Badeunfälle auf Mallorca: Todesursache Leichtsinn

An den Stränden der Insel sind diese Saison bereits elf Deutsche ertrunken. Meist handelte es sich um Senioren, die sich überschätzten. Gleichzeitig sparen die Gemeinden an den Rettungsschwimmern

19.07.2012 | 03:15
Rettungseinsatz am Strand: In diesem Fall ist nichts passiert – es handelt sich um eine Übung
Rettungseinsatz am Strand: In diesem Fall ist nichts passiert – es handelt sich um eine Übung

Wenn Badegäste im Meer vor ­Mallorca ums Leben kommen, treffen auf sie meist folgende Merkmale zu: Ausländer, über 70 Jahre alt, männlich. Nicht selten haben die Opfer zudem kurz zuvor reichlich gegessen oder Alkohol getrunken, oder aber sie waren schon wegen Herz-Kreislauf-Problemen in ärztlicher Behandlung.

So jedenfalls beschreibt Victoria Avellà das Profil der Badetoten, deren Zahl in den vergangenen Wochen wieder deutlich gestiegen ist. Diese Merkmale träfen auf rund drei Viertel der Fälle zu, sagt die Leiterin der Notfallversorgung beim Roten Kreuz auf den Balearen. Dort werden nicht nur viele der Rettungsschwimmer ausgebildet, die Cruz Roja ist auch direkt für die Strände in den Gemeindegebieten Sóller und Llucmajor zuständig.

Ob die Zahl der Badetoten im Vergleich zum Vorjahr zugenommen hat, lässt sich noch nicht sagen – das balearische Innenministerium wertet die Daten noch aus und bittet um Geduld. Veröffentlicht wird stattdessen eine Pressemitteilung zur Übergabe von zwölf sogenannten Defibrillatoren an Gemeinden. Die Geräte sollen durch Stromstöße Herzrhythmusstörungen beenden.

Einen Eindruck von der Situation hat man auch im deutschen Konsulat in Palma. Es wird eingeschaltet, wenn Landsleute betroffen sind. Bis zum 11,. Juli habe man elf deutsche Ertrunkene gezählt, so Konsulin Regina Lochner. Das Konsulat schätzt die Todesumstände ähnlich wie das Rote Kreuz ein und warnt im MZ-Blog mit drastischen Worten vor zu viel Leichtsinn: „Wenn der rüstige Rentner im Wasser 200 Meter vom Strand entfernt merkt, dass ihn plötzlich doch die Kräfte verlassen, er daraufhin in Panik gerät und ihn vielleicht auch noch eine der hier verschiedentlich auftretenden Unterstömungen erfasst, dann ist es oft schnell mit ihm vorbei." Jeder Urlauber müsse selbst Sorge tragen, dass er die Heimreise im Passagierraum antrete – und nicht in einem Sarg im Frachtraum.

Zwar gibt es auch gefährliche Badestellen vor der Küste Mallorcas. Doch diese seien inzwischen ausreichend abgesichert, sagt Avellà, zudem seien die Gefahren an solchen Stellen offensichtlicher. So komme es, dass sich die meisten tödlichen Badeunfälle vielmehr an gut besuchten Stadtstränden und bei Wehen der grünen Flagge – also ruhiger See – ereigneten.

Die einheimischen Senioren kennen die Risiken des Meeres besser: Sie seien schließlich mit ihm aufgewachsen, so Avellà. „Wir bekamen von klein auf erzählt, dass man nicht mit vollem Magen ins Wasser geht." Viele Mallorquiner suchen das Meer ohnehin lieber morgens oder am späten Nachmittag auf, wenn die drückende Hitze nachlässt.

Bei vielen Badeunfällen von Senioren können Rettungsschwimmer nur noch wenig ausrichten. Beunruhigend sind zudem die derzeitigen Sparzwänge der Institutionen: So verloren alle Strände im Gemeindegebiet Manacor die Blauge Flagge – ein Qualitätssiegel, das neben Sauberkeit und Service auch für Sicherheit vergeben wird. Das Problem: Die Gemeinde will nicht zwei Rettungsschwimmer pro Strand finanzieren. „Eine Doppelbesetzung ist für größere Abschnitte keine schlechte Sache", so der zuständige Stadtrat Joan Gomila. „Aber für Cala Antena oder Cala Anguila, die nur 50 Meter breit sind, ist das lächerlich."

Das Rote Kreuz dagegen übernimmt Aufträge für die Strandaufsicht überhaupt nur, wenn mindestens zwei socorristas pro Strand vorgesehen sind. Doch da das Budget überall gekürzt werde, habe man die Playas in den Gemeinden Palma und Pollença inzwischen abgegeben, sagt Avellà. Statt früher über hundert seien nur noch 15 Rettungsschwimmer vom Roten Kreuz an Mallorcas Stränden im Einsatz. Auf breiter Front würden Arbeitsstunden erhöht und Gehälter herabgesetzt – das könne nicht ohne Folgen für die Sicherheit bleiben. Ohnehin decken die Rettungsschwimmer nur die Tageszeiten ab, in denen am Strand am meisten los ist.

Aber auch an gut überwachten Stränden sind Senioren gut beraten, nicht alleine ins Wasser zu gehen. Bei Schwindel- oder Ohnmachtsanfällen können Begleiter wesentlich schneller eingreifen als ein Rettungsschwimmer.

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