Vorladung für Infantin auf unbestimmte Zeit verschoben

Die Tochter des spanischen Königs war für den 27. April für eine Vernehmung zitiert worden

05.04.2013 | 14:42
Vorladung für Infantin auf unbestimmte Zeit verschoben
Vorladung für Infantin auf unbestimmte Zeit verschoben

Die Vorladung für die Tochter des spanischen Königs Juan Carlos, die für den 27. April geplant war, ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Das hat Untersuchungsrichter José Castro am Freitag (5.4.) nach einem Antrag von Antikorruptionsstaatsanwalt Pedro Horrach entschieden. Die Staatsanwaltschaft hatte sich gegen eine Vorladung ausgesprochen. Ein neuer Termin hängt nun davon ab, wie das balearische Oberlandesgericht über den Antrag der Staatsanwaltschaft entscheidet.

Die Vorladung ist ein schwerer Schlag für das spanische Königshaus: War der Skandal um die fragwürdigen Geschäfte des Schwiegersohns Iñaki Urdangarin bislang vor allem peinlich, drohen inzwischen auch strafrechtliche Konsequenzen für die Tochter von König Juan Carlos selbst. Die Vorladung von Cristina de Borbón, Frau von Urdangarin und Herzogin von Palma, war am Mittwoch (3.4.) bekannt geworden.

Die Vorladung ist die Folge kompromittierender E-Mails, die der frühere Geschäftspartner von Urdangarin, Diego Torres, der Justiz übergeben hat. Torres hatte ausgesagt, dass man im Königshaus über die Geschäfte von Urdangarin auf dem Laufenden gewesen sei. Urdangarin hatte dies in seiner Aussage im Februar auf Mallorca bestritten.

Castro verwies in seiner Begründung für die Vorladung auf Indizien, dass Cristina in die Geschäfte verwickelt gewesen sei und ihre gesellschaftliche Stellung dazu beigetragen habe, Aufträge zu erhalten. Die Infantin ist Teilhaberin von Aizoon S.L., einer Consulting-Agentur im Firmengeflecht rund um das angeblich gemeinnützige Institut Nóos.

Urdangarin muss sich unter anderem wegen Verdacht auf Betrug, Veruntreuung und Steuerhinterziehung verantworten. Der Ex-Handball-Nationalspieler kassierte zwischen 2004 und 2006 Millionen­summen unter anderem von der balearischen Landesregierung für die Ausrichtung von Tagungen. Die Rechnungen waren nach Erkenntnissen der Ermittler aufgeblasen, Leistungen nicht nachvollziehbar.

Das spanische Königshaus hatte sich in einer ersten Stellungnahme „verwundert" über den Kurswechsel von Castro gezeigt. Man begrüße die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, die Vorladung anzufechten. Im Fall von Urdangarin war das Königshaus in den vergangenen Monaten auf Abstand gegangen war, während Cristina öffentlich weiter zu ihrem Mann hielt. Die Zeitung „El Mundo" spekuliert allerdings, dass Ex-Sozius Torres auch E-Mails über einen angeblichen Seitensprung Urdangarins vorrätig hat. Dabei stehen der spanischen Monarchie auch so schon schwierige Zeiten bevor.

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