Merkur auf Mallorca: Jetzt scheint die Sonne auch auf der Insel

Der Glücksspiel-Riese übernimmt mitten in der Krise neun Spielotheken auf Mallorca. Auch dank vieler Deutscher steigen die Besucherzahlen

25.10.2012 | 11:33
Carlos Chacón in der Merkur-Spielothek am Paseo Marítimo
Carlos Chacón in der Merkur-Spielothek am Paseo Marítimo

Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten erstrahlt die lachende Sonne der Merkur-Spielotheken nun auch über Mallorca. Durch eine Allianz mit dem spanischen Unternehmen Dosniha hat die der deutschen Gauselmann-Gruppe angehörige Merkur Gaming neun Spielhallen auf der Insel übernommen, sechs davon in Palma, drei in Arenal.

Die Lokale werden zwar weiterhin von Dosniha betrieben, erklärt Rolf Falke, Geschäftsführer der für das Auslandsgeschäft zuständigen Merkur International. Sie firmieren nun allerdings unter dem Namen Merkur samt dazugehörigem Erscheinungsbild. Die großen Spielotheken, die an strategisch wichtigen Punkten etwa am Paseo Marítimo und an der Playa de Palma liegen, habe man bereits umgebaut, die restlichen sollen in den nächsten Monaten folgen.

Dass bald überall die neuen Logos prangen, stört Dosniha-Geschäftsführer Carlos Chacón nicht im Geringsten. Ganz im Gegenteil. „Das wirkt, es kommen viel mehr Kunden." Seit der Übernahme im Mai sei die Zahl der Besucher um rund ein Drittel gestiegen. Vor allem Touristen aus Deutschland und Nordeuropa würden auf den bekannten Namen und die ihnen aus der Heimat vertraute Sonne anspringen. „Deutsche lieben das Gewohnte, deshalb gehen sie auch so gern zu Lidl und Müller", stellt Chacón fest. Sogar die bevorstehenden Nebensaison mache ihm angesichts dieser Entwicklung keine Angst mehr. Denn zum neuen Klientel zählten neben den Urlaubern viele überwinternde Residenten. Dass die Besucherfrequenz zugenommen hat und in den Spielhallen nun viel mehr Deutsch gesprochen wird, bestätigt auch Rolf Falke. Zwar mache sich die Krise auch auf der Insel bemerkbar, aber man sei sehr zufrieden mit dem Geschäft auf Mallorca.

Auf dem Festland ist das etwas anders. Einen Standort in Málaga habe man krisenbedingt schließen müssen, sagt Falke. Und aus Madrid, wo ein Partner von Merkur einst einige Spielstätten betrieb, habe man sich schon vor Jahren zurückgezogen, nachdem das wirtschaftliche Umfeld immer mehr zu wünschen übrig ließ.

Einer Studie der Universität Carlos III in Madrid zufolge spielen die Spanier mittlerweile tatsächlich seltener und um geringere Geldbeträge. Bei Online-Glücksspielen wurden 2010 spanienweit noch über 670 Millionen Euro verzockt, 2011 sank der Betrag auf knapp 650 Millionen Euro. Gleichzeitig, so das Fazit der Forscher, spielt aber ein immer größerer Teil der Bevölkerung. Zwischen 2009 und 2011 ist der Anteil der 18- bis 75-Jährigen, die sich im Glücksspiel versuchen, um rund ein Viertel auf 64 Prozent gestiegen. „Die Leute hoffen auf einen Gewinn, der sie aus ihrer misslichen Finanzlage befreien oder diese zumindest lindern könnte", so die Begründung von Studienleiter Francisco Ruíz.

Auf Mallorca hofft Merkur nun nicht nur auf geschäftliche Erfolge. Mit Dosniha habe man einen Partner gefunden, der vor Ort auch in der Entwicklung tätig ist und beispielsweise die Software für Spielautomaten in ganz Spanien liefert. Die Geräte können somit an die in den jeweiligen Regionen geltenden Gesetze angepasst werden. Zudem arbeite Dosniha eng mit der Balearen-­Universität zusammen, an der gut qualifizierte Ingenieure und Informatiker ausgebildet werden. Diese personelle Ressource will künftig auch Merkur nutzen. Im ParcBit in Palma werde derzeit eine neue Entwicklungsabteilung, quasi eine Außenstelle von Merkur Gaming, aufgebaut, erklärt Rolf Falke. Schon jetzt seien deutsche Ingenieure zumindest zeitweise in Palma, während Mallorquiner zur Weiterbildung nach Deutschland reisen. „Der Austausch ist inzwischen sehr rege, aber es gibt noch Potenzial nach oben", sagt Falke.

In den Spielotheken ist das Personal größtenteils dasselbe geblieben. Allerdings habe man die Mitarbeiter in Sprach- und Benimmkurse geschickt, sagt Dosniha-Geschäftsführer Chacón. In den Merkur-Spielotheken würden die Kunden nun behandelt wie im Fünf-Sterne-Hotel, verspricht der Chef. Das wüssten insbesondere deutsche – und weibliche – Gäste zu schätzen. „Uns fällt auf, dass immer mehr Frauen kommen." Im neuen Ambiente fühlten sie sich scheinbar wohl und sicher.

Zudem gibt es klare Spielregeln: Wer aggressiv werde oder herumschreie, werde sofort zum Verlassen des Lokals aufgefordert. Ein absolutes Tabu sei in den Spielotheken von nun an auch der Alkohol. Was in Deutschland seit Langem Gesetz ist, gelte seit Juni auch in den Merkur-Lokalen in Arenal und seit Oktober in denen in Palma, sagt Chacón. „Die Leute sollen schließlich verantwortungsvoll spielen." Der Besuch einer Spielothek oder eines Casinos sei eine Freizeitbeschäftigung wie jede andere – wenn man ihr maßvoll nachgehe.

Und dieses Maß scheinen die Spanier – das ist ein positiver Nebeneffekt der Krise – nun seltener als früher aus den Augen zu verlieren.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 25. Oktober (Nummer 651) lesen Sie außerdem:
- Das ist doch keine Rettung! Balearen benatragen Finanzhilfe
- Bizarrer Baustopp in Andratx: erfahrungen eines deutschen
- Oktoberfest hinterlässt Spuren
- Schöne künstliche Welt: Marineland unter Druck
- Prozess um Kindstötung in Palma: Beschuldigte will sich nicht erinnern

Hier geht's zum E-Papier: epaper.mallorcazeitung.es.

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