Beschimpfungen zum Auftakt des Mammutprozesses

In einem neuen Sitzungssaal hat am Montag (14.1.) der bislang größte Drogenprozess auf Mallorca begonnen

15-01-2013  
Blick in den Verhandlungssaal
Blick in den Verhandlungssaal Foto: Diario de Mallorca

Unter verschärften Sicherheitsbedingungen und mit Beschimpfungen zwischen den 55 Angeklagten hat am Montag (14.1.) ein Mammutprozess begonnen. Im bisher größten Drogenprozess auf Mallorca wird 55 Angeklagten, darunter „La Paca", Ex-Patriarchin von Palmas Drogen-Viertel Son Banya, der Prozess gemacht. Da die Räumlichkeiten im Gerichtsgebäude nicht ausreichen, findet der Prozess im Gewerbegebiet Son Rossinyol statt, in einem modernen Sitzungssaal der balearischen Beamtenschule.

Zu den Beschimpfungen kam es zwischen den Anhängern verschiedener Clans. Der vorsitzende Richter rief die Angeklagten zur Ordnung, Beamte der Nationalpolizei griffen ein. Eine der Angeklagten, Dolores Cortés, brach in Tränen aus und musste aus dem Saal geführt werden. Acht Plätze blieben zudem frei, da die Angeklagten zum Teil unentschuldigt nicht erschienen waren. Fünf von ihnen wurden zur Fahndung ausgeschrieben.

Troz allem konnte der Prozess wie geplant beginnen. Am ersten Prozesstag stellten die Anwälte der Angeklagten das Vorgehen der Ermittler in Frage und beantragten, unter anderem Protokolle von Abhöraktionen nicht als Beweise zuzulassen.

Auf der Anklagebank sitzen insgesamt 55 Vertreter von sechs mutmaßlichen Drogenclans, die über Jahre hinweg den Handel mit vorwiegend aus Barcelona eingeschmuggeltem Kokain und Heroin auf Mallorca kontrolliert haben sollen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Gefängnisstrafe von insgesamt 686 Jahren. Angesetzt sind über einen Zeitraum von zwei Monaten 18 Verhandlungstage mit Sitzungen über den gesamten Tag.

Zuletzt wurde Francisca Cortés Picazo, alias "La Paca", im Februar 2009 wegen der Entführung und Misshandlung der mutmaßlichen Diebe einer Millionen-Beute aus dem Drogenhandel und weiteren Delikten zu 22 Jahren Haft verurteilt, zusammen mit 24 weiteren Angeklagten, darunter ihre Kinder, Geschwister und weitere Verwandte.

Der Gitano-Clan hatte um seine Hauptbeschäftigung, den Drogenhandel, nie einen Hehl gemacht und das Geld großzügig ausgegeben. Bis im Juli 2008 mehr als 200 Polizisten in die Baracken­siedlung nahe des Flughafens einrückten, 21 Personen festnahmen und kiloweise Drogen sicherstellten. Der Prozess muss nun klären, wie die Clans den Drogenhandel organisiert hatten.

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