Wenig Chancen für Pfandsystem auf Mallorca

Auf der Insel dominiert die Einwegflasche. Daran dürfte auch die Verpackungssteuer nichts ändern

09.03.2013 | 21:34
Flaschen, Flaschen, Flaschen
Flaschen, Flaschen, Flaschen

Früher gab es sie in fast jedem Dorf: In mehr als 50 Getränkefabriken auf Mallorca konnte man in Glasflaschen abgefüllte Limonade und Sodawasser in Siphons erstehen. Pilar Carbonell, die Vorsitzende des mallorquinischen Restaurantverbands, kann sich noch gut daran erinnern: „In Port d´Andratx, wo ich aufgewachsen bin, haben wir dort immer unser Wasser und die gaseosas gekauft." In Pfandflaschen wohlgemerkt. „Das hat damals gut funktioniert."

Heute sei dieses System nicht mehr vorstellbar. „Der Lebensstil hat sich geändert, die Leute haben keine Zeit mehr, um Flaschen zurück zum Händler zu bringen." Daran werde auch die ab 1. April geltende Steuer auf Verpackungen – und damit unter anderem auf Einwegflaschen aus Glas und Plastik – nichts ändern, befürchtet Carbonell.

Zumindest nicht bei den Endverbrauchern. Bei den Wirten könnte es schon anders aussehen. Restaurant- und Barbetreiber werden die neue Abgabe vor allem bei Wein, Saft und Milch zu spüren bekommen. Bei Bier, Cola, Fanta und Wasser setzen schon jetzt viele Wirte auf ­wiederverwertbare Pfandflaschen, die die Großhändler in Kästen anliefern und wieder abholen. Die Strandbars sind da eine Ausnahme. „Dort bevorzugt man meist Einwegflaschen, weil die Touristen sie eh nicht zurückbringen", sagt Carbonell. Zudem würden in den Touristen­regionen viele ausländische Biere angeboten, die in Spanien oftmals gar nicht in Pfand­flaschen verfügbar sind.

Ein Problem, das Nacho Summers, den Wirt des „Molta Barra" in Palmas Altstadt, nervt. Sogar Biere vom spanischen Festland, von denen er nur geringe Mengen beziehe, bekomme er auf der Insel nur in Einwegflaschen. „Immerhin entsorge ich die dann im Glascontainer, was ja hier keine Selbstverständlichkeit ist." Summers prophezeit, dass jene Kollegen, die im Gegensatz zu ihm auch Wasser, Cola oder die gängigen Biere immer noch in Einwegflaschen bestellen, nun aus wirtschaftlichen Gründen umsatteln werden. „Pfand ist definitiv günstiger, jetzt in der Krise könnte es sich durchsetzen."

Das hofft auch das Unternehmen Comercial Bordoy, derzeit Mallorcas einziger Lieferant, der Mineralwasser in Pfandflaschen vertreibt „Das ist unser Pluspunkt, darauf müssen wir setzen", sagt Sandra Adrian aus der Marketingabteilung. Zudem ist auch sie überzeugt, dass sich der Umstieg auf Pfandflaschen für kleine chiringuitos oder auch Hotels, die oftmals im Außen­bereich, etwa am Pool, mit Plastik­flaschen arbeiten, in finanzieller Hinsicht schnell rechnen würde.

Endkunden können die neue Steuer hingegen kaum umgehen. In den Supermärkten der Insel dominieren Einweg und Plastik. Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern, vermutet Miquel Gual, Geschäftsführer von Font Teix und Vorsitzender des balearischen Unternehmerverbands der Wasser­abfüller. Denn in Spanien fehle schlichtweg die Infrastruktur für ein Pfandsystem, das bis zum Direktverbraucher reicht. „Die Supermärkte können das gar nicht stemmen, sie haben nicht mal Lagerräume für das Pfandgut." Zudem würde ein Pfandsystem wie in Deutschland an der Bequemlichkeit der Verbraucher scheitern. Eine Chance hätte es Gual zufolge höchstens, wenn Politik und Verwaltung es forcieren würden. Doch dort fehle jeglicher Wille. „Bei der neuen Steuer geht es ja nicht darum, die Umwelt zu schützen, sondern lediglich ums Geld."

Als Kunde mit Ökobewusstsein bleiben einem also weiterhin nur begrenzte Möglichkeiten. Wer etwa sein Bier aus Mehrwegflaschen
trinken möchte, muss bei Bordoy zunächst im Büro vorsprechen, ein Formular ausfüllen und sich eine Kundennummer geben lassen – auf dass man ja den Kasten auch wieder zurückbringt. Guillermo Tamacni von der Tramuntana-­Brauerei in Selva indes würde seinen Gerstensaft gerne in Pfandflaschen abfüllen, doch dafür wäre eine große Investition nötig. „Wir müssten eine Waschanlage und vor allem einen Bestand an Mehrwegflaschen anschaffen." Und zwar dreimal so viele wie pro Monat befüllt werden – also rund 18.000. „Das können wir uns momentan unmöglich leisten", bedauert Tamacni.

Derzeit setzt auf der Insel nur die Firma La Paduana in Petra auf Getränke in Pfandflaschen – darunter Orangen- oder Zitronenlimonaden und die typische, colaartige „Pinha Mallorquina". „Was wir hier machen ist eine Spinnerei", sagt Seniorchef Miquel Gibert. „Auf dem mallorquinischen Markt spielt das eine verschwindend kleine Rolle. 99,9 Prozent des Wassers wird in Plastikflaschen verkauft." 2012 habe man rund eine Million Liter abgefüllt, fügt sein Bruder Toni hinzu. 70 Prozent davon in Pfandflaschen. „Das ist für uns günstiger, aber mit der Einweg-Konkurrenz vom Festland können wir nicht mithalten." Zudem sei das Rückgabesystem unpraktisch und den Leuten somit kaum schmackhaft zu machen. „Sie haben noch zu viel Geld", sagt Miquel Gilbert.

Oder einfach kein Faible für Nostalgie. La Paduana ist nämlich auch die einzige Fabrik, die noch in Siphons abgefülltes Sodawasser herstellt. Inzwischen sind die Behälter aus Hartplastik und werden aus Argentinien importiert. Dennoch sind immer noch Original-Siphons aus Glas in Umlauf. Und wer zum Auffüllen nicht bis nach Petra fahren will, kann sich in Palmas Altstadt, in „Sa Sifonería", Nachschub holen. Inhaber Juan Carlos Montoro hat daneben Limonaden im Angebot – und Wein, den er direkt aus den Fässern in Pfandflaschen abfüllt.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 28. Februar (Nummer 669) lesen Sie außerdem:

- Kein Grund für euphorie: 30 Jahre Balearen-Statut
- Zwangsräumungen = Selbstmorde? So einfach ist die Gleichung nicht
- Urdangarin-Prozess: Schwarzer Peter im Schatten des Königshauses

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