Gründerstimmung in der Herberge

Private Betreiber übernehmen in Konzession die Wanderhütten Can Boi in Deià und Pont Romà in Pollença. Ein Mallorquiner und eine Holländerin bereiten sich nun auf ihre Rolle als Gastgeber in der Serra de Tramuntana vor

16.01.2013 | 18:28
Die Herbergen in Deià und Pollença
Die Herbergen in Deià und Pollença

Wenn Antonio Martí Dols demnächst in einer Herberge im Tramuntana-Gebirge statt auf einer Baustelle arbeiten wird, hat er das vor allem seiner Frau Xisca Ramis zu verdanken: Die Verwaltungsangestellte hatte im Herbst vergangenen Jahres die Ausschreibung von Mallorcas Inselrat für die Betreibung zweier refugios bei der regelmäßigen Lektüre des balearischen Gesetzesblatts (BOIB) entdeckt.

Auch wenn die letzte Unterschrift noch fehlt, kann sich der 38-Jährige auf einen Umzug von Bunyola nach Deià an der Nordküste einstellen. Dort wird er Herbergsvater des Can Boi, somit Gastgeber von bis zu 32 Gästen und Arbeitgeber von drei Angestellten. Im Nordosten der Insel gilt Ähnliches für Yvonne Haverland: Die gebürtige Holländerin bereitet sich darauf vor, die Herberge Pont Romà in Pollença zu managen.

Erstmals werden somit Wanderhütten des Inselrats in der Tramuntana privat betrieben. Der Consell reagiert damit auf das Defizit von 600.000 Euro, das der Betrieb der insgesamt sechs Herbergen im Jahr 2011 eingebracht hat. Den Begriff Privatisierung vermeidet die Institution allerdings. Vielmehr werde nur der Betrieb zweier in Ortschaften gelegener Herbergen nach außen verlagert, heißt es gegenüber der MZ. Eigentümer und verantwortlich für die Verwaltung bleibe der Inselrat. Die neuen Hüttenwirte müssen sich so auch in ein strenges Korsett fügen: Übernachtungs- und Essens­preise sind verbindlich festgelegt. Der Schlafplatz im Gruppenzimmer hat weiter 11 Euro zu kosten.

Dols und Haverland haben sich gegen insgesamt vier weitere Bewerber durchgesetzt und sind voller Tatendrang. „Ich möchte allen zeigen, was wir hier an Natur und Kultur zu bieten haben", sagt die 48-jährige Haverland, die für die Konzession 10.000 Euro jährlich zahlen wird. Bislang sei das Angebot der refugios im Ausland noch viel zu wenig bekannt. So sei die Herberge Pont Romà mit ihren fünf Gruppenzimmern idealer Ausgangspunkt für Wander-, Rad- oder Klettertouren, auch das Meer liegt nahe. Pollença ist ohnehin Anfang und Ende der Trockensteinmauerroute, die durch die gesamte, inzwischen zum Welterbe deklarierte Tramuntana führt. Bislang war das Pont Romà wegen Renovierungs­arbeiten geschlossen.

Neben Herbergs- und Verpflegungsservice will Haverland eine breite Palette an Outdoor-­Aktivitäten anbieten. Die Unternehmerin mit 15-jähriger Erfahrung im Tourismus hat diese Angebote in einem eingereichten Managementplan beschrieben. Mallorquinische Mitarbeiter sollen für Authentizität sorgen – und die Gäste Gelegenheit haben, an Dorffesten und -aktivitäten teilzunehmen.

Auch Herbergsvater Dols hat viele Pläne – Can Boi ist für ihn und sein dreiköpfiges Team ein Weg aus der Arbeitslosigkeit, „auf dem Bau habe ich keine Zukunft." Viele Stunden habe er mit seiner Frau über der Bewerbung gesessen. Das erfolgreiche Gebot wurde schließlich strategisch auf eine jährliche Summe von 6.050 Euro festgesetzt. Auch wenn angesichts der festgelegten Preise nur geringe Margen möglich seien, freue er sich wieder auf ein Einkommen, für das er den perfekten Gastgeber geben werde.

Da das refugio nahe an der Bucht von Deià liege, könnte es durchaus ganzjährig in Betrieb sein, und nicht nur im Frühjahr und Herbst. Für die Gäste werde er kostenlose Fahrräder zur Verfügung stellen. Die Buchung werde direkt über eine eigene, viersprachige Website laufen. Weitere Attraktion in der Herberge ist eine restaurierte tafona, eine Ölmühle, für deren Wartung der Inselrat weiterhin verantwortlich ist.

Und wenn freie Zeit bleibt, werde er sich nicht langweilen, so Dols: Er trainiere gerade für den Ultra Trail im April, einen 107 Kilometer langen Extrem-Marathon durch die Tramuntana. Die Route führt am Can Boi vorbei, eine der Verpflegungsstationen befindet sich vor der Haustür.

Dass die weiteren Herbergen in der Tramuntana ebenfalls privat verwaltet werden könnten, schließt der Inselrat zumindest vorerst aus. Und auch, wenn in den beiden refugios ab dem Frühjahr ein frischer Wind weht, sorgen die Regeln des Inselrats dafür, dass sie während der zunächst zweijährigen Konzession keinen Sonderstatus einnehmen. Auch für sie gilt: Um 22 Uhr schließt die Herberge, und um 23 Uhr ist Nachtruhe.

Reservierungsservice des Inselrats (Xarxa de Refugis): www.conselldemallorca.net


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