Tuberkulose-Tod: Senegalese sollte für Behandlung in Notaufnahme zahlen

Nun erstattete ein Freund des 28-Jährigen Anzeige bei der Gesundheitsbehörde

10.05.2013 | 11:09

Nach dem Tod eines 28-jährigen Senegalesen, der am 21. April an Tuberkulose gestorben ist, hat nun ein ebenfalls aus dem westafrikanischen Land stammender Freund des Toten Anzeige bei der Gesundheitsbehörde IB Salut erstattet. Darin erklärt er, dass der junge Mann in der Notaufnahme im Krankenhaus in Inca zwischen 80 und 90 Euro bezahlen musste, allerdings keine wirksamen Medikamente erhalten habe und am Ende auch nicht geröntgt worden sei, da er dafür nicht genug Geld hatte.

Die spanische Gesundheitspolitik gerät indes immer stärker in die Kritik. Der Generalsekretär der sozialisitschen Partei PSOE auf Landesebene, Alfredo Pérez Rubalcaba, macht Ministerpräsident Rajoy (PP) und die spanische Zentralregierung für den Tod des jungen Mannes verantwortlich, da nach einer Gesetzesänderung im September 2012 Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis von der ärtzlichen Versorgung ausgeschlossen wurden. Die oppositionelle Linkspartei „Més per Mallorca" hat zudem bereits eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gegen den balearischen Gesundheitsminister Martí Sansaloni (Volkspartei, PP) angekündigt. Und während die hiesige PSOE fordert, dass Spaniens Gesundheitsministerin Ana Mato (PP) im Balearenparlament zu dem Fall Stellung nehmen soll, plädiert Generalsekretär Rubalcaba für eine Rücknahme des Gesetzes, damit wieder alle Bürger Spaniens eine Gesundheitskarte erhalten und ärtzlich versorgt werden.

Der Senegalese, der seit 2005 auf Mallorca wohnte und dem es seit Längerem nicht gut ging, wurde angeblich vom Gesundheitszentrum in Can Picafort ins Krankenhaus nach Inca geschickt, um sich röntgen zu lassen. Doch diese Untersuchung habe man ihm Bekannten, aber auch der balearischen Ärztevereinigung „Médcos del Mundo" zufolge verweigert, da er als Einwanderer ohne rechtmäßige Aufenthaltsgenehmigung keine Versichertenkarte vorlegen konnte.

Gesundheitsminister Sansaloni sagte dagegen, dass der Mann sogar drei Mal ordnungsgemäß behandelt worden sei. Eine Sprecherin der balearischen Landesregierung verwies zudem darauf, dass er nicht den ärztlichen Hinweisen Folge geleistet habe. Weder habe er verschriebene Medikamente eingenommen, noch habe er einen Arzt aufgesucht, als sich sein Zustand verschlechtert habe.

Der Leichnam des 28-Jährigen ist inzwischen dank einer Spendensammlung durch Freunde und Bekannte in den Senegal überführt worden. Nach derzeitiger Gesetzeslage werden Einwanderer ohne Aufenthaltsgenehmigung nur in Notfällen behandelt. Ausnahmen sind zudem für Kinder und Schwangere vorgesehen.

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