Abriss der Ses-Covetes-Ruinen: Stunde Null am Es-Trenc-Strand

Anwohner und Urlauber erleben mit Spannung und Erleichterung den Beginn der Abrissarbeiten in Ses Covetes. Die Spuren der illegalen Apartmentsiedlung müssen bis 15. Mai vollständig getilgt sein

06.04.2013 | 08:59
Abriss der Ses-Covetes-Ruinen: Stunde Null am Es-Trenc-Strand

Esteban Sánchez freut sich auf anderthalb Stunden mehr direkte Sonneneinstrahlung. In diesen Tagen kann der Besitzer der Strandbar „El último paraíso" am Es-Trenc-Strand an der Südküste von Mallorca dabei zusehen, wie die Sonne Stück für Stück Terrain zurückerobert – und ein Rohbau-Apartment nach dem anderen verschwindet. „Wir werden auch wieder freie Sicht auf Colònia de Sant Jordi und die Insel Cabrera haben", sagt der Wirt gut gelaunt. Da nimmt er auch gerne Baulärm und Staub in den kommenden Wochen in Kauf.

Es ist Dienstag (2.4.) kurz vor 13 Uhr, als der Bagger seine Schaufel ausfährt und sie auf die erste Betonfassade donnern lässt. Die Bauruinen von Ses Covetes, die seit knapp 20 Jahren hier an der Südküste stehen und zu Mallorcas bekanntestem Naturstrand dazuzugehören schienen, leisten keinen großen Widerstand. Ob es jedoch klappt, die Frist des Oberlandesgerichts bis zum 15. Mai einzuhalten, bleibt abzuwarten: Alle 24 bis 48 Stunden müsse nun ein Apartment fallen, hat der Inselrat ausgerechnet.

Erst in den vergangenen Wochen war Bewegung in den Fall gekommen, nachdem die Richter den Bürgermeister von Campos, Sebastià Sagreras (Volkspartei, PP) verwarnt hatten. Die Gemeinde hatte einst unrechtmäßig die Baugenehmigung an einen deutschen Bauträger erteilt und ist somit für den Abriss verantwortlich – auch wenn die Landes­regierung nun den Großteil der Kosten zahlt und der Inselrat die Arbeiten übernimmt.

Dazu gehört auch die vollständige Renaturierung des Geländes. Immerhin hat es das Gericht erlaubt, dass der anfallende Bauschutt zum Auffüllen der Baugruben benutzt werden darf (siehe Grafik). Für alle recycelbaren Wertstoffe stehen hinter dem Gitterzaun für alle gut sichtbar Container bereit. Schließlich handelt es sich um die bekanntesten und meistgefilmten Bau­arbeiten auf der Insel.

Über die mediale Baustelle wundern sich auch Angelika und Ulrich Fenger aus dem Münsterland. „Das sieht ein bisschen nach Häuserkampf aus", sagt das Urlauberpaar, das an diesem Tag zum ersten Mal am Es-Trenc-Strand ist. Ähnliche Schandflecken hätten sie aber auch schon in Portugal oder auf Zypern gesehen. „Schön, dass sie weg kommen", meinen auch Karina und Jürgen Kallenberg aus Cala Murada. Wenn man sehe, dass einige Häuser schon fast fertig gebaut gewesen seien, tue einem der Irrsinn aber schon ein bisschen weh.

Einige Besucher kommen in diesen Tagen ohnehin nicht wegen der Idylle, sondern entpuppen sich als Baustellen-Touristen. Das hat zumindest Kellner Ángel Terrón beobachtet. Jeden Tag werde er unzählige Male nach der Geschichte des Schandflecks gefragt – gerade im Fall von fremdsprachigen Urlaubern sei diese nicht leicht zu erklären. Im Gegensatz zu anderen Unternehmern in Ses Covetes findet es Terrón auch in Ordnung, dass das Gericht nach all der Zeit keine Kompromisse macht und zum Beispiel die Vergabe der Konzessionen für Liegenverleih und Strandbuden erst nach Abschluss der Arbeiten wieder zulassen will. „Sonst wäre ja doch nichts passiert."

Jetzt sind die politischen Institutionen in Zugzwang. „Das ist heute ein symbolischer Anfang, für die Medien", glaubt Juanjo Barceló, dessen Familie ein Haus direkt neben der Siedlung besitzt. Zu Ostern sind sie wieder nach Ses Covetes gekommen und dokumentieren den Abriss wie auch den Medienauflauf mit Fotos und Videos. Barceló hat noch in Erinnerung, wie nur Dünen und Sträucher das Familienhaus und den Es-Trenc-Strand trennten. Jetzt ist er gespannt, ob der Inselrat das Gelände wieder so hinbekommt, wie es vorher war.

Dafür soll auch ein Trupp von Arbeitern sorgen, die mit einem kleinen Bagger auf dem Gelände unterwegs sind. Sie stechen schon seit einer Woche zwischen den Bauruinen typische Dünengewächse aus, um sie am Leben zu erhalten und nach dem Ende der Abriss­arbeiten wieder einpflanzen zu können. Es ist ein Neuanfang, auf den sich Anwohner und Urlauber freuen. „Das Monster verschwindet", sagt Wirt Sánchez, „ein 20-jähriges Spektakel geht zu Ende."

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 4. April (Nummer 674) lesen Sie außerdem:

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