bestehens befindet sich der Festival Park in der Gemeinde Marratxí im Umbruch. Die neuen Besitzer wollen den Anteil internationaler Marken und Kunden weiter erhöhen

05-01-2012  
Ein Kino-Center, mehr als 30 Ladenlokale und rund 20 Restaurants: Festival Park an der Autobahn Palma-Inca
Ein Kino-Center, mehr als 30 Ladenlokale und rund 20 Restaurants: Festival Park an der Autobahn Palma-Inca Foto: Bendgens

FRANK FELDMEIER Nike, Bowling, Grill-Restaurants – US-amerikanisch wirkte der Festival Park auf Mallorca in vielen Bereichen auch bislang schon. Jetzt gehört das Einkaufs- und Vergnügungszentrum an der Inca-Autobahn auch offiziell Investoren aus den USA: Der bisherige Besitzer, der australische Immobilien-Fonds APN Property Group, hat den Festival Park an die Fondsgesellschaft Varde verkauft.

Zu einem sehr günstigen Preis, wie Geschäftsführer Juan Gongora sagt: Im Paket mit drei Zentren ähnlichen Typs auf dem Festland wurde die 34.400 Quadratmeter große Anlage für einen Gesamtpreis von 70 Millionen Euro abgestoßen. Dabei hatten die Australier in der Zeit des Immobilien-Booms in die vier Shopping-Parks 220 Millionen Euro investiert. „Ein Schnäppchen", so Gongora. „Allein der Festival Park ist mehr wert." Doch da die Investoren ihre Kredite nicht bedienen konnten, habe die Bank of Scotland auf dem Verkauf bestanden.

Dabei laufe es im Festival Park trotz Krise nicht schlecht. Gongora spricht von einem regelrechten Boom: „2011 haben wir mit fast vier Millionen Besuchern einen neuen Rekord aufgestellt." Gezählt würde mit einem verlässlichen Laser-System. Im neunten Jahr seines Bestehens konnte der Festival Park zudem prominente Neuzugänge vermelden, zuletzt ein Outlet-Center der Kaufhauskette El Corte Inglés.

Wenn in den vergangenen Monaten die Scheiben zahlreicher leer stehender Ladenlokale dezent mit bunten Folien beklebt wurden, habe das vor allem an dieser Umstrukturierung gelegen, so der Geschäftsführer. Allein für den Corte Inglés habe man 2.400 Quadratmeter freigeräumt. Eine Einkaufspassage mit vielen kleinen Geschäften ist verschwunden. Ihnen trauert Gongora nicht nach, sie hätten sich wenig an Öffnungszeiten gehalten und kaum Umsatz gemacht. „Der Corte Inglés verkauft in einer Woche mehr als die im ganzen Jahr."

Auch Kettenrestaurants an der Hauptstraße des Retorten-Dorfes mussten weichen. Mit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise habe sich das gastronomische Angebot als zu umfangreich erwiesen, so der Geschäftsführer. Stattdessen hat dort nun im Oktober die ausgeflippt-exklusive Modekette „Desigual" ein Outlet eröffnet. Verschwunden sind auch die Marktstände, die El Corte Inglés störten, sie beziehen nun die Vorhalle des ehemaligen Reptilariums. Dieses allerdings steht weiterhin leer, ein Mieter ist nicht in Sicht.

Die Marschrichtung lautet: Mehr bekannte Marken und auch mehr internationale Kunden. Bislang liege deren Anteil bei zehn Prozent, die meisten von ihnen seien Deutsche. Dabei sei der Festival Park bei den Urlaubern oftmals nur Alternativprogramm für schlechtes Wetter. Besonders die Konsumfreude von Mietwagen-Touristen schätzt Gongora. Es zeige sich, dass viele Marken bei den ausländischen Touristen bekannter seien als in Spanien.

Allerdings passen nicht alle große Marken ins Konzept. Dass der spanische Global Player Inditex (Zara, Pull&Bear, Massimo Dutti) bislang nicht vertreten ist, begründet Gongora damit, dass die Modekette nur wenig mit Outlets anfangen könne – ein Konzept, das praktisch alle Läden im Festival Park verfolgen und das weiter gestärkt werden soll. Unter den Einheimischen nimmt das Zentrum vor allem junge Paare und Familien ins Visier, nicht umsonst gibt es den Monkey Park, mit 1.100 Quadratmetern der größte betreute Kinderspielbereich auf der Insel.

An der inhaltlichen Ausrichtung dürfte sich auch unter den neuen Besitzern nichts ändern. Der Betrieb des Multiplexkinos liegt weiterhin beim Mieter Cinesa, die Vermarktung aller vier Zentren bei der Madrider Consulting-Gruppe Aguirre Newman. Inzwischen kümmert sich diese zusätzlich um das gesamte Tagesgeschäft von La Vega (Alcobendas), Cuadernillos (Alcalá de Henares), Naves (Pamplona) sowie vom Festival Park.

Für 17 Mitarbeiter auf Mallorca bedeutete der Eigentümer-Wechsel allerdings das Aus, weil viele Aufgaben nun zentral in Madrid erledigt werden. Die Entlassungen hätten zu den Bedingungen der Käufer gehört, sagt der Geschäftsführer.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 5. Januar (Nummer 609) lesen Sie außerdem:
- "Wir brauchen billigere Wohnungen": Die Lehre aus der Immobilienkrise
- Muslime der Insel planen zentrales Kulturzentrum
- Bilanz positiv: Ein Jahr Rauchverbot
- Sprachpolitik: Buhrufe für den Bürgermeister
- Protestwelle gegen Hotelbaupläne in Sa Ràpita
- Die Details zur Erhöhung der Grundsteuer

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