Fall Nóos: Torres belastet spanisches Königshaus

Der frühere Geschäftspartner von Urdangarin wurde am Samstag sieben Stunden in Palma vernommen

17.02.2013 | 08:55

Im Skandal um die umstrittenen Geschäfte des königlichen Schwiegersohns Iñaki Urdangarin gibt es neuen Ärger für das spanische Königshaus. So sagte der frühere Geschäftspartner von Urdangarin, Diego Torres, am Samstag (16.2.) in seiner rund siebenstündigen Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter auf Mallorca aus, dass auch die Königstochter Entscheidungen getroffen habe. Urdangarin habe seine Frau in allen wichtigen Fragen konsultiert. Torres belastete desweiteren den früheren Schatzmeister und persönlichen Assistenten der Infantinnen, Carlos García Revenga. Auch er habe Entscheidungsgewalt gehabt.

Torres will beweisen, dass Urdangarin nicht nur repräsentative Aufgaben wahrnahm, sondern auch bei allen finanziellen Entscheidungen beteiligt war, Im Gegensatz zu seiner früheren Vernehmung antwortete der frühere Geschäftspartner auf alle Fragen von Untersuchungsrichter und Staatsanwälten. Im Rahmen der Vorladung im Gerichtsgebäude in Palma übergab der frühere Universitätsprofessor zudem weitere E-Mail-Protokolle. Eine davon richtet sich an die Freundin des Königs, die Deutsche Corinna zu Sayn-Wittgenstein. In ihr bittet Urdangarin nach Informationen des "Diario de Mallorca" darum, auf Empehlung des Königs in die Laureus-Stiftung aufgenommen zu werden, die den gleichnamigen Sportler-Preis vergibt.

Weitere Vorwürfe richteten sich gegen den Anwalt von Urdangarin. Dieser habe ihm gesagt, dass es ihm weder an einer Stelle noch an Geld fehlen würde für den Fall, dass er die gesamte Verantwortung in dem Korruptionsfall auf sich nehmen würde. Konkret seien ihm die Übernahme der Anwaltskosten sowie ein Posten in Südamerika angeboten worden.

Urdangarin, der am kommenden Samstag (23.2.) erneut vorgeladen ist, muss sich wegen des Vorwurfs des Betrugs und Amtsmissbrauchs verantworten. Der ehemalige Handball-Nationalspieler soll vor allem zwischen 2004 und 2006 aus seiner privilegierten Stellung als Mitglied der Königsfamilie Profit geschlagen und gewaltige Summen an der Steuerbehörde vorbeigeschleust haben. Auf die Spur der fragwürdigen Geschäfte waren die Ermittler unter anderem bei der Aufarbeitung des Korruptionsskandals um die Palma Arena gekommen, eine vom ehemaligen Balearen-Premier Jaume Matas (PP, 2003-2007) in Auftrag gegebene Radsporthalle.

Die Summen, die Urdangarins Firmengeflecht rund um das vorgeblich gemeinnützige Instituto Nóos von öffentlichen Stellen, aber auch von privaten Firmen für schwer nachvollziehbare Leistungen erhalten hat, sind beachtlich. So erzielten Urdangarin und sein Geschäftspartner Diego Torres allein mit der Organisation zweier Tagungen zu "Sport und Tourismus" in Palma 2005 und 2006 rund 1,4 Millionen Euro Nettogewinn. Urdangarin wies bislang alle Vorwürfe zurück und machte stettdessen Torres verantwortlich.

Infantin Cristina ist Teilhaberin der Consulting-Firma Aizoon S.L., die im Zentrum der Ermittlungen steht. Die Firma hatte zwischen 2003 und 2007 Zehntausende Euro von öffentlichen Institutionen und Unternehmen erhalten. Ermittler und Staatsanwaltschaft hatten bislang betont, dass es keinerlei Indizien gebe, dass die Infantin an den Geschäften ihres Mannes beteiligt gewesen sei.

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